Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 43 (1879)
- Issue
- Heft 14 (1.4.1879)
- Date
- 1879-04-01
- Page
- Seite 217 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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217 kob Abraham ZweniaschIvili, Moische Eli Ziziaschwili und Michael Abram Elikschwili; die ersten sieben, weil sie den 4. April 1878, während ihrer Durchreise auf der Sadsaglichew-Straße ein christliches Mädchen, Sara Modekadse, raubten, sie in einen Sack legten und so bis Satschcheri führten, wo das Mädchen einen Tag und zwei Nächte aufgehalten wurde und dann starb; der achte, weil er, um die Spuren des Verbrechens zu verwischen, den Körper Sara's während der ersten Nacht der jüdischen Ostern in das Dorf Dorbaidse wegsührte, und der neunte, weil er um das Verbrechen wußte und cs nicht sogleich der Obrigkeit meldete. Wie daraus zu ersehen ist, hat man der Sache kein religiöses Colorit gegeben, wie es früher nach den Behauptungen der russischen Presse zu erwarten gewesen. Die Angeklagten bekennen sich nicht für schuldig und behaupten, das; sie auf ihrem Wege gar kein Mädchen gesehen haben. Dies wird durch eine ganze Reihe von Zeugen bestätigt. Von den beiden Aerzten, die den Körper des ermordeten Mädchens medicinisch untersucht haben, schreibt einer den Tod der Sara Modabadse dem Ertrinken oder sonst einem Unglücksfalle während eines starken Regens zu. Der andere einem Ersticken. Bald wird wahrscheinlich der Bericht der zweiten Sitzung veröffentlicht werden. W. B. Amerika. Baltimore, 3. März. (Privatmitth/; Der Staat Louisiana schickt einen jüdischen Senator, Herrn B. F. Jonas, in den 46. Congreß der Vereinigten Staaten *). Es ist dies . l) Zur näheren Kenntnis; dieses Mannes stellen wir hier eine Mittheilung über ihn aus dem Israelite von Cincinnati her. Es heißt t a: Am :u. Januar erwählte die Legislatur vom Staate Louisiana den Herrn B. F. Jonas zum Vertreter jenes Stacues in den Senat der Vereinigten Staaten auf seas Jahre vom 4. Mär; an. Durch diese Wahl hat die Legislatur ihren Staat ebenso geehrt wie Herrn Jonas, denn dessen hervorragende Talente, seine ernste und furchtlose Vertheidigung alles Dessen, was er für recht hält, sein klares Bewußtsein der zu erstrebenden Ziele wie seine unermüdliche Arbeit für seine Partei'haben ihn zu jeder Ehre berechtigt, welche diese zu ertheilen vermag. Im Norden geboren, ging Herr Jonas während seiner Knabenzeit nach Louisiana und begeisterte sich in solchem Maße für die Ideen des Südens, daß wir ihn während des Bürgerkrieges in den Reihen seines neuen Vaterlandes fechten sehen. Beim Ende der Feindseligkeiten nahm er wieder die Rechispraris auf und widmete seine ganze Zeit und Energie der Wiederherstellung der Macht seiner Partei. Seine Talente machten seinen Namen bald bekannt, und von jener Zeit bis auf den heutigen Tag war keine Versammlung der Notablen von Louisiana vollständig ohne die Anwesenheit von B. F. Jonas. 1872, zur Zeit des denkwürdigen „^Vveeler Comprornise". war Herr Jonas der demokratische Stellvertreter des.Gouverneurs, aber sein Name wurde auf seinen eigenen Antrag zurückgezogen, um eine Eonsolidation der Interessen, welche der Wahl von Kellogg entgegenstanden, zu bewerkstelligen. Seitdem ward er von den Bürgern von Rcw-Orleans als ihr Vertreter zuerst im Senat und später in dem zweiten Zweige der Legislatur gewählt, wo er als Vorsitzender des gerichtlichen Comitüs der dritte Israelite, der diesen Staat seit den letzten 25 Jahren in unserm Senate vertritt. Der erste war Pierre Söuls, der Anfangs der fünfziger Jahre dort Sitz hatte, der zweite war Judah Benjamin, der Kriegsminister unter Jefferson Davis, der, glücklicher als jener, nach Beendigung des Krieges entkani und gegenwärtig eine so hervorragende Rolle an der Londoner Bar spielt. Ich habe noch in keinem politischen Blatte selbst der Gegenpartei auch nur die geringste Anspielung auf das religiöse Bekenntniß des Hrn. Jonas gelesen. Wenn auch im Parteikampfe die Geister noch so sehr auf einander platzen das religiöse Bekenntniß wird aus dem Spiele gelassen, und wenn doch einmal irgend ein Winkeladvocat, um die Jury zu Gunsten seines Clienten zu beeinflussen, eine Anspielung auf das Bekenntniß seines Gegners macht, so erhebt sich die ganze Presse mit der größten Entrüstung gegen ein solches Gebühren. Auch die Stadt Boston hat seit mehreren Jahren einen jüdischen Vertreter im Repräsentantenhause. Es ist dies der erste Deutsche, den das sonst nicht fremdcnfreundliche Massasuchets in's Haus gewählt. Es ist Leopold Morse. Er ist ein Rheinbaier, dessen eigentlicher Name Mors ist, den er aber nach der Unsitte so vieler Deutschen, und sagen wir es offen, meistens Israeliten, in den mehr englisch klingenden Morse verwandelt hat. — Auch ein Israelit aus New-Aork, Einstein, wie Sie aus dem Namen ersehen, ebenfalls ein Deutscher, oder von deutscher Abkunft, wird im nächsten Congresse einen Sitz einnehmen. Einer Petition, die an den Gouverneur von Nord-Carolina, Vance, gerichtet war, um die Begnadigung eines des Todtschlages überführten Israeliten zu erlangen, willfahrte derselbe, indem er seiner Namensunterschrist folgende Worte hinzufügte: „Ich genehmige diese Fürbitte um so freudiger, als ich währrend meiner langen Amtsführung die Israeliten stets als die sungirte und bei der Einführung einiger sehr nothwendiger Reformen im Staatsgesetze sich sehr verdient machte. . Er sungirte mehrere Jahre als Staatsanwalt für die Stadt Rew-Orleans und in dieser Eigenschaft brachte er viele wichtige Angelegenheiten zu erfolgreicher Beendigung. Herr Jonas vertrat auch seinen Staat in den Berathungen des „National Pemoeratic Kxccutive Committee“. In der Ehre, welche ihm jetzt zu Theil geworden, hat sich, um seine eigenen Worte zu gebrauchen, „der Traum seiner Kindheit, die Hosjnnng seiner reiferen Jahre" erfüllt. Da er ein noch ver» hältnißmäßig junger Mann ist (42 Jahre alt) und sein Wirkungskreis sich jetzt nicht mehr auf die Grenzen seines Staates beschränkt, sind seine Freunde zu dei; Hoffnung berechtigt, daß seine Zukunft nicht nur ihm selbst, sondern durch ihn auch der ganzen jüdischen (Gemeinde Ehre bringen tvird. Er ist heute in unserem Lande der höchststehende Jude, und seine Glaubensgenossen können überzeugt sein, daß nicht allein durch ihn nie ein Fleck auf sie fallen wird, sondern auch, daß überall, wo Reinheit des socialen Lebens, feste Integrität und fleckenloser Privatcharakter herrschen, auch der dcm. B. F. Jonas von Louisiana gefunden werden wird. Da dies die Damen rnteressiren wird, fügen wir hinzu, daß das, was Herr Jonas in dem Rathe der Nation sein, seine schöne Frau'in den gesellschaftlichen Kreisen repräsentiren wird.__ Durch die Natur mit hohen Geistesgaben ausgestattet, ist ihr Wesen ebenso liebenswurdtg, wie ihr Aeußeres schön und lieblich. 14