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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1879-03-25 · Heft 13 (25.3.1879) · p. Seite 195

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
43 (1879)
Issue
Heft 13 (25.3.1879)
Date
1879-03-25
Page
Seite 195 (sequence 3)
Language
German
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195 lichen Anzahl jüdischer Schüler, welche mit jedem Tage wächst. Das Institut der hat sich bereits überlebt und ist im Absterben begriffen. Dies Institut muß früher oder später durch systematisch geregelte Religionsschulen ersetzt werden. Eine jüdisch-theologische Hochschule hat eine gesicherte Existenz und eine große Zukunft. Eine solche Hochschule allein aber reicht noch nicht aus, unserer Roth auf religiösem Gebiet mit Erfolg abzuhelfen. Sie würde allerdings die religiösen Dedürfniffe der jüngeren Generation in hohem Grade befriedigen, allein wo diese noch schwach vertreten ist, und dies ist in den meisten Gemeinden Rußlands noch der Fall, dort vermag die Hoch-' schule sehr wenig auszurichten und müßte es beim alten Schlendrian bleiben. Die alten Rabbiner würden noch immer als Hinderniß im Wege zur Cultur stehen, die Gemeinde würde noch immer die Führung der Matrikel und ähnliche Functionen einem sogenannten Kronsrabbiner anvertrauen müssen und sich mit unnützen Ausgaben belasten. Diese und ähnliche Nebel der Gegenwart würden allmählich durch die Einführung der oben erwähnten Prüfung leicht beseitigt 'werden. Der Rabbiner, welcher selbst schon einigermaßen der Landessprache mächtig ist und etwas allgemeine Bildung besitzt, wird nicht mehr wider Bildung und Gebildete eifern, sondern vielmehr wie die jetzigen Kronsrabbiner alle officiellen Dienste verrichten, vielleicht auch mit der Zeit den studirtcn Rabbiner vertreten und einen mehr oder minder regelrechten Religionsunterricht ertheilen können. Sollen nun die Hochschule und die Prüfung die zu wünschenden Früchte tragen, so müffen sie unter selbstständiger Leitung und Controle der Juden, also des Consistoriums, stehen. Sonst laufen wir Gefahr, daß aus der Hochschule dasselbe wird, was aus den weiland Rabbinerschulcn und aus dem Examen für die alten Rabbiner dasselbe,.was aus den früheren Prüfungen für cnsta geworden. Sie würde nicht blos ihr Ziel nicht erreichen, sondern nur neue Nebel für die Juden heraufbeschwören. Die alten Rabbiner würden für schweres Geld ihr Prüfungsdiplom erkaufen müssen, und blieben dieselben, die sie waren. Die theologische Hochschule würde nichts weiter als entweder eine Tschinownik')-Fabrik, die jährlich so und so viele verpfuschte Existenzen liefert, die man Rabbiner nennen würde, oder eine Borbereitungsschule für andere Lehranstalten abgeben. Das Consistorium, wie die besprochene Hochschule, müßten zwar von der Negierung bestätigt werden, auch müßte diese darauf sehen, ob Alles darin gesetzlich hergeht, der ganze innere Bau aber und die gesammte innere Verwaltung selbstständig sein. Was das Personal des Consistoriums und das der Hochschule betrifft, so habe ich schon im Brief VI. bemerkt, daß I) Echt russische Bureaukcaten. wir uns mit dem Wenigen begnügen mußten, was wir haben. Da wir schwerlich solche Männer finden würden, die alle erforderlichen Eigenschaften in sich vereinigen, so bliebe uns nichts übrig, als einige Personen als Träger einzelner jener erforderlichen Eigenschaften zu berufen. Eine oonckitio sine qua non für das Personal beider berührter Institute wäre nicht blos Unbescholtenheit in ethisch-religiöser Beziehung, sondern auch ein möglichst guter Ruf dafür. Das besagte Personal müßte ungefährt aus folgenden Elementen bestehen: a) Aus Männern, die wegen ihrer Religiosität und ihres reichen talmudischen Wissens als Autoritäten gelten, dabei aber auch tolerant sind, Männer, wie prßF'n,. Rabbiner zu Kowno, und INIj$b p1?? "1 zu Petersburg. b) Aus jüdischen philosophisch- und historisch-gelehrten Theologen, etwa wie Professor I)r. Graetz, Rabbiner lir. Joel. c) Und aus jüdischen theologischen Gelehrten, die auch der Landessprache mächtig und mit den örtlichen Verhältnissen näher vertraut sind, wie I)r. A. Harkawi und Rabbiner Minor. Es fragt sich nur noch, wo Mittel zu diesem Allen hernehmen? Nichts ist leichter, als die Beantwortung dieser Frage. Denn mit allzugroßen Ausgaben ist die Gründung eines Consistoriums und einer Hochschule durchaus nicht verbunden. Die Petersburger jüdische Gemeinde hat drei Rabbiner. Diese, wenn sie den Anfordenrngen, die wir an das Personal jener Institute stellten, entsprechen, dürften eben so gut im Eonsistorium und in der Hochschule functioniren. Außerdem würde man Männer wie Iw. Harkawi, die in der Residenz ein Amt bekleiden, auch für das Personal gewinnen können, wodurch die Ausgaben verringert werden dürften. Quellen für die nöthigen Ausgaben dürften ungefähr folgende sein. a) Die von Licht- und früherer Fleischsteuer im Finanzministerium aufgehäuste Summe von ca. 700,000 Rubel; d) die von der Lichtsteuer nach Abzug der Kosten der jetzigen Lehrer-Seminare jährlich entfallenden Summen; c) bei einer organisirten Geistlichkeit dürfte cs nicht schwer fallen, folgende durchaus nicht drückende Zahlung, von einem po 25 Rubel, von einem ü-*T!Dn fl'2 50 Rubel und von einer Synagoge 100 Rubel jährlich durch die betreffenden Rabbinen einzutreiben, was eine Summe von ca. 200,000. Rubel jährlich geben könnte. So weit über die Rabbinecsrage. F. G. Bukarest, 5. März. Die Beböttc über die Verfassungsänderung in Numiinien. In der Kammer der Abgeordneten hat gestern lebenso Wie im Senat) die erste Lesung der Vorlage zur Abänderung

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