Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 43 (1879)
- Issue
- Heft 10 (4.3.1879)
- Date
- 1879-03-04
- Page
- Seite 150 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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150! erobern, sollen wir schließlich der Negierung gegenüber als eine Eonfession eine würdige Vertretung haben, so müssen wir vor Allem zur Gründung eines Consistoriums schreiten. F. (r. Geister nicht gefeit sind, oder eben sie am wenigsten. Denn klären, die religiöse Erziehung unserer Kinder fördern und bvu ‘Hä1' 7*iX t-"!Nu riE Der Ultramontanisrnus und verbessern, sollen wir ferner unsere Geistlichkeit, die so tief Chassidismus sind gleich abschreckende Beispiele einer hierarchischen gesunken ist, heben und ihr den verdienten Ehrenplatz wieder Autokratie. Mit Recht wird daher das Consistorium als die beste Organisation der Geistlichkeit gepriesen. Ein Consistorium, soll es seine Aufgabe lösen, stellt folgende Bedingungen: a) Es muß aus Männern bestehen, die als geistliche Autoritäten von ihren Glaubensgenossen anerkannt werden, (c. . n , aber auch im Besitz moderner Bildung sind, um ihre Eon- ^INt Kurze LemerKUNg. fession nach außen würdig zu vertreten. Ein Feuillonist der „N. Fr. Presse" in Wien hat vor d) Es muß vom Staat als solches anerkannt und vom j Kurzem eine Parallele zwischen Mendelssohn und Geiger ge- Gesetze geschützt werden, damit es die nöthige Macht hat, in? geben. Niemand fordert jetzt noch von einem Feuilletonartikel .seiner Sphäre zu wirken. iSachkenntnis; und Nichtigkeit des Uriheils. Beide fanden sich Es fragt sich nun, sind wir Juden in Rußland im? auch nicht in den: erwähnten Artikel. Man konnte daher voraus- Stande, diesen Bedingungen zu genügen? Hetzen, daß er wie unzählige seinesgleichen unbeachtet dahingehe. Wie mir aus ziemlich sicherer Quelle die Nachricht zu- - In Wien nahm inan aber Aergerniß daran, und die Redacgcht, soll die Regierung, um eine feste Ordnung im religiösen? tion der „Neuzeit" veröffentlichte „Aus einem Sendschreiben Leben der Juden zu begründen, gewillt sein, der Rabbiner-? an I)r. F - r" über denselben Gegenstand. Herr Di*. F—r commission auch die Rabbinerfrage zur Verhandlung vorzusandte der „Neuzeit" eine Entgegnung, aber diese verweigerte legen. Es wäre mithin zu erwarten, daß die Regierung nicht die Aufnahme. Herr I)r. F—r wandte sich an uns um den abgeneigt sein werde, ein Consistorium zu bestätigen. Es bleibt! Abdruck seiner Entgegnung. Wenn wir diesen ebenfalls abnur noch die Frage übrig: haben wir solche Männer, die be-? lehnen müssen, so geschieht es mit Bedauern. Denn nicht der rufen wären, würdige Mitglieder des zu gründenden Cosisto-? Inhalt und die Form dieser Antwort nöthigen uns zur Zuriums abzugeben? Und wenn wir nicht solche Männer haben, ° rückweisung, sondern unser Redactionsgrundsatz, in eine Streitist es rathsam, unsere Zuflucht zu jden rabbinischen Autoritäten frage niemals th eil weife cinzugehen, die in anderen Blättern im Auslande zu ergreifen, die weder unsere Landessprache noch? ihren Anfang genommen. Was könnten die Leser der A. Z. unsere Bedürfniste kennen? Solche Bedenken aber müssen? d. Jud. mit einer Antwort auf ein Sendschreiben beginnen, wegfallen und man muß sich im Nothfalle mit dem, was man! das sienicht kennen, über ein Feuilleton der N. Fr. Pr., das hat, begnügen, wenn die Existenz eines Consistoriums als noth-? sie nicht gelesen? Auch die Unparteilichkeit verbietet uns solches wendig zugegeben wird. Es würde dann die Aufgabe des | Verfahren. Indes; wollen wir unsre Ansicht nicht hinter einen Consistoriums selbst sein, dafür zu sorgen, daß es sich in der Redactionsgrundsatz verstecken, und darum folgende kurze Be- Zukunft bester gestalte. Am Consistorium wird es liegen, mit j merkung. der Zeit eine Hochschule für jüdische Theologie zu gründen,1 Mendelssohn und Geiger mit einander zufammenzustellen, die Rabbiner, wie sie bei uns von Nöthen wären, hcranbilden zu vergleichen und abzumcsten, halten wir für völlig unzutrefsoll. Bis dahin aber könnte das Consistorium das geistige' send, da Beide gar keine Vergleichspunkte darbieten und Niveau unserer Rabbiner dadurch heben, indem es allen?der geschichtliche Boden für Beide ein völlig verschiedener ist. orthodoxen Rabbinern vorschreibt, in bestimmten Zeit-! Ferner: „Reformator" im eigentlichen Sinne des Wortes räumen ein Examen in rabbinischen und profanen Wissen-' war weder Mendelssohn noch Geiger. Reformatoren konnte schäften vor ihm selbst zu bestehen, und das Programm diese! das Judenthum nicht brauchen und hat sie nicht gehabt. Re- Prüfung allmählich erweitert. So könnten int Verlaufe bcr formirt haben sich die Juden mit dem Eintritt in das all- Zeit gediegene Kräfte sich finden, die nicht blos zu! gemeine Culturleben selbst. Niemand ging zu irgend Wem Rabbinern überhaupt, sondern die auch an der Spitze des mit der Frage und wartete auf dessen Bescheid, ob eine der Consistoriums zu stehen geeignet wären. Nur so kann die \ Iradirten Satzungen für veraltet, den Forderungen des Lebens Rabbinerfrage in Rußland gelöst werden.! widerstreitend, zu beseitigen sei oder nicht? Selbst Rabbiner- Sollen wir nun unseren heiligen Glauben zu Ehren Versammlungen und Synoden hatten in diesem Punkte keibringen, ihn von dem Schutt und Staub reinigen und läutern, j ne n Erfolg. Sogar die Reform des Gottesdienstes ging aus welche im Verlause von Jahrhunderten in Folge unendlicher? der Maste hervor, zunächst in Hamburg, und befragte keine Verfolgungen sich auf ihn gelagert haben; sollen wir unseren' rcsormatorische Autorität. Was das Judenthum bedurfte und Gottesdienst und unser Gotteshaus würdig gestalten und vcr-! innnerfort bedarf, das sind „Regenerator en", solche, die in