Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 43 (1879)
- Issue
- Heft 10 (4.3.1879)
- Date
- 1879-03-04
- Page
- Seite 146 (sequence 2)
- Language
- German
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146 nachleben oder auch widersprechen und trotzen könne, weshalb eben das Verhältniß zwischen beiden als ein „Bund" gedacht wird. In -der lebhaften Anschauung von der Willensfreiheit des Menschen, welche dem Israeliten eigen war, war diese Vorstellung von der Selbstständigkeit des Menschen auch Gott gegenüber natürlich. So klein ihm auch der Mensch vor der unendlichen Gottheit vorkam, so war er doch fern davon, sich ihn als das Nichts zu denken, was eine knechtische Demuth aus ihm gemacht hat. Jemehr jede sittliche Handlung ihren Werth aus der freien Entschließung und Selbstbestimmung des Handelnden zieht, desto irchaZtreicher und erhebender ist auch das Verhältniß des Menschen zu Gott, wenn es als ein freies, aus der eigenen Hingebung und der selbstständigen Verehrung erstandenes betrachtet wird. Wie dem aber auch, sei, als einen der nachdrücklichsten VewÄse für die Einheit der Ideen in allen biblischen Büchern'muß die, alle diese beherrschende Vorstellung des „Bundes Gottes mit Israel", diese Anschauung des religiösen Verhältnisses als ei»es Beritli anerkannt werden. Zunächst einigt diese Vorstellung des llerith zwischen Gott und Israel alle Theile der fünf Bücher Mosis. Wieder Bund an den angeführten Stellen des ersten Buches geschloffen wird, so tritt er als Verhäßnng, daß Gott ihn niemals — selbst wenn Israel zerstrrmt , nab gedrückt im Feindeslande weilen wird — aufgeberi afoe, in der Erneuerung mit dem Geschlechte am Fuße des S'mai, sowie im Gefilde Moabs und iwplicile mit allen zukünftigen Geschlechtern, und als eindringliche Mahnung an die Israeliten, ihn nicht zu brechen, im zweiten, dritten und Ernsten Buche immer wiederholt auf; im vierten Buche fpecialisirt sich das Priest«'ramt als ein besonderer Bund (). Abgesehen davon, daß in den historischen Schriften viele Male die „Lade des Bundes des Ewigen" erwähnt wird, spricht das Buch Josua von diesem Bunde ganz im mosaischen Geiste 7, 11; 23, 10; 24, 25 .und das Buch der Richter 2, 1. 20.. Im erster: Buche Samuelis 20, 8 finden wir den von David LWd Jonathan beschworenen Freundschaftsbund als einen „Stmfc des.Ewigen" bezeichnet. Daß der Bund des Ewigen von Salomo und seiner: Nachfolgern verlassen und übertreten woräM, wird 1 Kön. 11, 11; 19, IO. 14 auf's Heftigste gerügt. Avf den „Bund mit Abraham, Isaak und Jakob" wird 2 Kön. 13, 23, auf den Bund mit Moses 18, 12 verwiesen; 23, 3 erneuert Iosia den Bund Gottes mit dem Volke und 17, 15; 35, 38 wird dieser Bund mit seinem wesentlichen Inhalt, freilich als von den Israeliten gebrochen, nachdrücklich ktoat Der Chronist feiert den Bund des Etvigen mit Israel ia dmnu Psalm David's vor der Bundeslade (1 Ehr. l€r LL. 17), so wie die Ertzeuerung deffelben unter Affa und unter Iosia (2 Chr. 15, 12; 29, i) 2 Mos. 2, 24; 6,. 4. 5»; II», 5; 3 Mos. 26. 9. Lü. 42. 44. 45; 5 Mos. 4. 23; 5. 3; s, 4L: 2». ß»; rs, 11. 13; 31, lü; 4 Mos. 18, IS; 25, 12. 10; 34, 31. 32). Endlich Nehemia rühmt den Bund Gottes mit Abraham (9, 8). — Das zweifache Moment, welches die Reden der Propheten behandeln, die Strafandrohung wegen des Abfalls Jsrael's und die Verkündigung der Wiederherstellung, erklärt auch die zweifache Weise, in welcher sie des göttlichen Bundes gedenken. Denn theils zeigen sie den Bund Gottes mit Israel gebrochen, und zwar von Seiten Israels durch Götzendienst, von Seiten Gottes, doch ist dies nur selten der Fall, durch die Zerstreuung und Knechtung der Israeliten; theils verkünden sie den Bund als einen „ewigen", auch die Strafzeit überdauernden, oder daß mit der Wiederherstellung Jsrael's Gott einen neuen Bund mit diesem schließe. Dabei fassen mehrere Propheten diesen „Bund" mit solcher Innigkeit auf, daß sie ihn mit einem „Ehebunde" zwischen Gott und Israel vergleichen. Hosea läßt Gott sich Israel „auf ewig, in Recht und Gerechtigkeit, in Liebe und Erbarmen und im Glauben verloben" (2, 21. 22), und er und Jeremias schmähen oft den Götzendienst als einen Ehebruch, als eheschänderische Handlung. So rügt nun der erste Jesajas (24, 5) und Hosea (6, 7; 8. 1) den Abfall des Volkes vorn Bunde, und Jeremias hält Kap. 11 eine dem Bundesbruche gewidmete Strafrede. Auch 32, 9 erklärt er die bevorstehende Zerstörung als Strafe für den Bruch des Bundes. An einer anderen Stelle (14, 21) richtet er an Gott die reuevolle Bitte, seinerseits den Bund nicht aufzuhcben, denn 33, 20 ff. wird der göttliche Bund mit- Israel als ein solcher gefeiert, der so wenig jemals aufgehoben werden könnte, wie der Bund mit dern Tage und der Nacht, d. h. so wenig wie Tag und Nacht aufhören. Nach der Wiederherstellung luirb der Bund ein „ewiger" sein (32, 40), und Israel kehrt zum Bunde zurück, der ein ewiger ist (50, 5). Diesen neuen Bund nach der Wiederherstellung bezeichnet er 31, 33: „Sondern dies ist der Bund, den ich mit dem Hause Israel schließen werde nach jenen Tagen, spricht der Ewige: ich fege meine Lehre in ihr Inneres, und auf ihr Herz schreibe ich sie, und ich werde ihnen zum Gotte, und sie mir zum Volke sein." Bemerken wollen wir noch, daß Jeremias 34, 13 das Gesetz über das Jobeljahr als einen Theil des mit Israel bei dem Auszuge aus Aegypten geschloffenen Bundes bezeichnet. Für Ezechiel ist es charakteristisch, daß er 16, 59. 60 den Bund zwar als gebrochen darstcllt, jedoch, daß er abermals geschloffen werde, und als Fricdcrrsbund nach der Wiederherstellung zu ewiger Dauer (34, 25; 37, 26). Für die Situation des zweiten Jesajas ist es natürlich, daß er, wie er Zum Festhalten am Bunde die Exilirten errnnhnt (56, 4), den Burrd als Friedensbund nirnmer wanken (54, 10), doch aber nach der baldigen Wiederherstellung Israel in den Bund von Neuem eintretcn läßt und zwar aus e!vige Zeiten (55, 3), derrn der Geist und die Worte Gottes werden niemals wieder aus dem Munde Israels tvcichm (59, 21; 61, «V Vergleiche noch Secharja 9, 11,