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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1879-02-18 · Heft 8 (18.2.1879) · p. Seite 121

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
43 (1879)
Issue
Heft 8 (18.2.1879)
Date
1879-02-18
Page
Seite 121 (sequence 9)
Language
German
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121 monatlichen oder vierteljährlichen Raten gezahlt werden sollten. Außer diesen laufenden Unterstützungen wurden im Laufe der Zeit auch zwei Waisen aus jener Unglückskatastrophe, die eine mit 300 Thalern, die andere mit 250 Thalern als Hcirathsgut ausgestattet. . Auf Beschluß des Somitte soll jetzt abermals eine Waise aus jener Kategorie, und zwar, weil sie Vater- und mutterlos ist, mit 2000 Mk. Mitgift ausgestattet werden. Alle diese Ausgaben, laufende wie außergewöhnliche, haben natürlich nicht von den Zinsen allein bestritten werden können, und mußten theilweise vom Capital, das ja lediglich auch nur für diesen Zweck bestimmt ist, entnommen werden. Gegenwärtig betragen die lausenden Unterstützungen monatlich etwas über 60 Mark; diese werden von den Zinsen des Nestcapitals — 3400 Mark in Posener Pfandbriefen — und zum Theil aus diesem selbst entnommen und wird damit so lange fortgefahren werden, als noch zu Unterstützende aus jenem Unfälle vorhanden und die Fonds nicht absorbirt sind. Bonn, 26. Januar. (Literarische Notizen.) Soeben ist uns die letzte Lieferung des 2. Bandes des: „Neuhebräisches und chaldäisches Wörterbuch über die Talmudim und Midraschim. Bon Rabbiner Professor Di-. I. LevY. (Leipzig, Brockhaus, 1879)" zugekommen. Es ist dies die zehnte Lieferung des ganzen Werkes und enthält den Buchstaben b nebst Nachträgen von Prof. Dr. Fleischer und Zusätzen und Berichtigungen zum ganzen zweiten Bande. Für den dritten Band des überaus verdienstvollen Werkes bleiben noch zehn Buchstaben , so daß derselbe einen ziemlich großen Uinfang baben wird. Daß der Vers, im Fortgange seines Werkes ztvar überall nach denselben Grundsätzen, doch aber mit immer gründlicherer Erfassung der schwierigen Gegenstände weiter schreitet, ist erkennbar, und er bringt zu den einzelnen Worten, wo es nöthig ist, einen immer größeren Schatz von Belegstellen und deren Erläuterung heran. Mag cs ihm vergönnt sein, auch den dritten Band in nicht zu langer Zeit vollendet zu sehen. — In dem jüngsten Hefte der „Deutschen Morgenländischen Gesellschaft" veröffentlicht 3l-abb. I)r. M. Wolfs in Gothenburg „Bemerkungen zu dem Wortlaute der Emunot we Deot." Die Vergleichung des arabischen Tertes mit der hebräischen Uebersetzung des Jbn-Tibbon und der aus dieser geflossenen deutschen von Fürst zeigt, daß in der erstcren durch Mißvcrfiändniffe und durch Fehler der Abschreiber viele Jrrthümer Vorkommen, die dann in die letztere übergingen. Herr I)r. Wolfs giebt nun die Verbesserung und Richtigstellung eines Theiles dieser Jrrthümer, wodurch nicht lvemgc und mehrmals wichtige Stellen ihren richtigen Sinn erhalten, wofür die Freunde der jüdischen Religionsphitosophie dem Verf. der Abhandlung dankbar fein und wünschen werden, daß cs ihm ermöglicht werde, diese Arbeit weiter zu führen. — Essen, 21. Januar. (Literarische Notizen.) Bei der Durchsicht der im Verlage von Velhagen und Ktasing erschienenen, von Robert König verfaßten „Deutschen Literaturgeschichte" fallen mir folgende Ungeheuerlichkeiten auf, die, da sie speciell das Judenthunr betreffen, gewiß für Sie von Bedeutung sein werden. Der Verfaffer, der sein Werk mit dem pomphaften Wunsche in die Welt ziehen läßt, „es möchte nicht nur ein Hausbuch sein, cs möchte eines der ,Erbbüchei? werden, die W. H. Niehl in dem Bücherschrank des deutschen Hauses neben der Hausbibel und der Fanrilienchronik zu erblicken wünscht", entblödet sich nicht, in einem Artikel über Gustav Freytag's Roman „Soll und Haben" folgende Worte vom Stapel zu lassen (Literaturgeschichte S. 615): „Gegenüber der tendenzmäßigen (?) Vergötterung des Judcuthums und der Polen, welche in Poesie unb Prosa so lange sich in der Literatur breit gemacht hatten, thnt es wohl (sie), hier einmal nüchterne lebenstreue Darstellungen des an unserem Volksmark nagenden Schmarotzerthuins der jüdischen Wucher- und Vanquierwirthschaft, wie des wahren Kernes der polnischen Jnsurrection anzutreffen." Uebcr Lessing's „Nathan der Weise" läßt sich der Herr Verfaffer also aus: „Der Nathan lehrt keineswegs Duldsamkeit gegen Andersgläubige, ob das auch wieder und wieder behauptet wird, sondern Gleichgültigkeit («io) in Glaubenssachen; denn nur, wer einen bestimmten Glauben besitzt und übt, vermag doch Andersgläubige zu dulden (?!), aber Nathan ist ebenso wenig ein Jude (!) als Saladin ein Mohamedaner (!) oder der aufgeklärte (?) Tempelherr ein Christ" (.'). — 8apicnti sat. Ich würde mir nun gar nicht die Mühe gemacht haben, Ihre Aufmerksamkeit auf dieses neueste Opus des Mannes vom „Daheim" zu lenken, wenn ich nicht wüßte, wie leicht Mancher sich durch das bestechliche Aeußere des Werkes, den Prachtumschlag und die zahlreichen zum Thril cultur- und literar-historischen farbigen und einfachen Bilder und Facsimilien bewegen lasten könnte, ein solches Werk anzuschaffen, das in echt conservativer Weise offen und verstohlen den Haß gegen das Judenthum predigen zu müssen glaubt. 8. G. Sonn, 2. Febr. (Literarische Notizen.) Ernst Renan hat vor Kurzem „Geschichts- und Neiseskizzen" erscheinen lassen. Man braucht ivohl nicht hinzuzufügen, daß das Werk voll Geist und Interesse, und in einer stets .anziehenden und schwungreichen Sprache abgesaßt ist. Was den Inhalt betrifft, so läßt rer Verfas'er sich über die Geschichte und Literatur aller orientalischen Völker aus, oft mit vergleichenden Blicken auf die europäischen Nationen und Staaten. Trotz vieler bemerkenswerthen und überraschenden Apercü's können wir der Manier Nenan's, aus historischen Bruchstücken und literarischen und linguistischen Hypothesen in's Allgemeine hinein, Geschichte und Aesthetik zu konstruiren, keinen Ge schmack abgcwinnen. Wie von einer rückwärts gekehrten Vorsehung wird über die geschichtliche Entwicklung und das Wesen der Völker und Racen verfügt, und ihnen die Stelle angewiesen, 8

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