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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1879-04-01 · Heft 14 (1.4.1879) · p. Seite 219

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
43 (1879)
Issue
Heft 14 (1.4.1879)
Date
1879-04-01
Page
Seite 219 (sequence 12)
Language
German
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219 Maße, aus innerster Ueberzeugung heraus. Auch legt er nur einen sekundären Werth auf die formale Bildung, welche das Studium der griechischen und römischen Sprache gewährt; vielmehr ist ihm der Inhalt dieser Literaturen die Hauptsache, weil dieser echter Geistesfreiheit und Humanität zu dauerhafter Unterlage dient. Es sind gegenwärtig wieder viele andere Meinungen im allgemeinen Publicum verbreitet, und darum ist es gut, wenn solche Stimmen sich noch vernehmen lasten. Wir wünschten daher, daß das Schriftchen auch in den allgemeinen Buchhandel komme. Wir heben hier aus ihm folgende, die Juden betreffende Stelle heraus. Er sagt (S. 8): „In einem merkwürdigen Gegensätze zu diesen Culturvölkern stehen die Juden. Die Gottesidee, die ihr nationales Eigenthum ist, hat ihre civilisatorische und fortbildende Kraft an ihnen selbst unter den ungünstigsten Verhältnisten bewiesen. In alle Welt zerstreut, von den Völkern verachtet, von der weltlichen Macht gedrückt, von der geistlichen verfolgt, ohne Schutz und Aufmunterung von Fürsten und Großen, haben sie dennoch den ihnen anvertrauten Schatz treu gehütet und gepflegt. Von den Zeiten der Propheten an bis zur Gegenwart haben sie der Gottesidee in zahlreichen Schriften theologischen, historischen, philosophischen und poetischen Inhaltes einen der jedesmaligen Bildungsstufe angemestenen Ausdruck gegeben; aus mannigfachen Verirrungen haben sie doch immer wieder den Weg zu der ihnen durch ihre ursprüngliche Mission vorgeschriebenen Richtung gefunden. Aus ihrem Boden ist das Christenthum erwachsen, das die Welt umgestaltet hat. Sie standen unter Griechen, Römern und Arabern dem wissenschaftlichen Leben nicht fern. Während des Mittelalters waren sie als Philosophen, Mathematiker und Mediciner die Vermittler zwischen der geistesthätigen arabischen Welt und dem wistensbedürftigen Abendlande. Ihr Mittelalter begann erst, als es sich für das übrige Europa schloß. Hatte man sie früher durch Feuer und Schwert verfolgt, um sie leiblich auszurotten, so versuchte man seit der Reformation aus übel verstandener Menschlichkeit sie geistig lobt zu machen und durch Unwissenheit und Erniedrigung verkümmern zu lassen, indem man ihnen die Quellen alter Bildung, die sich Allen geöffnet hatten, verschloß und sie von jeder Mitwirkung an dem Werke der Civilisation fernhielt. Es gelang nur, den Juden, indem man sie isolirte, ein fremdartiges Gepräge aufzudrücken, das man ungerecht als Beweis benutzte, wie sie sich in das allgcmmre Culturleben nicht zu fügen vermöchten; geistig tödten konnte man sie doch nicht.. Wo eine humanere Praxis gegen sie geübt wurde, da betheiligten sie sich an der allgemeinen Bildung und legten mit Hand an, das große Werk der Civilisation zu fördern- In dem freisinnigen Holland gab der Jude Baruch Spivoza den Anstoß zu einer geistigen Bewegung von der folgenreichsten Bedeutung für die Wissenschaft und das Leben. Sein , philosophisches System ist der scharfsinnige Versuch, den naiven Gottesglauben in ein konsequentes philosophisches Wissen zu verwandeln, seine Ethik ist das treffliche Ergebniß einer lebendigen Gotteserkenntniß und in seinem theologisch-politischen Tractat ist er der Erste, der auf eine unparteiische Kritik der Glaubensquellen dringt und Denk- und Glaubensfreiheit zu einer unerläßlichen Forderung an -jede Regierung macht. In Preußen unter der aufgeklärten Herrschaft des großen Friedrich suchte Moses Mendelssohn, der Freund Lessings, der ihm in seinem Nathan ein ewiges Denkmal gesetzt Hat, durch populäre Schriften in geschmackvoller Form eine den Geist aufklärende und das Gemüth erhebende Philosophie in die weiteren Kreise des deutschen Volkes zu verbreiten. Durch deutsche Uebcrsetzungen einzelner Theile der heiligen Schrift führte er seine Glaubensgenossen der gemeinsamen Bildung wieder zu und von der Zeit an nehmen die Juden wieder Theil an dem j allgemeinen Culturleben und haben in allen Gebieten mcnschi lichen Wissens und Könnens würdige Vertreter." — Es ist inuner interessant, die Ansichten eines Mannes auch nach dieser! Richtung hin kennen zu lernen, der sein Leben im Dienste Iber Classicität vollbrachte. — I e u i l Vermischtes. Die Wallfahrt nach Jerusalem. Eine wiener Localcorrespondenz schreibt Folgendes, wofür wir die Verantwortlichkeit derselben überlassen: „Bibelkenner werden wissen, daß es ein religiöses Gebot der alten Juden war, dreimal im Jahre, zum Oster-, Psingst- und Laubhüttenfeste, mit Weib und Kind nach Jerusalem zu wallfahrten, um dort die Festtage zu verleben. Dieses Gebot wird aber noch heute von den strenggläubigen Israeliten Syriens und Palästinas befolgt, die noch immer an den erwähnten Festen mit ihren Familien nach der Heiligen Stadt ziehen. Ja, viele Juden, die nach Palästina einwandcrn, siedeln sich eigens deßteton. halb außerhalb Jerusalems an, um dann zu den genannten Festen nach dieser Stadt Wallfahrten zu können. Wie man nun aus Damascus hört, thun jetzt die dortigen Juden die nöthigen Schritte bei Midhat Pascha, der eben mit dem Projecte einer Bahn Damascus-Beyrut beschäftigt ist, damit er baldigst auch den Vau der projcctirten Bahn Jaffa-Jerusalem in Angriff nehmen lasse, um so den frommen Israeliten Syriens und Palästinas ihre Wallfahrten nach Jerusalem zu erleichtem." _ Drei Confessionen in einer Familie. In keiner Zeit haben sich wohl die religiösen Verhältnisse so sonderbar und oft so bunt unter einander gestaltet wie in H*

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