Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 43 (1879)
- Issue
- Heft 13 (25.3.1879)
- Date
- 1879-03-25
- Page
- Seite 198 (sequence 6)
- Language
- German
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198 Nicht minder wird durch das vorliegende Werl bestätigt, was wir so oft schon gegen jenen Schematismus geäußert haben, der den Monotheismus im Gegensatz zu den Ariern zu einem Eigenthume der semitischen Nace machen will. Die semitischen Asshrer haben vom Monotheismus nichts gewußt. Der chaldäischbabylonische Schöpfungsbericht beschreibt das Chaos und theilweise die Erschaffung der Götter wie folgt (S. 114): „Zu dieser Zeit war droben etwas Namenloses, der Himmel, in der Tiefe etwas Namenloses, die Erde; Apsu (der Oceaw, der sich weithin erstreckt, war ihr Erzeuger gewesen. Mummu-Tiamat (das Chaos und das Meer) war die Gebärerin ihrer aller. Ihre Gewässer vereint und gemischt sie emporstiegen; Doch hatte in ihnen kein Schilf getrieben, keine Blume sich entfaltet. Zu jener Zeit war noch kein Gott erstanden; Diese halten noch nicht verschiedene Namen und das Schicksal war ebenfalls nicht. Dann erst wurden die großen Götter geschaffen. Lakhma und Lakhama (die männliche und weibliche Form der Substanz) gingen durch Emanation hervor. Und sie wuchsen. Sar und Ki sar (die schaffende Kraft in der Höhe und in der Tiefe) wurden (dann) erzeugt. Eine lange Reihe von Tagen und es wurden geschaffen Anu, Bel und Ea." Man vergleiche hiermit die Einfachheit, Klarheit und Erhabenheit der mosaischen Schöpfungsgeschichte! Sicher, der Monotheismus war nur israelitisch und wurde durch das Christcnthum arisch und durch den Islam semitisch. — Der Verfasser behandelt im ersten Theile die Magie der Chaldäer und die UrgesAchte von Akkad, im zweiten die Wahrsagerei und WeissageLrust der Chaldäer. Von Wichtigkeit ist für uns auch der Anhang über die ersten sechs Kapitel des Buches Dämel. Es bereitete uns eine besondere Befriedigung, hier eine volle Bestätigung der Ansichten zu treffen, welche wir in unserer Einleitung zum Buche Daniel (B. ILI. unsres Bibelwerkes S. 877 ff.) auseinandergesetzt haben, , daß nämlich dieses Buch aus zwei völlig verschiedenen Theilen zusammengesetzt ist, von bmm der erster« (Kap. 1—6) Monographisch, ungefähr 80 Zähre nach Daniel abgefaßt ist, der zweite visionär , kurz vor dem Tode des Äntiochus Epiphanes niedergeschrieben worden. Lensrmant bringt nun eine Menge Beweise heran aus GeWchte, Geographie und den mannigfaltigsten babylonischem Bräuchen und Einrichtungen, in welchen der erste Theil des Buches Daniel mit den Ergebnissen der assyrischen Forschungen genau übereinstimmt, so daß sie sich gegenseitig zu unzweidentiges Belegen dienen. Daß diese sechs Kapitel auch erst in der syrischen Zeit niedergeschrieben wären, wie es neuere Kritiker behaupten, wäre ganz unmöglich, da eine so genaue SchildeMLI de» babylonischen Wesens, Staats- und Hoflebens in Details nach so viel«! Jahrhunderten nicht hätte gegeben werden könnan. Es geht auch daraus hervor, daß die ara- ZnÄfches THÄle nur die Übersetzung eines ursprünglich hebräischen Textes sind. Heber das Nähere müssen tvir auf unsre Einleitung und das Werk Lenormant's selbst verweisen. So erweist sich auch hier, daß die besonnene Kritik, aller Hypothesensucht gegenüber, durch die geschichtliche und linguistische Forschung, deren Ergebnisse sie abwartet, nur bestätigt wird. Gewiß haben wir in dem vorliegenden Werke überhaupt nur erst eine systematische Behandlung des jetzt vorhandenen Materials zu sehen; aber als solche ist es von großem Werthe. SDeltaiicj 6 Deutschland. Berlin, 13. März. (Privatmitth.) Ich weiß wohl, daß die Ansichten des Verfassers der „Petersburger Briefe" (s. Nr. 10) über eine jüdische Consistorialversassung in Deutschland, namentlich in Preußen, nicht beliebt sind, und wohl auch gegenwärtig bei der Verschiedenheit der religiösen Anschauungen in der Ausführung auf zu viele Hindernisse stoßen würden. Ferner ist seine historische Deduction sehr mangelhaft; denn vom Nesch-Glutha bis zu einer neueren Consistorialversassung ist trotz der erwähnten Landesrabbiner eine große Lücke, so daß an Continuität nicht gedacht werden kann. Und selbst die Zeiten des Resch-Glutha bieten oft genug das Bild des Haders und der Zerrüttung. Aber wahr ist es, was Ihr Corresp. über die religiöse Anarchie sagt, die innerhalb des Judenthums herrschend ist. In einem unparteiischen Organe, wie die A. Z. d. Z., MMN wir wohl einige Worte hierüber sprechen. Von vornherein trete ich dabei dem etwaigen Vorwurf entgegen, als ob diese Anarchie durch die deutschen Reformer bewirkt worden sei. Sie besteht im orthodoxen Lager * ebenso wie im reformistischen Sind doch die Bilder, die uns der Petersb. Corr. entwirft, aus dem durchaus orthodoxen Rußland entnommen, und zeigten uns jüngst die Streitigkeiten zwischen dem sel. Bamberger und dem Frankfurter Hirsch, zwischen dem Dr. Hildesheimer in Berlin und dem Rabbiner