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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1879-02-25 · Heft 9 (25.2.1879) · p. Seite 131

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
43 (1879)
Issue
Heft 9 (25.2.1879)
Date
1879-02-25
Page
Seite 131 (sequence 3)
Language
German
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131 entgegengesinnt gewesen und so entgegengetreten wären, wie kam es denn, daß sie es bis heute erhielten, daß sie es stets als ihr eigenstes Erbtheil und Kleinod angesehen und mit ihrem Blute vertheidigt haben? Wo sind die Gesetze von Solon und Lykurg, die Gesetze der Zehntafeln und so viele Gesetzbücher der Völker geblieben? Einem Volke läßt sich nicht für Jahrtausende ein Gesetz aufschwindeln, das nicht seinem innersten Volksgeiste, seiner ganzen Volksseele entspricht. Einem Volke läßt sich nicht ein Gesetz als das höchste und heiligste auferlegcn, nur damit es dies in jeder Weise mißachte und verletze. Dies sind- Widersprüche, die geradezu an's Alberne grenzen. Jeder, der im Alten Testamente, im Talmud und im. Leben des jüdischen Stammes den Spuren des mosaischen Gesetzes, dem beherrschenden Einfluß desselben nachgeht, wird sie tief und breit überall finden. Und wenn die heutigen Juden im großen Ganzen den liberalen Ideen ergeben sind, so ist dies wohl einentheils aus ihrer geschichtlichen Stellung, mehr aber noch aus dem ihnen durch das mosaische Gesetz und dessen Institutionen eingeprägten Geiste zu erklären. — So weit. Denn wir überlasten dem Herrn Todt, sich ein Bild der Juden von der Palette des Herrn Bruno Bauer zu holen, eines Malers/der nur das Feucrroth des Hastes, das Giftgrün des Neides und das Dunkelschwarz des Nichts zu seinen Farben hat. Für Augen, wie sie Herr Todt im Kopfe trägt, verblassen solche Farben nicht, auch wenn sie 40 Jahre schon am Bleichen sind. Uebrigens kann man sich denken, was bei solchem Willen und solcher Sachkcnntniß aus dem Koran und der mohamedanischen Welt wird, welchen selbst jetzt noch gründliche und billige Forscher, wie z. B. Ebers in „Aegypten in Wort und Bild", großartige und edelste Züge nachzusagen wisten. In der That, wir glauben an die allmähliche Lösung der socialen Frage auf dem Wege der Entwicklung. Denn die Menschheit, die sich von der Knechtschaft zur Freiheit aufgerungen hat, kann nicht stehen bleiben und muß die Heilung aller krankhaften Gebilde erstreben. Wir stützen uns dabei auf die Lehre und Verkündigungen der Propheten. Aber wir sind fest überzeugt, daß diese Lösung nicht durch den theoretischen Locialismus möglich ist, der eitel Hirngespinnst ist, nicht durch den practischen Socialismus, der die brutale Anarchie ist, am wenigsten aber durch die kleine und schwindende christlich-socialistische Partei, die bei der Geburt schon so hinfällig, im Fortleben so schwachathmig, und in der Dauer so kurzlebig! An ihr geht am schnellsten das Wort des Propheten in Erfüllung: „man geht vorüber, sucht ihre Stelle, und findet sie nicht" — cs ist eben Alles todt. Die Einheit der Ideen in der heiligenZchristIsraeli), iv. 6) Die Institution der Rechtspflege. Der längeren Unterbrechung wegen gestatten wir uns unseren Lesern kurz in Erinnerung zu bringen, um was es sich in diesen Artikeln handele. Jener Kritik gegenüber, welche, abseits von der, auch von uns gewürdigten besonnenen und gründlichen Forschung, auf hypothetischem Wege, auf einseitige, kühne Voraussetzungen hin die biblischen Bücher betreffs ihrer Abfastungszeit, ihrer Entstehungsweise und Verfaster untereinanderschüttelt, zerreißt, in Stücke zertheilt und ein willkürliches Conglomcrat daraus zurecht macht, dieser Kritik gegenüber, die jeden Tag mit einen! neuen Product hervortritt, das seine Vorgänger zu verdrängen sucht und nur eine unr so größere Verwirrung der Ansichten zurückläßt — dieser Kritik gegenüber erscheint nur eine Position wirksam und ausreichend: die Einheit der Ideen, wie sie durch die gesummten biblischen Schriften, bei all' ihrer Mannigfaltigkeit und Entwicklung, hindurchgeht, die Identität der Anschauungen, die in Wort und Institution ihre Ausprägung finden, nachzuweisen. Für uns ist die heilige Schrift Israels das Fundament der religiösen Ueberzeugung, auf das sich die späteren Jahrtausende, auf das sich auch das religiöse Leben der Gegenwart aufbaut. Erkennen wir, daß in diesen Schriften derselbe Geist, dieselbe Gedanken- und Gefühlswelt sich offenbart, dieselbe religiöse und sittliche Welt- und Lebensanschauung sich ausspricht, in historischer, poetischer, rhetorischer und philosophischer Redeweise sich ausinkmzt, und bleibende Institutionen durch den ganzen Zeitraum, den sie bespannen, hervorgcbracht hat: so ist damit der zersetzenden und auflösenden Wirksamkeit jener Kritik die Spitze abgebrochen. Wir können sie ruhig ihres Amtes walten lassen. Bon diesem Gedanken ausgehend haben wir zuerst die Schöpfungslehre und die Institution des Sabbaths betrachtet, dann die Lehre vom Menschengeiste und die Institution der Speisegesctze, und endlich die Vergeltungslehre, wie diese in allen Thcilen der heiligen Schrift zum Ausdrucke kouunen, in Betracht gezogen. Es war und ist nicht unsere Absicht, in diesen Artikeln den allgemeinen oder specifischen Werth dieser Lehren und Gesetze abzuwägen, zu begründen und zu vertheidigen, auch nicht, was spätere Zeiten daraus gemacht, wir stellen sie vielmehr hier nur so hin, wie die heilige Schrift sie giebt. Es ist uns nur darum zu thun, zu 'zeigen, daß sie so überall in den biblischen Büchern wiederkehrcn, daß sie nicht blos in dem einen Buche erscheinen und in anderen verschwinden oder in völlig anderer Art auftauchen, sondern daß hier überall derselbe Geist athmet, dieselben Zwecke verfolgt werden aus den gleichen Motiven und in dem gleichen Gedankengange. i) S. Nr. r, 3, 4. 9*

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