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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1879-04-01 · Heft 14 (1.4.1879) · p. Seite 218

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
43 (1879)
Issue
Heft 14 (1.4.1879)
Date
1879-04-01
Page
Seite 218 (sequence 11)
Language
German
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besten, gesetztreuestm (lav-Lbickio^) Bürger befunden habe, bei denen Vergehungen zu den größten Seltenheiten gehören." Gewiß ein schönes Zeugniß aus dem Munde eines so bedeutenden und hochstehenden Mannes wie Vance, der jetzt ebenfalls in den Senat geht. Bonn, 2. März. (Notizen.) Man schreibt uns aus Altona vom 26. Febr.: Einer der populärsten Männer Hamburg-Altonas, der Obercantor der hiesigen Portugiesischen Gemeinde, Herr M. Pi za, hat am Dienstag, den 25. d. M. das Zeitliche gesegnet. Derselbe hatte sein Amt mehr als fünfzig Jahre verwaltet und erreichte ein Alter von 84 Jahren; bis kurz vor seinem Tode versah er noch seinen Dienst. Seine schöne, kraftvolle Stimme hatte auch in seinem Alter nichts cingebüßt. — In Hannover veröffentlichte in diesen Tagen die Chewra-Kadischa ihren Rechenschaftsbericht über das l 17. Jahr ihres Bestehens. So selbstverständlich es ist, das; in einer für Wohlthätigkeit und Religiosität zu aller Zeit so empfänglichen Gemeinde, wie Hannover war und ist, eine derartige unentbehrliche Institution dauernd sich in Vlüthe erhält: so thut es doch wohl, den thatsächlichcn Beweis vor sich zu haben. Die alte Chcwra zeigte auch im vcrstoffenen Jahre sowohl in der Anzahl ihrer Mitglieder, als auch in ihren Einnahmen einen bedeutenden Anwachs. Ihre Einnahmen betrugen 12,020 Mark, ihre Ausgaben 7903 Mark, und obschon letztere gegen das Vorjahr um 600 Mark gestiegen, hatten die Einnahmen um 2850 Mark sich gehoben, überhaupt die höchsten, die der Verein jemals erreichte. Das ° disponible Vermögen besteht in 60,750' Mark außer beträchtlichen Liegenschaften. Daß allen Zweigen der Wohlthätigkeit, für welche der Verein bestimmt ist, volle Genüge geschehen, zeigt der Bericht. Die Chcwra hat sich außerdem mit einem Verein zur Errichtung eines Kranken- und Altersvcrsorgungshauses verbunden, der „still aber beharrlich seinem Ziele entgegengeht", und jetzt bereits 36,500 Mark bereit hat. Um so mehr spricht der Verein seine Verwunderung aus, daß wiederholte Berufung zu einer Plenarversammlung nicht die statutenmäßige Anzahl von Mitgliedern zusammenbringcrr konnte, so daß die erforderliche Zahl herabgesetzt werden muß. — Wenn nach einer früher gegebenen Notiz der christlich-socialistische Verein des Hofpredigcrs Stöcker als todt betrachtet werden muß, so versucht jetzt der Pastor Todt selbst einen ähnlichen Verein unter dem pompösen Titel „Ccntralverem für Socialresorm" in's Leben zu rufen. Zu diesem Zlvecke hielt er noch vor Schluß des Carnevals am 25. Abends eine „Generalversammlung". Der erste Beschluß bestand in einer Aenderung des Programms, in welchem es künftig heißen solle: „Der Verein ruht auf christlichconstitutionell-monarchischer Grundlage", statt wie bisher: „auf religiöser rc." Der Pastor Todt hat hiermit seinem Herzen einen Stoß gegeben, denn, wie bekannt, beweist (?) er in seinem Buche, daß mit dem Christenthume sich nur die Republik vereinige. Der erste Punkt dessen, was der Verein erstrebt, ist: „Staatshülfe für das Proletariat durch eine energische wirthschastliche Gesetzgebung." Dies ist freilich ein Kautschukparagraph, denn mit diesen Worten kann man die extremsten socialistischen Forderungen und alle möglichen socialistischen Einrichtungen, wie Nationalwerkstätten, Phalanxieren, die Uebernahme der gesammten Production durch den Staat rc., verbinden, und das Wort „energisch" deutet klärlich darauf hin. Nun, wir wollen den Herren das Spiel nicht verderben, aber einen wirklichen Unterschied mit den social-demokratischen Grundsätzen finden wir nicht darin, ausgenommen, daß die Socialdemokraten den männlichen Freimuth für sich haben. Solche schwächliche Pflanzungen übrigens verheißen keinen gedeihlichen Bestand. Bonn, 16. Februar. (Literarische Notizen.) Der verst. Prof. Eduard Munk, der Verfasser der verdienstvollen griechischen und römischen Literaturgeschichte in Glogau, ein Mann von seltener klassischer und religiöser Bildung, von reinstem sittlichen und humanem Character, hat im Jahre 1866 einen öffentlichen Vortrag „über den Werth der klassischen Bildung" gehalten, und diesen haben soeben seine Hinterbliebenen als ein Andenken an den Verewigten drucken und seinen Freunden übersenden taffen. Der Vortrag zeichnet sich ebenso durch die. anziehende und correcte Form, die volle, klare nnd abgerundete Sprache, wie durch den reichen Gedankeninhalt und die edle und gründliche Anschauung aus. Noch gegenwärtig spielt sich der ernste Kampf zwischen den Humanioren und den Realien ab, und selbst Männer wie Dubois-Remvnd lassen sich zu dem Paradoxon hinreißen: Kegelschnitt statt klassischer Literatur! Ja, es giebt Männer der Wissenschaft, die meinen: die Geschichte der Cultur der Menschheit habe erst mit den Naturwissenschaften und darum in der modernsten Zeit erst angesangen! Das Wort, welches hier der sel. Munk gesprochen, ist daher nicht blos ein Andenken an ihn, sondern es besitzt noch heute eine volle Bedeutung, weshalb wir wünschen, daß cs beherzigt werde. Nachdem er in allgemeinen Zügen den Entwickelungsgang der Civilisation gezeichnet und seine Unparteilichkeit auch in der rechten Würdigung der arabischen Cultur erwiesen, besonders aber die Wirkung des wiedererstandenen Studiums der klassischen Literatur auf die europäische Civilisation geschildert hat, characterisirt er des Breiteren den griechischen und römischen Geist und namentlich die Anschauungen des ersteren im Menschlich-Schönen und Edlen, wodurch dieser eben einen unentbehrlichen Einfluß auf die Bildung der Geister behalt und unersetzlich für die höhere Erziehung der Jugend ist. Er allein vermag auch, den immer wieder aufsteigenden finsteren Mächten Widerstand zu leisten. Es sind nicht gerade neue Ideen, welche Munk hier zum Ausdruck! bringt; aber es geschieht in rechter Weise und in rechtem

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