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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1879-03-18 · Heft 12 (18.3.1879) · p. Seite 183

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
43 (1879)
Issue
Heft 12 (18.3.1879)
Date
1879-03-18
Page
Seite 183 (sequence 7)
Language
German
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183 socialen" Bestrebun gen cmgegangcn, und die Ansprache betont, „daß es nicht Sache der Diener der Kirche sei, im Namen des Christenthums Volkslvirthschaftlichc oder socialpolitische Theorien aufzu stellen und zu unterstützen; sie halten sich nicht in den Grenzen ihres Berufes, wenn sie an die staatliche Gesetzgebung und Verwaltung auf Grund des Evangeliums Forderungen stellen für anderweitige Lertheilung der öffentlichen Abgaben und Lasten, für Verminderung der Militärdienstzeit, für Verpflichtung der Behörden, Arbeitslosen Erwerb aus öffentlichen Mitteln zu verschaffen und die altersschwachen und gebrechlichen Arbeiter zu versorgen, oder wenn sie gar eine neue Rege lung der Mgerrthsrnsverbältniffe im Namen des Christenthums als ein Heilmittel wider die socialen Nothstände empfehlen." Ferner bemerkt die Ansprache: Bei den socialen Problemen handele es sich um schwierige, theils wiffenschaftlich, theils technisch zu erledigende Fragen, welche auszutragen überhaupt nicht Sache der Kirche sei, und für die den Geistlichen meistens die umfassende Kenntniß und das gereifte Uriheil fehlen, während sie durch die Enmnschung in ein ihnen fremdes Gebiet den. heilsamen Einfluß der Kirche schwächen, statt ihn zu fördern. „Denn durch die Berufung auf die christliche Heilswahrheit und die h. Schvfft für bestimmte sociale Reformen entfremden sie die Herzen Andersdenkender dem Evangelium, und setzen die Kirche dem Verdacht aus, daß ihr die Religion das Mittel sei, um einzelne politische Richtungen oder das Interesse einzelner Claffcn zu fördern, wodurch die tiefere Wirkung der Predigt auf die Getviffen abgeschwächt, und der seelsorgerische Zugang zu Allen erschwert werde." — Jeder, der für die wahren Jntereffen der Religion Herz und Sinn hat, wird den Inhalt dieser Ansprache in jeder Beziehung billigen. Die Religion darf niemals aushören, die heiligen Grundsätze der Gesellschaft, welche ja die der Moral sind, zu lehren und einzuprägcn. Aber daß die Geistlichen in die politischen und socialistischen Wühlereien cintreten, für dieses oder jenes gesellschaftliche Problem Propaganda machen, ist nicht blos ein Mißbrauch der kirchlichen Autorität, sondern auch für jede Religionsgenoffenschaft nachtheilig, da sie dadurch als solche gespalten und zerriffen wird. Anders dagegen die uliramontane Preffe, die sich entschieden gegen die Ansprache des evangelischen Oberkirchenraths ausläßt. Für den Ultramontanismus ist alles Religiöse und Kirsche nur Machtfrage, nur Hebel, um das Volk in seine rmbedmgte Gewalt zu bekommen. Darum gerade sind die soeiabistrsthe« Bestrebungen der katholischen Geistlichen außerordQÄÄch f&aarf, imb wer sich über die Erfolge derselben Kenntniß verschaffen will, der lese in der Hevue des deux Mondes vom 15. Nov. 1878 den Aufsatz von dem, auch in Deutschland anerkannten Emile de Lave- .leye: les socialistes catholkgse* en Allemagne 1\ 41S— 441, und er wird den Widerspruch der ultramontanen Preffe gegen die ged. Ansprache verstehen. Mit derselben werden wohl die Schöpfungen der Herren Todt und Stöckel vollends in die Brüche gehen. Im klebrigen erinnern wir, um unsre Behauptung zu erhärten, nur an den noch nicht vergessenen Umstand, daß in den nordamcrikanischen Secessionskämpfcn und ihren Vorverhandlungen die Ultramontanen wie die Pietisten auf Seiten der Sklavenhalter standen, und die Aufrechtcrhallung des Sklaventhums sogar aus der h. Schrift beweisen wollten, selbstverständlich in ihrer eigenartigen Jnterpretationsweise! Dresden, 26. Febr. (Privatmitth.) Am 12. Ellul, d. i. am 16. Sept. 182!) wurde allhicr der 100jährige Geburtstag Mendelssohn's feierlich begangen und zugleich ein „Mendelssohn-Verein" gestiftet, der zum Zwecke hatte, „Handiverke, Künste und Wissenschaften, sowie jede nützliche Thätigkeit bei der hiesigen israelitischen Jugend zu befördern und überhaupt den geistigen Zustand der Israeliten möglichst zu verbessern." Fünfzig Jahre nun besteht dieser Verein und hat ununterbrochen einer langen Reihe von Schützlingen eine ersprießliche Lebensbahn eröffnet oder doch geebnet. Es wurden viele Handwerkslehrlinge ausgebildet — was in der ersten Zeit mit großen Schwierigkeiten verbunden war — Gymnasiasten, Studircnde und Künstler durch Stipendien unterstützt. Einzelnen, auch Israeliten zinslose Darlehen zu ihrem geschäftlichen Betriebe gewährt. In ersten Zeitraunre seines Bestandes wirkte der Verein, namentlich durch seinen Vorsteher Dr. V. Ve er s. A., auch auf die Verbesserung der politischen Lage der Juden in Sachsen und in der letzten Zeit veranstaltet er öffentliche Vorträge. Die Gelegenheit des nunmehr 5< »jährigen Bestandes vcranlaßte den Vorstand, einen Rechenschaftsbericht „auf die Zeit bis 1878" zu veröffentlichen. Außer der allgemeinen Besprechung der geschichtlichen Momente des Vereins wird darin die finanzielle Gebahrung von 1829 bis jetzt gegeben und wir sehen den Verein in Einnahmen und Ausgaben sowie im Fond heranwachsen, wie er denn im Jahre 1878 f>60 Thaler einnahm, 754 Thaler verausgabte und ein Vermögen von 23,452 Mark besaß. Angenehm Iväre es gewesen, wenn, was nicht geschehen, auch ziffermäßige Mittheilungcn über die Verwendung der Vereinsmittcl gegeben worden wären. Nicht als ob diese nicht jeder Zeit eine zweckinäßige und erfolgreiche gewesen wäre, dies ist über alle Zweifel erhaben; aber man bringt sich doch eine 50jährige Wirksamkeit gern zum vollen Bewußtsein. Sowohl diese Vergangenheit als auch die Männer, die gegenwärtig an der Spitze der Verwaltung stehen, die Herren Oberrabbincr Dr. Landau, Rechtsanwalt Emil Lehmann, Louis Leffer, Felix Meyer und Philipp Zunz verbürgen den weiteren gedeihlichen Fo-tbcstand des Vereins. Hamburg, im Februar. (Privatmitth.) Tie Vegräbnißplatzsrage kann, wie dies schon an manchen Orten geschehen, auch noch anderswo den jüdischen Gemeinden Verlegenheit bereiten, und es sollten daher Diejenigen, welche berufen sind.

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