Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 43 (1879)
- Issue
- Heft 11 (11.3.1879)
- Date
- 1879-03-11
- Page
- Seite 169 (sequence 9)
- Language
- German
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169 Rumänien. Bukarest, 26. Febr. Die Deputirlenkammer hat bcschloffen, die gegenwärtige Session bis zum 27. März zu verlängern, um noch in die Berathung der Vorlage über die Aenderung der Verfassung eintreten und so dem bezüglichen Beschlusie des Berliner Congresies gerecht werden zu können. Die erste Lesung des gedachten Gesetzentwurfs wird unverzüglich in der Kammer wie im Senate erfolgen. Rußland. Petersburg, 27. Febr. (Privatmitth.) Hier einige statistische Data über die jüdischen Landwirthschaftscolonien in Südrußland: Im Ganzen sind im Gouvernement Cherson 2 l Colonien, große und kleine Seidenimuche, Vobrowi-Nut, große und kleine Nahar-Taw, Ephengar, Jnguletz, Kimjanka, Jslutschistaja, Nowo-Berislaw, Lwowoi, Poltawka, Nomanowka, Nowo- Witebsk, Nowo-Podolsk, Nowo-Nowno, Nowo-Schitomir, Dobraja, Jstrailewka, Sagaidak und Gromakleja. Die Bevölkerung der Colonien besteht aus 21,823 Menschen; darunter 10/) 10 weiblichen Geschlechts. In allen 21 Colonien sind 39 Gebethäuser, 10 Schulen, 20 Badstuben; die Bewohner der Colonien besitzen 2593 Pferde, »061 Ochsen und Kühe und 3174 Schafe. Ein jüdischer Fabrikant in Lods (Polen), Israel Posnanski, hat daselbst ein jüdisches Krankenhaus von 50 Betten auf seine eigenen Kosten errichtet. Die Einrichtung des Krankenhauses soll 60,000 Rubel gekostet haben. In Bjalostok ist unlängst der Rabbiner Lipmann Galpern gestorben. Wie groß die Verehrung der Juden für ihn war, ist daraus zu ersehen, daß der Gemeinde bis 10,000 Rubel seine Cur kostete und daß man seiner Familie nach seinem Tode 5000 Rubel aus der Gemeindccasse überlasien hat. Der Verewigte war bei den Juden wegen seiner merkwürdigen talmudischen Gelehrsamkeit bekannt'. Ich habe Ihnen in meinem letzten Briefe mitgetheilt, daß in Tiflis bald ein Proceß von vier des Kindesmordes beschuldigten Juden zur Verhandlung kommen wird. Da die Beschuldigung nicht nur die vier angeklagten Juden, sondern die ganze Judenschaft trifft (der Mord wird nämlich seitens der Ankläger durch religiöse Zwecke motivirt) und da die Verhafteten keine Möglichkeit haben, sich Advocaten zu besorgen, so haben einige hiesige Juden die Sache übernommen und wandten sich an die besten russischen Advocaten Cpaffowitsch und Gerard mit der Bitte, die. beschuldigten Juden zu verteidigen; Spassowitsch und Gerard aber konnten wegen Mangel an Zeit die Sache nicht übernehmen; ihre Absage gab der judenfeindlichen russischen Presse Gelegenheit, zu behaupten, daß dieses ein neuer Beweis für die Nichtigkeit der Beschuldigung sei; nur ausdrückliche öffentliche Erklärungen von Spaffowitsch und Gerard konnten sie wieder zum Schweigen bringen. Darauf haben sich dieser Angelegenheit der Baron Horace Ginsburg und Bankdirector Sack eifrig angenommen. Die Advocaten Kopcrnik. Margolin und Alexandroff (der Vertheidiger von Sasulitsch, der Attentäterin auf den Statthalter Trepoffr sollen die Verteidigung der vier Juden übernommen haben und bald nach Tiflis verreisen. Gott gebe, daß die Wahrheit siege und noch ein gefahrdrohender Rest mittelalterlicher Vorurtheile seine Kraft verliere und rationelleren Begriffen Platz mache! W. B. Bonn, 2. März. (Notizen.) Aus Petersburg ersucht uns Herr M. Berlin, die in- Nr. 4S v. I. gegebene Notiz über die Promotion seiner Tochter dahin zu berichtigen, daß sie nicht an der Universität zu Zürich, sondern zu Bern studirt und promovirt hat. Bei den Ansichten, die in Rußland über diese beiden Universitäten bestehen, sei dies nicht gleichgültig. — Aus Amsterdam berichtet man, daß Studirende der Universität dem berühmten Advocaten Godefroi, ehe-! maligen Justizminister, Repräsentanten für Amsterdam in den! Generalstaaten, eine goldene Feder überreicht haben zum Andenken an das Amendement, welches Godefroi eingebracht und , durchgesetzt hat und das das alte Athenäum von Amsterdam!zum Range einer Universität erhoben hat. — Die „Germania" vom 19. Februar enthält folgenden Artikel, den 'wir hiermit unverändert wiedergeben: „Herr E. Grünciberg, ehedem Secretair-des christlich-socialen Arbeitervereins,! sendet uns folgende Zuschrift: ,.Wir werden von betheiligter j Seite darauf aufmerksam gemacht, daß der frühere Seeretair -der Christlich Socialen Partei E. Grüneberg die vergan-z ' gcnen Monate dazu benützt hat, um das Entstehen der Christlich Socialen Partei vorn Monat Oetobe-r!377 bis zum /November 1873 nach der, für die Partei verunglückte Reichsj tagswahl nieder zu schreiben. Es soll eine genaue Schilderung aller in der Partei vorgekommenen innern Verhältnisse ent-! halten, welche über alle dabei thätigen Personen, ihren Agitationen, sowie über die innern Fäulnisse genaue Rechen- ’ schaft giebt und alle dazu gehörigen Beweise beigelegt sind. Ta der Inhalt für jede andere Partei von großer Interesse sein soll, so sucht der Schreiber das Manusript zu verkaufen und sollen sich Jntressenten unter der Ciffer X W Möller Ackerstraße Ö1./3 Tr. schriftlich melden? " — So gern wir uns ein Stündchen bei Grünebcrgs Stil und den zweifellos intereffanten Enthüllungen amusiren möchten, verzichten wir doch auf die Erwerbung des werthvollen Manuseriptes, hielten uns aber für verpflichtet, unfern Lesern die Offerte mitzutheilen. Wir haben nicht gehört, daß irgend eine andere Redaction ein Verlangen nach dem Manuskript des Schuhmachers Grüneberg