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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1879-02-25 · Heft 9 (25.2.1879) · p. Seite 133

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
43 (1879)
Issue
Heft 9 (25.2.1879)
Date
1879-02-25
Page
Seite 133 (sequence 5)
Language
German
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133 dingung des Bestandes „Recht üben zwischen Einem und dem Anderen, Fremdling, Waise und Wittwe nicht drücken" (7, 5). An die Fürsten stellt er immer wiederholt das Verlangen: „Richtet am Morgen Recht" (21, 12 und öfter); für Fremdling, Waise und Wittwe im Streite einzutreten (22, 3). Desgleichen siehe Ezechiel Kap. 18, Hosea 10,4; 13, 10. Im 5. Kapitel geißelt Amos „die Recht in Wermuth wandeln und Gerechtigkeit zu Boden stürzen", begnadigt werden nur „die das Recht feststellen im Thore" (V. 24), „wie Gewässer ströme das Recht einher und Gerechtigkeit wie ein immer fließender Bach." Bekannt ist das Moralprincip Micha's (6, 8): „Was ist gut und was fordert der Ewige von dir? Nur Recht zu üben und Huld zu lieben und demüthig zu wandeln mit deinem Gotte." Vergleiche ferner Habakuk 1, 4. Auch Secharja verkündet als das Wort Gottes: „Wahrhaftiges Gericht richtet", insonders für Wittwe und Waise, Fremdling und Dürftige (7, 9), „nach Wahrheit und Gericht des Friedens richtet in euren Thoren" (8, 16). — Wie aus unerschöpflicher Quelle fließet in den Psalmen die Mahnung, strenges Recht zu schaffen, namentlich „Verwaisten und Bedrängten" (z. B. 10,18), rechtschaffen zu richten, keine Bestechung zu nehmen (58, 2), „schaffet Recht dem Geringen und der Waise, dem Elenden und Armen gebet Recht" (82, 2. 3), vergl. 94, 15; 90, 4; 140, 13 und viele andere Stellen. Daß sich unter den Sprüchen Salomonis sehr viele auf die Rechtspflege beziehen, brauchen wir nur anzudeuten; auch der Bestand der Throne wird abhängig erkannt von wahrem und treuem Gericht „für die Schwachen" (29, 14) vergl. Pred. 5, 7. Die ganze Tendenz des Buches Hiob lenkt auf die gewissenhafte Uebung der Rechtspflege hin; das nächste, wenn Frevler sich eines Landes bemächtigen, ist, „den Blick der Richter zu verhüllen", die Uebung des Rechts zu verhindern (9, 24). Und so rufen noch zuversichtlich die Klagelieder Jeremias aus (3, 35): Menschenrecht beugen, duldet der Ewige nicht lange! Es ist dies eine kleine Auslese, aber sie wird für unfern Zweck genügen. Hervorheben wollen wir nur den einen kleinen Zug, daß das in der Thorah so oft empfohlene Eintreten für „Wittwe und Waise" in Rechtssachen bei den Propheten und Sängern so stark eingeschärft wird, daß es sich wie ein rother Faden durch alle biblischen Bücher zieht. Gerade so kleine, aber ausgeprägte Züge sind die stärksten Zeugnisse für die 'geistige Einheit Aller! 2ketbu4Kj 6liCXC&U^ßtcit. Deutschland. Berlin, 10. Februar. (Privatmitth.) In der heutigen Abendsitzung des Abgeordnetenhauses, wo das Centrum abermals ein Stückchen Culturkampf gegen den Minister Falk ausspielte, sprach dieser beherzigenswerthe Worte über die ultramontane Presse, die wir hier wiedergeben wollen. Der Minister richtet schließlich an die Centrumspartei die Aufforderung, doch endlich aufzuhören, tvie bisher in der Presse eine höchst tendenziöse, der socialdemokratischen ähnliche (Lärm im Centrum) Agitation zu treiben. Die geringste Kleinigkeit hänge man an die große Glocke. Gegen einzelne Personen verfahre man auf's Gehässigste, und hafte einmal wirklich ein kleiner Fleck an einem solchen Manne, dann werde dafür gesorgt, daß dieser Fleck nie vergessen werde. Das sei die Tendenz, wenn nicht der ganzen ultramontanen Presse, so doch des schlesischen Theiles derselben. Meine Herren, schließt der Minister, glauben Sie wirklich, durch ein solches Treiben Ihre Sache und die Sache der Religion und der Sittlichkeit, die Sie immer vertreten tvollen, zu fördern? Erst wenn Sie mit jenem Treiben aufhören, wird es klar werden, daß es Ihnen , wirklich um die Sache zu thun ist und nicht blos darum,! immer neue Waffen zu erheben gegen einen verhaßten Minister. > (Lebhafter anhaltender Beifall .links und rechts; Zischen im| Centrum.) — Daß der Minister hiermit das Treiben der ultramontanen Presse, und zwar nicht blos der schlesischen, gekennzeichnet hat, ist Jedem offenbar, der dieser nur einige Aufmerksamkeit zugewendet hat. Der Herr Minister hat sich, dabei noch sehr mäßig ausgedrückt, und ist wahrlich nicht der einzige von der ultramontanen Presse Verfolgte. Man braucht nur an die Stelle des „Ministers" das Wort „Jude" zu stellen, um die Rede des Di'. Falk ebenfalls überaus zutreffend zu finden. Es ist also auch für uns nützlich, das ultramontane Schriftthum von solcher Stelle aus vor der gesammten civilisirten Welt charakterisirt zu finden. Wir haben freilich noch eine andere Presse, welche für Religion und Sittlichkeit in's Feld zu ziehen vorgiebt, hinzuzufügen, das ist die protestantischpietistische. Sie verfährt den Juden gegenüber und, sagen wir es nur, gegen Alle, die nicht für sie sind, ganz ebenso wie die ultramontane. - ~ Im Ganzen findet aber in solchen Situationen Minister Falk viel zu wenig Unterstützung von Seiten der liberalen Parteien, und diese vertheidlgen ihre Grundsätze den heftigen Angriffen des Centrums gegenüber nur in schwächlichem Maße. Dazu, die Grundsätze des Centrums ihrerseits anzugreifen, dazu erheben sie sich gar nicht mehr. Dies hat nach und nach eine gefährliche Wirkung auf das Volk! l Berlin, 12. Febr. (Privatmitth.) Der kurze Leitartikel sin Nr. 7f „Guter Rath" hat vielen Anklang gefunden. In

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