Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 43 (1879)
- Issue
- Heft 8 (18.2.1879)
- Date
- 1879-02-18
- Page
- Seite 123 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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123 Galata und Haßkioi am Goldenen Horn und Kußkundschuk und Ortakioi am Bosporus sind fast ausschließlich von dieser spanisch-jüdischen Colonie bewohnt, welche mit rührender Anhänglichkeit an der Tracht, den Sitten und der Sprache ihrer Vorzeit festhält. Unsere Mitbürger dieser C lasse sprechen im Privat- und Familienverkehr noch immer spanisch, ein solches Spanisch freilich, wie cs kein Spanier, sondern nur ein sogenannter Spaniole aus Ctambul versteht. Spanisch, Hebräisch, Türkisch, Griechisch und Italienisch bilden die Hauptbestandtheile der seltsamen Mischmasch-Sprache, in welche man jetzt „die Räuber" übersetzt hat. Im Theater in Ortakioi wurde die, wie ich höre, sehr gelungene und durchweg dem Original sich eng anschließende Uebertragung von Dilettanten zum ersten Male zur Aufführung gebracht und fand dort so reichen Beifall, daß die Darsteller sich entschlossen, auch in Pera aufzutreten. So haben wir denn, obgleich ein deutsches Theater in Konstantinopel nicht besteht, in diesem Winter doch das Vergnügen, uns an der Darstellung eines deutschen Werkes, wenngleich in fremder Zunge, zu erfreuen. Die Schauspieler heißen: Jakup Nahum (der alte Moor), Nassim Nachmias (Karl), Moses Pesaro (Franz), ferner Marko Levv, Nessim Agromuto, Moses Benbenistis, Josef Botonu, David Nahum, Pctis Cohen und Eduardo Misraki (Räuber). Die Kriege des israelitischen Volkes. (Fortsetzung.) Wenn die Geschichte von Simson's Leben und Thaten für unseren Gegenstand unfruchtbar ist, da es sich nur uni das handelt, was ein Einzelner durch seine persönliche Tapferkeit und Stärke vollbrachte, so ist dagegen der Bürgerkrieg mit Benjamin (Kap. 10, 21) für uns sehr lehrreich. Das mosaische Wehrgesetz tritt hier in Anwendung, da sämmtliche streitbare Männer aller Stämme zusanunengezogen werden. Ihre Anzahl wird auf rund 4oü,0o0 Mann angegeben, sotvie Benjamin auf 26,700. Diese Zahlen zeigen auf eine beträchtliche Abnahme der Bevölkerung hin. Tenn bei der letzten Zählung in der Wüste war die Gesammtzahl der streitbaren Männer — die Leviten ausgeschlossen — 601,760. Von Benjamin läßt sich voraussetzen, daß es alle wehrbaren Männer in diesem Kampfe um seine Existenz ausstellte, und doch zählte cs in der Wüste 45,600 Mann. Vemerkenswerth ist die Anführung, daß behufs Proviantirung des großen Heeres der zehnte Theil von ihm ausgehoben wurde, „um Zehrung für das Volk zu holen" (20, 10). Als Besonderheit wird V. 16 angeführt, daß unter den Benjaminiten 700 Männer waren, welche mit der Schleuder „den Stein auf's Haar" warfen, und „nicht fehlten", und zwar mit der linken Hand. Warum die Israeliten von ihrer großen Herresmacht keinen Gebrauch machten, sondern nur immer einen Stamm gegen Benjamin ausziehcn ließen, ist nicht gesagt. Durch den ganzen Bericht geht ein tief moralischer Zug, und es läßt sich daher voraussetzen, daß man wie in einer Art Zweikampf dem einen Stamm auch nur einen cntgegenstellen wollte. An zweien Tagen entbrannte die Feldschlacht und beide Male wurde der Stamm Juda mit großem Verluste von Benjamin zurückgeschlagen. An dem einen Tage sielen 22,000, am anderen 16,000 Mann. Da wandten die Israeliten abermals die schon mehrere Male beschriebene Weise des Hinterhaltes an und während die Benjamiten das scheinbar weichende Haupttreffen, von denen sie bereits 60 Mann erlegt hatten, verfolgten, und von der Stadt sich trennte^ nahm den Hinterhalt die letztere ein, zündete sie als Zeichen für das Haupttreffen an, siel den Benjaminiten in den Rücken und diese wurden bis auf 1000 Mann vernichtet. — Unter dem Richter Eli wurden die Israeliten zwei Male von den Philistern in der offenen Feldschlacht geschlagen. Beide Heere hatten ein Lager bezogen. In der crstren Schlacht fielen 41,000.Mann von den Israeliten und sie zogen sich in ihr Lager zurück. Die zweite Schlacht war noch verderblicher: es sielen 30,000 Mann, und das Heer lief auseinander. Unter Samuel aber wurden die Philister geschlagen und zwar als sich ein großes Unwetter über sie entlud und sie verwirrte (1 Sam. 7, 10). Die Israeliten benutzen also das Unwetter, um über die Philister zu fallen und sie zu zerstreuen. — Dies ist die Kriegsgeschichte aus der bewegten Zeit der Richter. Wir kommen zu der Periode der Könige. Mit diesen verändert sich sofort die Gestalt der Dinge. Aus dem Mangel an vereinter nationaler Kraft war das Bedürfnis; nach der Monarchie im Volke erwacht. Tenn die einzige Vereinigung der gesammten Wehrkraft, von der aus der Richterzeit die Rede tvar, nämlich im Bürgerkriege mit Benjamin, geschah, nach der Angabe des Berichtes selbst, kurze Zeit nach Josua's Tode. Mit dem Eintritt eines Königs sehen wir alsbald die ganze Nation in ihren kriegerischen Anstrengungen sich zusammen thun. Von da ab ersteht ein Kampf nicht mehr blos, wenn das Joch eines Feindes unerträglich geworden, sondern der israelitische König wendet sich von selbst gegen die feindlichen Völkerschaften und bekriegt sie, um ihre Israel bedrohende Macht für immer oder doch für längere Zeit zu brechen. Tie Periode Saul's ist darin noch gewissermaßen vorbereitend, cs kömmt unter ihm noch nicht zu einen; stehenden Heere, nicht einmal zu bleibenden Eadres. Saul muß zu kriegerischen Unternehinungen die tvehrhafte Mannschaft immer von Neuem Zusammenrufen, und sieht sich deshalb abwechselnd von Hundertausendcn oder auch nur von kleiner Anzahl z. B. von 600 Mann begleitet. In dieser Zeit trat auch ein Mal der Uebelstand ein, daß die siegreichen Philister sännntliche Schmiede aus dem Lande ent-