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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1879-03-25 · Heft 13 (25.3.1879) · p. Seite 199

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
43 (1879)
Issue
Heft 13 (25.3.1879)
Date
1879-03-25
Page
Seite 199 (sequence 7)
Language
German
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199 Stern in Hamburg, die Anarchie bei den Orthodoxen, und! zwar um sehr wesentliche, reelle Fragen. Unbestreitbar bietet' auch das orthodoxe Judenthum ein ungleich größeres und1 reicheres Feld von Streitfragen dar, als das reformistische. Aber es ist doch ein eigenthümlicher Zustand, wenn wir inj Deutschland Gemeindevorstände und Repräsentanten, unter denen, bei aller Ehrenhaftigkeit der Personen, kaum einer ist, der ein Kapitel Psalm übersetzen könnte, und nur wenige, welche im hebräischen Texte den Platz Nachweisen könnten, welchen das PsaLmbuch «»nimmt, wenn solche Vorstände und Repräsentanten über gottesdienstliche Formen und Satzungen, ohne, oder auch Wider rEimsche Gutachten entscheidende Verfügungen treffen. Wen» an dem einen Orte der Vorstand die Beibehaltung!>« Akdamoth, des Esehu mekoman, der Rachegebete, abergläubischer Zehi razon u. s. w. erzwingt, beseitigt er an einem Mite» Otte das Aufrufen zur Thora, an einem dritten placirt « die Frauen im Schiff der Synagogen, an einem vierten vermindert er das Schofarblasen, und jede Gemeinde wählt sich ein anders modificirtes Gebetbuch und andere Melodien. Ihr Verl. Corr. ist der letzte, der hierüber streitet und rechtet, auch weiß er sehr Wohl, was man ihm antworten wird. Wenn wir, wird man sagen, warten wollten, bis mau sich zu einem einheitlichen Vorgehen verbunden hatte, wüÄ« aaifcr Gottesdienst noch immer vom dich- . testen mittelalterlichen Spinngewebe umgeben sein. Es ist dies aber dennoch ms Zum Theil richtig. Seit 1844 gaben sich 4 Rabbincrversammlungen und 2 Synoden alle Mühe, einen einheitlichen Weg zu ebnen, aber die Gemeinden achteten nicht daraus, und brachten dadurch das mögliche Werk dieser Versammlungen ins Stocken oder gar in Wegfall. Kein Vorstand, der den Gottesdienst bestimme» will, nimmt von den Beschlüssen jener Versammlungen Kenntniß und stützt sich auf sie — weil eben ein jeder eine Autorität für sich spielen will,, wobei es ihm gleichgültig ist, ob er nach biblischem Ausdruck „Oberster über Tausend oder Oberster üb« Zehn" ist. Worauf es uns ankam, das war lediglich, die Anarchie zu constatiren, die innerhalb des Judenthums herrscht, und die jedenfalls keine tröstlichen Aussichten erLGret. — Zn der Reichstagssitzung vom 11. d. M. brachte der Abg. v. Bühl« einen Antrag vor: der Reichskanzler möge einen europäischen Staatencongrcß zum Zweck einer allgemeinen Abrüstung veranlassen. Der Antrag erinnert an den vor einigen Jahron von unsrem würdigen Glaubensgenoffen I)r. Fischhof gegebenen Impuls, der in den österreichischen parlamentavrschen Kr«fe« so vielen Anklang fand und wenigstens zum AsArvck lax, wenn auch die Umstände eine weitere Verfotzung des Gedankens nicht begünstigten. Der deutsche Reichstag zeigte sich nicht auf der Höhe d« Idee, indem er kurzweg gegen sehr wenige Stimmen den Antrag ablchnte, ohne ihn am einer näheren Discussion zu unterziehen. Da der RerchMag sich sehr viele Zeit nimmt, um selbst! kleinlichen Controversen zu genügen, so muß man diese Be- Handlung des Bühler'schen Antrages recht bedauern. Es kam darauf an, wenigstens die hohe Bedeutung des Antrages, das Bedürfniß und Verlangen der ganzen civilisirten Welt, die in j allen Schichten des Volkes lebendige Sehnsucht nach einer Erleichterung in dieser Richtung zu constatiren. Dem aber entsprach der deutsche Reichstag nicht. Berlin, im März. (Privatmitth.) Am 10. December v. I. veranstaltete das „Comitö zur Errichtung jüdischer Waisenhäuser in Palästina" eine constituirende Versammlung, um Statuten für einen „Verein zur Erziehung jüdischer Waisen in Palästina" festzustellen. Nachdem dies gelungen, und die Statuten gegenwärtig im Druck gelegt sind, erließ der „Verwaltungsrath" folgenden Aufruf, den wir auch unsererseits dem theilnehmenden Publicum empfehlen. „Die traurigen Zustände unserer Glaubensgenoffen in Palästina sind bekannt genug. Wir wollen nicht darauf eingehen. ob. und in wie weit diese Leiden Folgen der politischen Verhältniffe sind, unter denen das Land schmachtet; jedenfalls sind diese Zustände ganz dazu augethan, die innigste Theilnahme der glücklicher Gestellten in Europa in Anspruch zu nehmen. Darin werden gewiß Alle übereinstimmcn, daß eine Befferung dieser beklagenswerthcn Lage nur von einer Hebung des Heranwachsenden Geschlechts zu erwarten ist. Es liegt auf der Hand, daß nach dieser Seite hin besonders das Schicksal derer unserer besonderen Theilnahme Werth ist, die das Unglück haben, ihrer väterlichen Ernährer und Erzieher beraubt zu sein. Aus einer genaueren Kenntniß der Zustände im heiligen Lande hat sich die Nothwendigkeit herausgestellt, für die Erziehung jüdischer Waisen, event. für die Errichtung von Waisenhäusern thätig zu sein. Die hierzu gegebene Anregung hat vielfachen Anklang gefunden. Das zu diesem Zweck gebildete Comitö hat in Folge der Munisicenz unserer Glaubensbrüder schon Gelegenheit gehabt, eine, nicht unbedeutende Summe für den bewegten Zweck zu sammeln. Um jedoch den zu errichtenden Waisenhäusern eine dauernde Wirksamkeit zu sichern, hat das Comitä einen „Verein zur Erziehung jüdischer Waisen in Palästina" constituirt und hofft, durch eine rege Theilnahme daran in weiteren Kreisen dem Unternehmen einen sicheren Boden zu gewinnen. Von der Ueberzeugung durchdrungen, daß auch Sie die hergebrachte Pietät für den heiligen Boden, dem uns« Glaube entsprossen ist, theilen, erlauben wir uns. Sie zum Beitritt zu diesem Verein einzuladcn. Es wird ein jeder Beitrag gern angenommen und nur bemerkt, daß ein Jahresbeitrag von sechs Mark zur Mitgliedschaft, eine einmalige Zahlung von tv0 Mark zur immertvährenden Mitgliedschaft berechtigt. Wir knüpfen hieran die Bitte, auch in den Ihnen zugänglichen weiteren Kreisen diese Aufforderung zu verbreiten und zur Betheiligung einzuladen, zu welchem Zweck wir rin

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