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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1879-02-25 · Heft 9 (25.2.1879) · p. Seite 138

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
43 (1879)
Issue
Heft 9 (25.2.1879)
Date
1879-02-25
Page
Seite 138 (sequence 10)
Language
German
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138 vi erte Hundert, eine noch nie dagewefene Ziffer, erreicht, und es ist eben diese Ungunst der Zeiten, welche die ärmere Klaffe unserer Glaubensbrüder veranlaßt, ihren Kindern in der Erlernung eines Handwerks eine beffere Zukunft zu verschaffen, denn „Handwerk hat goldenen Boden". In welcher Zeit hätte dieser schöne Spruch mehr Geltung gefunden, als eben jetzt, wo so vieles hinfällig geworden, der thätige und geschickte Handwerker aber immer noch sein Brod ehrenhaft zu erwerben vermag. Unser Verein ist es eben, der durch sein gemeinnütziges Wirken während mehr als vier Jahrzehente ihnen dabei kräftige Unterstützung gewährt, seine segensreiche Wirksamkeit immer weiteren Kreisen zuführt und Mittel und Wege den hilflos Dastehenden bietet, ihr Ziel zu erreichen. Wir dürfen dabei jedoch keinen Moment außer Acht lassen, den Zeitverhältniffen Rechnung zu tragen, mit den fortschreitenden selber vorwärts zu gehen, und nicht an Ererbtem, Gewohntem festzuhalten, weil es einstmals gut und richtig gewesen ist. So hat uns die große Anzahl der in allen Bezirken bestehenden Gewerbeschulen veranlaßt, die zwei Claffen unserer Sonntagsschule aufzuheben und unsere Zöglinge ersteren zur Aufnahme zuzuweisen. Vor Jahren hatten wir uns zur Aufhebung unserer Zcichenschule, bald darauf zur theiltveisen Auflassung unserer Wiederholungsschule, nun zur gänzlichen Schließung derselben entschlossen. Tic entschiedene Verbesserung des gesammten Schulwesens in Oesterreich und namentlich die in den letzten Jahren den Gewerbeschulen zugewendete, nicht genug anzuerkennende Thätigkeit der entscheidenden Stellen mußte uns diese Erwägung nahelegen und unseren Entschluß beeinflussen. Unsere Schulen, die einst ein Vorbild ähnlicher Schulen sein konnten und waren, standen heuten nicht mehr auf der Höhe der gegenwärtigen Anforderungen und es hat uns daher besser geschienen, das Unzureichende aufzugeben, sobald uns klar geworden, daß das früher bestandene Vedürfniß nicht mehr bestehe." — Zu gleicher Zeit ist auch der 25. Bericht des „Allgemeinen österreichischen israelitischen Taubstummen- Jnstitutes erschienen, aus welchem wir nur das befriedigende Resultat hervorheben, daß die Ungunst der Zeitverhältnisse dem Institute keinen finanziellen Schaden gebracht hat, und daß der Austritt von Mitgliedern schnell durch den Eintritt Anderer ausgeglichen wurde. Im abgelaufenen Schuljahre befanden sich in der Anstalt 110 Zöglinge, nämlich 69 Knaben und 41 Mädchen; entlassen wurden 17, neu ausgenommen 14, also gegenwärtig 107 Zöglinge. Wir haben im vorigen Jahre über Lehrstoff und Lehrweise dieser musterhaften Anstalt ausführlich berichtet, worauf wir heute verweisen. Krakau, im Januar. Der „Lemberger Israelit" berichtet von hier: Am 22. December fand die Generalversammlung des einzig in seiner Art hier bestehenden Vereines statt, - welcher den Namen YVITiT führt, und zur Aufgabe hat, verwaiste Kinder zu gebildeten Handwerkern zu er- ] ziehen. Der Verein zählte in diesem Jahre 52 Zöglinge, von 1 welchen 12 die Lehrzeit beendeten und 8 wegen Unverbefferlichkeit entlassen worden find. Hiervon wurden untergebracht: Bei Klempnern 3, Schneidern 7, Schustern 5, Tapezierern 4, Urmachern 2, Koffermachern 2, Tischler 1, Schlosser 1, Posaj mentieren 3, Messinggießer 1, Drechslern 2, Glaser und An- I streicher 1. .j Den Unterricht ertheilcn für die l. und 2. Abteilung \ je 1 Lehrer, dann 1 Zeichenlehrer und 1 Neligionstchrer. i Ausgaben 1813 fl. 37 kr. ö. W. Einnahmen 1720 fl. 17 kr. ö. W., daher Saldo ein Defizit 93 fl. 20 kr. ij Pest, 9. Januar. (Privatmitth.) Die leidige Angelegen- I heit des israelitischen Landesschulsonds kann noch immer nicht zur Ruhe kommen und taucht von Zeit zu Zeit immer | von Neuem auf, so war sie im Abgcordnetenhause auch gestern wieder Gegenstand einer Interpellation. Alexander Csanüdy f urgirte den Bericht des Petitions-Ausschusses über das Gesuch s der orthodoxen Israeliten betreffend die Verwendung des j isr. Landes-Schulfonds für Schulzwecke. Referent Ve csey: Der Ausschuß war schon zum Schluß des vorigen Reichstages im Begriff, den Bericht vorzulegen; | doch sind später in derselben Angelegenheit noch von drei jü- 5 bischen Seelen — wenn man sie so nennen darf — Petitionen | eingelaufen, und zwar von den Neologen, den „8tatu8-<iuo-Js- } raeliten" und den Sefardim. Da der Ausschuß von letzterer Secte gar keine Kenntniß hatte, übergab er die Angelegenheit dem Cultus- und Unterrichts-Minister mit der Bitte, über die neu aufgetauchtcn Umstände Informationen einzuholen i und dem Ausschüsse die nöthigen Aufklärungen zugehen zu lassen. | Sobald dies geschieht, wird der Ausschuß die Angelegenheit j wieder in Verhandlung ziehen. (Zustimmung.) f Wie aus dem Berichte des Referenten ersichtlich, ist zu | den drei seit dem Eongreffe bestehenden Parteien noch eine J vierte getreten, welche noch orthodoxer als die Schomre-Ha- | dath-Parthei sein will und sich „Sefardim" nennt, obgleich | kein einziger von den Sefardim dieser Partei angehört. M Daß Herr Csanüdy sich des Gesuches der Orthodoxen | ännahm, ist diesmal wohl durch den jüngsten Synagogeni Scanbai begründet, welcher inMalaczka von den Orthodoxen - in Scene gesetzt wurde. Wie in den meisten ungarischen Ge- ’l meinden bestehen auch in Malaczka zwei Gemeinden, die der sogenannten Fortschritts- und die der orthodoxen Partei. Am / vorigen Samstag wurde nun, .wie man dem „Grenzboten" schreibt, der Rabbiner der Fortschritts-Gemeinde während des s Gottesdienstes aus dem Tempel ausgewiesen und zwar von 5 dem Vorsteher der Orthodoxen in eigener Person, und es hat;] nicht viel gefehlt, das aus diesem Anlafle eine Schlägerei

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