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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1879-03-04 · Heft 10 (4.3.1879) · p. Seite 155

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
43 (1879)
Issue
Heft 10 (4.3.1879)
Date
1879-03-04
Page
Seite 155 (sequence 11)
Language
German
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155 Verurtheilung der Juden die Fanatisirung des Volkes und Mißhandlungen der Juden nach sich gezogen hat. W. 1*. Marokko. Fez, im Januar. In Fez, der Hauptstadt von Marokko, ist ein Aufstand ausgebrochen, und mußte sich der Gouverneur in eine Moschee flüchten. Schon vor einigen Wochen meldeten tunesische Blätter, das; die Marokkaner mit ihrem Sultan Sidi Muley Hassan sehr unzufrieden seien, weil er gar zu liberale Neigungen habe. So wollte er den Juden in seinem Reiche gestatten, daß sie auch außerhalb ihrer Quartiere eine Fußbekleidung tragen dürften, was aber die fanatische Bevölkerung nicht duldete. Dann lieh er auch den Juden sein Geld zu billigen Zinsen; außerdem hielt er sich einen jüdischen Astrologen. Endlich fing er auch an, christliche Gebräuche anzunehmen. Amerika. Aus Nordcnr'vliria, im Januar. Gouverneur Banca hat den einzigen Juden im Zuchthause von Nrrd-Carolina begnadigt. Derselbe war wegen Todtschlags zu zehn Jahren verurtheilt worden. Der Gouverneur bemerkte auf dem betreffenden Erlasse: „Es macht mir Freude, aussprechen zu können, daß ich diese Begnadigung als schuldige Anerkennung der guten, mit dem Gesetz fast'nie in Conslict gerathenen Aufführung unserer jüdischen Mitbürger unterzeichne, da dies der erste schlimme Fall ist, der von einem aus ihrer Mitte jemals zu meiner Kenntniß gelangt ist." Bonn, 9. Februar. (Literarische Notizen.) Im Laufe dieses Winters werden im Saale der Gesellschaft der Freunde zu Berlin von mehreren dazu berufenen Männern Vorträge gehalten, deren Gegenstand das Judenthum näher oder weiter berührt. So lasen wir einen solchen von Prof. Steinthal im Feuilleton der Nationalzeitung abgedruckt „Ueber die Toleranz". Vor uns liegt in Separatabdruck: Die Angriffe des Heidenthums gegen Juden und Christen in den ersten Jahrhunderten der römischen Casaren. Vortrag, gehalten in der „Gesellschaft der Freunde" und mit beweisenden Anmerkungen vermehrt, herausgegeben von l)r. M. I oöl. Breslau, Schletter, 1879. Ter verdienstvolle Verfasser zeigt hier an Beispielen aus der angegebenen Zeit, wie falsch cs sei, anzunehmen, daß oft wiederholten Anschuldigungen doch etwas Wahres zu Grunde liegen müsse. Er zeigt, daß aus persönlichen Motiven entstandene lügenhafte Verleumdungen auch von geistreichen Männern, wenn sie sich eine besonnene Prüfung erspart haben, geglaubt und nachgesprochen werden. Ferner erweist er, wie gerade die Christen den Juden gegenüber gangbare Beschuldigungen verwerfen müßten, da dieselben. bevor das Christenthum herrschend geworden, von den Heiden in noch erhöhtem Maße gegen die Christen geschleudert wurden. Man muß-hinzufügen, daß jene im Grunde noch schuldhafter als die Heiden sind, weil sie den Juden näher stehen, und so viele Jahrhunderte hindurch Gelegenheit gehabt hätten, die Wahrheit zu prüfen und zu erkennen. Die Vortragenden, im Bewußtsein deffen, was einem großen Thcile ihres Auditoriums gebühre, vermeiden den streng wissenschaftlichen Ton, und der Verfasser obigen Schriftchens hat den nothwendigen gelehrten Apparat und dessen Erörterung in Anmerkungen hinzugefügt. — Herr l)r. I. W. Rabbinowicz zu Paris beehrt uns mit der Zusendung der Iutrodurtion zu dem in nächster Zeit erscheinenden 4. Band seiner Legislation civile du Talmud-,- nouveau commeutairc et traduetion critiquc du Traite Baba Batlira. (Paris, Thorin, 7 nie de Mcdicis. 1879). Diese ausführliche Einleitung giebt zunächst den Inhalt der zehn Abschnitte -von B. B. an, und bespricht dann die talmudischen Grundsätze und Ansichten über die Gegenstände, welche außerdem in der genannten Maßechtha behandelt werden, wie der obligatorische Unterricht, die Mildthätigkeit, die Gesundheitspflege, die Nächstenliebe, die Solidarität, Erbschaften, Volljährigkeit, Polygamie, Gesetze zu Gunsten der Sclaven. Wenn diese bedeutenden Gegenstände hier durchaus nicht erschöpfend oder nur ausführlich behandelt worden sind, wie dies im Nahmen einer Einleitung auch nicht geschehen konnte, so muß man doch anerkennen, daß der Verfasser oft recht glückliche Aperc-u's hat und überhaupt als selbstständiger Forscher alle Beachtung verdient. Man sicht zugleich mit Befriedigung daß Dr. Rabbinowicz alle Schwierigkeiten überwindet, sein umfassendes Unternehmen zu Ende zu führen, und bald wird die französische Literatur den Northeil besitzen, die wichtigsten Tertstellen des ganzen Talmud in gegenständlicher Ordnung übersetzt und connnentirt zu haben. Ter Verfasser hat nunmehr bereits die Tractate Baba Kama, Baba Mczia, Baba Batlira, Kethuboth, »Sanhcdrin, ^lakkotli und Edjoth nach seiner Methode bearbeitet, unter der Presse befinden sich die Tractate 8<:bebuoth und Eraehm, sowie druckfertig Ketlmbc-.t!: (zum zweiten Male), Gittin und Kiduscliin. — Dem Herrn Di. M. C. Wahl, Director der „Höheren Handels-Fachschule zu Erfurt", sind wir für die Ueberscndung des Jahresberichts seiner Anstalt für das Schuljahr 1878, der einen werthvollen Aufsatz desselben: „Tie englische Parömiographie vor Shakespeare" enthält, verpflichtet. Die Anstalt, deren Director ein Israeli, deren Lehrer christlicher Religion und deren Schüler aus allen Confessionen gemischt sind, florirt sehr. Ihre 19 Abiturienten erhielten sämmtlich das Zeugnis; der Reife, mit welchem die Berechtigung für den einjährig freiwilligen Dienst verbunden ist. Bonn, 10. Febr.— Literarische Notizen. Th. D. Lippe's bibliographisches Lericon der gesannnten jüdischen io*

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