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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1879-02-25 · Heft 9 (25.2.1879) · p. Seite 136

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
43 (1879)
Issue
Heft 9 (25.2.1879)
Date
1879-02-25
Page
Seite 136 (sequence 8)
Language
German
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armen jüdischen Kindern zuweilen recht erhebliche Unterstützungen zu Theil werden läßt. Derselbe ermöglichte es auch, daß am jüngsten Chanukka-Feste wiederum 30 Kinder, Knaben und Mädchen, mit neuer Wintcrgarderobe versehen werden konnten. Von unschätzbarem Werthe ist es aber auch, daß durch den Verein schon in die Herzen der Kinder der Same der Wohlthätigkeit, jener jüdischen Erbtugend, gelegt wird, welcher später im reiferen Mannesalter die segensreichsten Früchte tragen muß. In jüngster Zeit haben in unserer Provinz zwei israelitische Gemeinden durch den Tod hochachtbarer und in weiten Kreisen hochgeschätzter Männer recht herbe Verluste erlitten. In Peine starb vor 14 Tagen im 75. Lebensjahre der Pr. jur. Fürst, der erste jüdische Notar in unserer Provinz, der sich nicht allein als Jurist einen höchst geachteten Namen erworben hatte, sondern auch in Folge seiner trefstichen Herzenseigenschaften sich bei Juden und Christen einer allgemeinen Beliebtheit erfreute, und in Hildesheim starb am 17. Januar nach längeren Leiden im 63. Lebensjahre der Sanitätsrath Pr. Moritz Edel, einer der meistbeschäftigten und tüchtigsten Aerzte Hildesheims, welcher durch den humanen Geist, den er bei Erfüllung der Pflichten seines schwierigen und verantwortlichen Amtes walten ließ, bei Hoch und Niedrig im besten Ansehen stand. Als langjähriger Arzt am städtischen Krankenhause und Armenarzt war er namentlich der ärmeren Bevölkerung ein stets bereiter Helfer, der die Noth mancher durch Krankheit zurückgekommenen Familie selbst durch persönliche Opfer zu lindern keinen Anstand nahm. Zu Papenburg hat die israelitische Gemeinde in ihrer letzten Generalversammlung den Bau einer Synagoge beschloffen und wird in Folge dieses Beschlusses demnächst die genannte Stadt um eine Zierde reicher sein. Vor einigen Wochen feierte Herr Oberlehrer Blumenthal, welcher bereits 37 Jahre als Lehrer thätig war, das Jubiläum seiner 25jährigen Wirksamkeit als Lehrer an der israelitischen Schule zu Emden. Dem Jubilar, welcher sich der allgemeinsten Achtung erfreut, wurden zu diesem Feste ersreuliche und ehrende Beweise der innigsten Theilnahme entgegen gebracht. In der im December v. I. in Oldenburg stattgehabten Landtagssession wurde auch der Beitrag für den jüdischen Kultus bewilligt. Nachdem in Minden bereits auf der dortigen Synagogengememde für das Gymnasium und die Realschule erster Ordnung die Ertheilung des jüdischen Religionsunterrichts eingeführt worden war, hatte die Schuleommission die gleiche Einführung für die höhere Töchterschule und die Mittelschule beschlossen; in der Volksschule befinden sich nur ausnahmsweise jüdische Kinder. Die Stadtverordneten haben hierzu aus den Schulkassen die Mittel ohne Anstand bewilligt. Der Prediger der Synagogengemeinde giebt die Stunden und erhäH aus jeder Schulkaffe jährlich 200 M. Die Stunden sind dem Stundenplan der Schule eingefügt, also obligatorisch; der Prediger untersteht insoweit auch der Aufsicht des Dirigenten jeder Schule. Snarlouis, Febr. 1879. (Privatmitth.) Im Anschluß an meine Correspondenz in Nr. 2 dieser gesch. Zeitung bin ich heute wieder in der Lage, aus der dunkelsten Ecke des deutschen Vaterlandes einen Lichtblick melden zu können. Wir zählen unter den Vätern dieser ultramontanen Stadt nicht allein, wie schon mitgetheilt, zwei jüdische Stadtverordnete, sondern Einer derselben, Herr Moses Cahn (nicht Cuhn, wie es irrthümlich in Nr. 2 heißt), ist als Mitglied des Schulcuratoriums gewählt und bestätigt worden. Im hiesigen Curatorium haben nun Sitze: Der katholische Decan, der Kaplan, protestantische Geistliche und — ein Jude! Hoffentlich wird dieses Quartett immer recht harmonisch gestimmt sein. — Die Rabbinerfrage hält seit einem Jahre die Gemüther der isr. Bewohner des Regierungsbezirks Trier, speciell des Saarkreises, in steter Bewegung. Zuerst war es die Hauptgemeinde Trier, die, wie natürlich, als künftiger Sitz des Rabbiners, eifrigst für die Neubesetzung Propaganda machte. Die unteren Saarkreise konnten sich mit der Hauptgemeinde nicht einigen und wollen jetzt ebenfalls einen Rabbiner. In einer Delegirten-Versammlung zu Saarbrücken wurde beschlossen, den Sitz des Rabbiners nach Saarbrücken zu bestimmen. Nun wollen die Vertreter von Saarlouis den Rabbiner; der Delegirte für Neuenkirchen will ihn dorthin. Alle diese Vertreter handeln ohne Einverständniß ihrer Gemeinden. — Saarbrücken hat keine Synagoge und keinen Gottesdienst (das Minjan in einem gemietheten Locale am Sabbath kann wohl dafür nicht gelten). — Die Gemeinde Saarlouis besoldet mit großen Opfern einen eigenen Prediger; Neuenkirchen ist ein Dorf und herzlich froh, einen jährlichen Gehalt von 300 Thlrn. für den Lehrer aufbringen zu können. Die größte Gemeinde Merzig hat seit Jahren einen als talmudische Capacität bekannten More-Zedek und will sich unter keiner Bedingung einem Rabbiner anschließen. — Also Spaltung von allen Seiten. Und doch wäre es wahrlich nothwendig, wenn sich ernste, tüchtige Männer vw jS, denen cs nicht um äußere Repräsentation zu thun ist, für;bte vielen jüd. Gemeinden interessiren würden. — Sie sollen nicht die Spitze des Thurmes vergolden, so lange das Fundament nicht ausgebaut ist. Unter den 5-0 Gemeinden des Regierungsbezirks Trier sind 30 ohne Lehrer, die Kinder ohne jeglichen Religionsunterricht. Die Eltern glauben genug gethan zu haben, wenn die Kinder „oren" lernen. Die biblische Geschichte lernen sie ja ohnedies in der christlichen Schule. Ob die Biblische Geschichte von dem kath. Schuster

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