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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1879-03-04 · Heft 10 (4.3.1879) · p. Seite 147

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
43 (1879)
Issue
Heft 10 (4.3.1879)
Date
1879-03-04
Page
Seite 147 (sequence 3)
Language
German
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147 wo des „Bundesblutes", gedacht wird, und 11, 10. Maleachi bezeichnet (2, 5) das Amt der Leviten als einen Bund von Gott, wie wir dies hinsichtlich der Priester im 4. B. Mos. fanden. — Wie die Psalmen zumeist lyrische Ergüsse individueller Empfindung, dann aber auch Nationalliedcr sind, so erweisen sie auch eine größere Mannigfaltigkeit hinsichtlich des göttlichen Bundes. 25, 10 wird Lohn verheißen Denen, die den Bund Gottes wahren; 44, 18 das Unglück bedauert, das trotz der Treue am Bunde eingetrctcn. Im 50. Psalm werden die Heuchler gegeißelt, die den Bund Gottes mit Opfern zu schließen vermeinen und die diesen Bund im Munde tragen. 74, 20 wird Gott um Hülfe angerufcn, indem er auf den Bund blicke. 78, 10. 37 wird der Abfall Israels vom Bunde beklagt. Der Psalm 105, 8. 10 feiert den Bund Gottes mit Abraham und Israel auf ganz mosaischem Boden, und der 103, 18 verheißt die Gnade Gottes von Ewigkeit zu Ewigkeit Denen, die seinen Bund wahren. 106, 46 gedenkt Gott des Bundes und stellt Israel wieder her, denn er vergißt des Bundes nie (111, 5). Zu bemerken ist noch, daß 80, 4 ff. und 132, 12 die Verheißung an David, daß seinem Throne niemals Nachkommen fehlen werden, wenn sic den Bund Gottes wahren, selbst ein göttlicher Bund genannt wird. Hierzu fügen wir, daß Spr. Sal. 2, 17 der Ehebund, als „ein Bund Gottes" bezeichnet wird. Endlich Daniel gedenkt in seiner mysteriösen Weise „des heiligen Bundes" 11, 28. 30. — Aus dieser Uebcrsicht geht genugsam hervor, wie die Vorstellung vom Bunde Gottes mit Israel eine der geistigen Lebensadern ist, welche alle biblischen Bücher durchziehen und sie zu einem organischen Ganzen machen. 8) Tie Institution der Bcschncidung. Als Zeichen dieses Bundes wurde schon dem Abraham die Veschneidung auferlegt und seitdem wurzelte dieser Act im israelitischen Volke für alle Zeiten. Er bildete einen Gegensatz zu den umgebenden Völkcrstämmen schon zu Jakob's Zeit, wie die Geschichte Sichems erweist. An den Söhnen von Moses wurde er in eigenthümlicher Weise vollzogen; im Gesetze 3 Mos. 12, 3 vorgeschrieben, und im Peßachgesetze 2 Mos. 12 bestimmt, daß der Fremdling erst, wenn er beschnitten worden, vom Pcßach esien dürfe. Eine der ersten Handlungen Josua's (Kap. 5) war es, die in der Wüste unbeschnitten gebliebenen Israeliten diesem Acte zu unterziehen. Häufig werden dann die anderen Völker, besonders die Philister, Unbeschnittene genannt (z. B. Richter 14, 3; 15, 18; 1 Sam. 14, 16; 31, 4; 47, 26. 30; 2 Sam. 1, 20), so daß dieser Ausdruck ungefähr - den Gebrauch erhielt, wie bei den Griechen und Römerm Barbaren für Nichtgriechen und Nichtrömer, mit dem Nebensinne geringerer Cultur und niederen sittlichen Werthes. So heißt es Jesajas 52, 1: Kein Unbeschnittener und Unreiner! soll das wiederhergestellte Jerusalem fürder betreten, und dem,! analog Ezechiel 44, 7. 9: Kein Fremder, unbeschnitten an Fleisch und unbeschnitten am Herzen, darf in mein Heiligthum kommen. So tief nämlich war frühzeitig die Institution der Beschneidung dem Volksgeiste eingesenkt, daß sich dieselbe mancherlei figürliche Redensart bildete. So schon 2 Mos. 6, 12. 30. „Unbeschnittener Lippen" für Den, der in der Rede stockte. Selbst „Ihr Ohr ist unbeschnitten" für Den, der nicht willig hört (Jer. 6, 10). Am meisten aber „Unbeschnittenen Herzens" für hartnäckigen Sinnes und ungebändigter Leidenschaft. So wird bereits 6 Mos. 10, 16 den Israeliten zugerufen: „Beschneidet die Vorhaut eures Herzens, und seid nicht sürder hartnäckig", und 30, 6: „Gott wird die Herzen beschneiden, zu lieben den Ewigen,. deinen Gott ff." Dem analog Jer. 4, 4: „Lasset euch dem Ewigen beschneiden und schaffet die Vorhaut eures Herzens hinweg." 9, 25 ruft der Prophet aus: „Die Völker sind unbeschnitten und Israel unbeschnittenen Herzens." Als Ezechiel den Völkern die nahende Strafzeit verkündet, weissagt er „den Tod der Unbeschnittenen, und daß sie „im Lande der Unterwelt inmitten der Unbeschnittenen wie Schwerterschlagene" .liegen werden (28, 10; 31, 18; 32, 19 ff?. Gerade diese figürlichen Ausdrücke und deren Gemeinsamkeit bei den verschiedensten biblischen Autoren erweist die Einheit an Geist und Sprache. Petersburg, 20. Februar 1879. . Petersburger Briefe. VI1). Im laufenden Monat wird in unserer Residenz die seit lange erwartete Rabbinercommission zu tagen beginnen. Einige Telegirte sind bereits hier eingetroffen und die übrigen iverden täglich erwartet, Wie verlautet, wird ihre Hauptaufgabe sein, religionsgesetzliche Fragen zu entscheiden, die in Folge vieler Proccsse seit der letzten Nabbinercommission (1362) im Senat sich aufgcsammelt haben. Aber es ist Hoffnung vorhanden, daß ihre Eompctenz erweitert werden und sie auch über andere das Judenthum berührende Fragen, namentlich die Rabbinerfrage, verhandeln wird. Dieser Umstand aber nölhigt mich, von dem mir vorgeschriebenen Plane, zuerst die Lage der Juden in Rußland von allen Seiten kritisch zu beleuchten und dann erst zu den Vorschlägen überzugehen, die mir geeignet erscheinen, unsere Situation zu ihrem Vortheil zu verändern, abzuweichen, und auf die Rabbinerfrage zurückzuschreiten, die^ ich im Briefe 111. zu erörtern versucht habe. >) Ter Inhalt des vorliegenden Briefes ist durchaus vom Standpunkte des russischen Iudenthums zu beurtheilcn, da wir mit manchen Ansichten für das Judcnthum überhaupt nicht überemstimmten. Redaction. 10*

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