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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1879-03-18 · Heft 12 (18.3.1879) · p. Seite 186

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
43 (1879)
Issue
Heft 12 (18.3.1879)
Date
1879-03-18
Page
Seite 186 (sequence 10)
Language
German
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186 zum Stein des Anstoßes zu machen sucht. In diesen Tagen machte der Erzbischof von Wien den Volksschulen im zweiten Bezirke Christusbilder zum Geschenk, und der Schulrath lehnte dieses Geschenk ab. Alsbald sind die Juden hieran schuld, und die Ablehnung soll aus Rücksicht auf die nicht zur christlichen Religion sich bekennenden Bewohner der Leopoldstadt geschehen sein. Das „N. W. T." spricht sich gegen diese Ablehnung aus, und bedauert sie. Sofort wird das liberale „N. W. T." als ein von Juden herausgcgebenes Blatt bezeichnet, und seine Acußerung als eine „echt jüdische Arroganz" gekennzeichnet. Wir wissen nicht, ob an der Herausgabe das N. W. T. wirklich auch Juden betheiligt sind, denn bis jetzt hat Niemand das Recht, jeden Journalisten nach seinem Geburtsschein zu fragen. Aber für die Ultramontanen ist das Recht gleichgültig, und weil ihnen das N. W. T. nicht gefällt, ist es „ein Judenblatt", und wenn es selbst für das Christenthum ins Feld zieht, macht cs sich „jüdischer Arroganz" schuldig. Daß die Herren auf diesem Wege keine Propaganda für sich machen, ist einleuchtend, da sie bei jedem ihrer Schritte das allgemeine Nechtsgefühl verletzen. Lemberg, 2. März. (Privatmitth.) In den letzten Tagen fand hier eine kleine Rabbiner-Versammlung statt, zu der sich N. Schreiber aus Krakau, der Beizer Zadil und einige ähnliche Hyperorthodoxe und chassidische schwache Leuchten bei dem hiesigen N. Ornstein eingcfundcn. Sie verhandelten bei verschlossenen Thüren. Jndcß weiß man doch, genug, nämlich daß ihre Tiscussioncn einentheils in Jcremiaden über die gewaltigen Gefahren, die ihrer Religion drohen, theils in Verwünschungen gegen die „Tauschen", theils in Beschlüsien bestanden, die Gemeinden zu' spalten und zu zerreißen. Darauf sind sie wieder abgefahren und alles geht seinen Gang wie vorher. Die Wahlen der Gemeinde-Repräsentanz sind nach der Compromißliste ausgefallen. Frankreich. Paris, 20. Februar (nach den Arch. isr.). Das Somit« für die Montesiorc-Gründungen in Palästina hatte Herrn Michael Pynes nach dem h. Lande geschickt, um zu untersuchen, auf welche Weise eine Art Ackerbau-Colonie für die armen Israeliten zu gründen sei. In seinem Berichte giebt er ein ungünstiges Urtheil über die von der Alliance isr. univ. gegründete und unterhaltene Ackerbauschule zu Jaffa ab, deren Erfolge den Erwartungen der Gründer und den aufgewandten Mitteln wenig entspräche. — Der Stadtrath von Rouen hat der israelitischen Gemeinde daselbst eine Subvention von 15,000 fr. zur Reparirung ihres Tempels bewilligt. — Der Oberst Hinstin (Israelit) ist zum Commandeur des ersten Genie-Regiments zu Versailles bestimmt. — Der Senior der französischen Vorbeter, der auch durch seine musikalischen Arbeiten rühmlich bekannte S. Naumburg ist zum Otüoier d’Acaclcmie ernannt worden. Belgien. Brüssel, 2. März. (Privatmitth.) Der geringe Besuch des Gotteshauses am Sabbath ist leider eine in fast allen größeren Städten sich wiederholende Erscheinung, die sich denn auch hier unangenehm geltend machte. Da kam Herr Großrabbiner Astruc auf den, den hiesigen gesellschaftlichen Gewohnheiten sehr entsprechenden Gedanken, die Predigt, anstatt mit dem Morgengottesdienst, vielmehr mit dem Minchagebet zu verbinden. Diese Einrichtung hat sich durchaus bewahrt. Jeden Sabbathnachmittag um drei Uhr füllt sich das prächtige Gotteshaus mit Männern und Frauen aus allen Ständen, und zumal die Damen der ersten hiesigen israelitischen Familien fehlen fast niemals. Die kurzen rituellen Gebete werden auf sehr würdige Weise, unter Begleitung einer vorzüglichen Orgel und eines gut geschulten Chors vorgetragen, und dann fesselt die beredte Predigt oder vielmehr elegante und geistvolle religiöse Abhandlung des Gr^ßrabbiner seine zahlreichen Zuhörer, unter denen sich jedes Mal auch viele Andersgläubigebefinden^ Auf diese Weise ist es Herrn Astruc gelungen, das jüdische Publicum wieder an den regelmäßigen Besuch des Gotteshauses zu gewöhnen. (Wir legen auf die obige Neuerung und deren glücklichen Erfolg einen -großen Werth. Der letztere erweist abermals, daß es nur. darauf ankommt, den jüdischen Männern und Frauen unter den gegenwärtig einmal bestehenden Lebensverhältniffen, einen gelegenen Weg zur Befriedigung des religiösen Bedürfniffes zu eröffnen, um dieses nachhaltig hervortreten zu sehen. Uebrigens ersehen wir aus den Arch. i.sr., daß diese Einrichtung zuerst in Paris mit gleichem Erfolge in den neuen Tempeln de la ruc de la Victoire und des Tournelles hergestellt und von dort erst in Brüffel adoptirt tvorden ist. Redaction.) Großbritannien. London, 3. März. Der Präsident der Anglo-Jcwish- Association, Baron de Worms, hat vom Minister des auswärtigen Amtes, Lord Salisbury, ein Schreiben erhalten, in welchem derselbe versichert, daß die Regierung alle Anstrengungen machen werde, um die Ausführung des Artikels des Berliner Vertrages über die Gleichberechtigung aller Culte zu sichern. London, 4. März. Unterhaus. Simon befragte die Negierung, ob sie, beabsichtige, vor Anerkemmng der Unabhängigkeit Serbiens und Rumäniens auf der Durchführung der Artikel 34, 35, 43 und 44 des Berliner-Vertrages

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