Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 43 (1879)
- Issue
- Heft 8 (18.2.1879)
- Date
- 1879-02-18
- Page
- Seite 116 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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116 die „Unterstützung jüdischer Neligionsdiener" ist noch hervorzuheben: Abg. Lipke bemerkt, daß in der Commission der Commisiar des Finanzministers erklärt habe, es würden sich Wohl Mittel finden lasten, aus welchen der Petent unterstützt werden könne. — Abg. Windthorst (Meppen) ist dem Vorredner um so dankbarer für diese Auskunft, als die Herren am Ministertisch beharrlich schweigen. — Negierungscommissar Schallehn. Seines Wissens sei eine solche Erklärung seitens des Negierungscommistars nicht abgegeben worden. Die Negierung sei indeß mit dem Anträge einverstanden und stehe der Frage wohlwollend gegenüber. — Abg. Lipke hält seine Behauptung durchweg aufrecht. — Dieser Widerspruch zwischen dem Negierungscommissar und einem Mitgliede der Commission ist nicht sehr hoffnungerregend. Indeß sind die Aeußerungen des Ersteren doch so, daß die Bewilligung von Subventionen auch für die „jüdischen Neligionsdiener" nicht ganz aussichtslos sind. Es käme daher darauf an, daß recht viele derartige Petitionen an das Abgeordnetenhaus gerichtet und von wohlgesinnten Abgeordneten unterstützt würden. —. Der auch von uns besprochene Proceß der 23 Referendare jüdischer Religion in Breslau gegen die Urheber und Verbreiter des berüchtigten Pamphlets wird noch einen weiteren Nachhall finden. Das Verhalten des Staatsanwalts Prof. Pr. Fuchs in diesem Processe, der mehr den Vertheidiger als den Ankläger der Verklagten spielte, hat in vielen Blättern, so auch im „Berliner Vörsen-Courier" eine scharfe Beurtheilung gefunden. Gegen das zuletztgenannte Blatt hat nun Pr. Fuchs einen Strafantrag gestellt. Es kann leicht geschehen, daß der „B. V.-C." verurtheilt wird. Indeß wird bei der Verhandlung vielleicht eine wünschenswerthe Auseinandersetzung Vorkommen. Bonn, 6. Febr. (Privatmitth.) Gestern Abend gab die hiesige Universität dem Profeffor Martin Philippson, der, wie wir bereits berichtet, von der Universität zu Brüssel zum ordentlichen Professor der Geschichte erwählt, worden und diese Berufung angenommen hat, eine Abschiedsfeier. Die Einladung dazu hatten der z. Rector der Universität Professor Di*. Bücheler, der z. Decan der philosophischen Facultät Prof. I)r. Neuhäuser und der Präses der historischen Section Prof. 7)r. Schäfer erlasten, welcher eine große Anzahl der Professoren und Doccnten der Universität Folge leistete. Die obengenannten Herren hatten auch den Vater des Scheidenden, I)r. Ludwig Philippson, als Ehrengast eingeladen und abgcholt. Das Fest verlief in ehrendster und gemüthlichster Weise, und konnte dem Prof. Philippson einen Beweis von der Werthschätzung und Zuneigung geben, die er sich in seinem bisherigen Wirkungskreise erworben hat. Prcslau, 4. Febr. Bei der hier heute stattgehabten Ersatzwahl eines Neichstagsabgeordneten für den Westbezirk von Breslau erhielt der Justizrath Freund (Israelit), der bereits Mitglied des Abgeordnetenhauses ist, und der Fortschrittspartei angehört, 6564 Stimmen, der Socialdemocrat Kräcker öl 75 und der Conscrvative v. Wallenberg-Pachaly 2845. Es ist somit zwischen den beiden ersteren eine Stichwahl nothwendig. Frankfurt a. Main, 4. Febr. Die fast gleichlautenden Bezeichnungendes Grünen Wegs und der Grünen Straße haben schon öfter zu Verwechslungen Anlaß gegeben. Der Magistrat sah sich daher auf Anregung der Baudeputation veranlaßt, den bisherigen Grünenweg — im Andenken an die durch die Arthur und Emil Königswarter'sche Unterrichts- und Studien-Stiftung, durch die Stiftung der Familie Königs- Wärter und durch die Gründung des an dieser Straße belegenen Hospitals der israelitischen Gemeinde wohlverdiente Familie Königswarrer — den Namen „Königswarter-Straße" beizulegen. Es ist dies die erste Straße, die den Namen einer jüdischen Familie tragt. Strafzburg im Elsaß, 31. Jan. (Privatmitth.) Ihre Leser werden sich jenes berüchtigten Artikels erinnern, der vor einigen Monaten in der Augsb. A. Z. einen Platz gefunden und in viele andere Blätter übergegangcn ist, und in welchem die Elsässischen Juden des Wucherbetriebes bezüchtigt wurden. Man forderte damals thatsächliche Beweise für diese Anklage, erhielt solche aber nicht. In der jüngsten Zeit nun fanden nicht wenige Wucherproceste vor den Elsässischen Gerichten statt, indem diese mit aller Strenge gegen den gewerbsmäßigen Wucher Vorgehen. Die „D. Neichspost" schreibt hierüber: „Auf Grund des französischen Gesetzes, welches uns in dieser Hinsicht sehr zu Statten kommt, konnten schon mehrere dieser unsauberen Geschäftsleute zu ernster Rechenschaft gezogen werden. Bei solchen Verhandlungen kommen oft haarsträubende Thatsachen an's Licht; 100, 200, selbst 300 Procent Zinsen per Jahr sind da keine Seltenheit. Die Opfer sind meistens Eingewanderte, der Beamtenstand dabei zahlreich vertreten. Daß die vor Gericht gezogenen Wucherer, die sich Rentner nennen, theilweise als Polizei-, Steuerrc. Beamte im Elsaß angestellt waren, dürfte zu bedenken geben." In allen diesen Gerichtsverhandlungen kamen aber keine Juden vor. So steht es mit den gewiffenlosen Verdächtigungen, die gegen uns in die Welt geschleudert werden. Das Lügenhandwerk in der Presse ist jetzt wieder in einer Weise thätig, wie kaum je zuvor, und macht der Gegenwart das Vorwartskommen sehr schwer. (Die „Germania" 'macht sich jetzt eine besondere Thätigkeit daraus, die Wuchcrproceffe aus allen Theilen der Welt zu sammeln, um dadurch den bekannten Antrag der Centrumspartei als ein wahres Bedürfniß zu kennzeichnen. Ihrem Wunsche, recht oft dabei auf Juden zu treffen, wird jedoch wenig entsprochen. In der Rümmer, in