Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 43 (1879)
- Issue
- Heft 8 (18.2.1879)
- Date
- 1879-02-18
- Page
- Seite 114 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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beit Juden! Der Rheinfeldzug von 1794 hat einen unbefriedigenden Ausgang genommen. Die Ursache liegt in den Jntriguen jüdischer Lieferanten, welche, „um sich die kostbaren Transporte nach den Niederlanden zu ersparen, die preußischen Truppen am Rheine festzuhalten suchten!" Die Schlacht bei Jena wurde verloren, wodurch? weil ein Professor Karl Julius Lange ein Journal herausgab, in welchem zuerst Preußen verherrlicht und nach der Schlacht verhöhnt ward, und dieser Lange war, „wie man nachher erfuhr, von Geburt ein Braunschweiger Jude, Namens Alexander Davison." Wir haben von diesem Lange als Davison keine Kenntniß und der Beweis für seine jüdische Abkunft soll noch erbracht werden. Doch es giebt noch eine andere Erklärung für den traurigen Ausgang der Schlacht bei Jena. Die ganze preußische Armee war „verjüdelt", weil einige Ofsiciere bisweilen bei Henriette Herz in Berlin Besuche abgestattet hatten (S. 25 \ Dieses halbe Dutzend Ofsiciere hatte, das bekunden diese Besuche, „ihr christliches Bewußtsein darangegeben", und dafür empsing die preußische Armee, der ganze preußische Staat. seinen „Lohn"! Solcher Blödsinn bedarf keiner Widerlegung, und — ein Mensch von solcher Logik und Combination will als Weltverbesserer sich ausspielen. Wir haben nur einige Beispiele aus Herrn Todt's Darstellung hervorgchoben, um aus seiner Beweisführung heraus seine Beurtheilung in ihrer intellectuellen und sittlichen Bodenlosigkeit zu charakterisiren. Sehen wir. uns nun seine allgemeinen Behauptungen an. „Die Neforinjuden" sind nach ihm nicht im Stande, eine ethische Lösung herbeizuführen, weil ihrer Menschenliebe „die nothwendige Voraussetzung, die göttliche Ebenbildlichkeit in jedem Menschen zu erblicken, fehlt." Wir brauchen dieser Behauptung gegenüber nicht darauf hinzuweiscn, daß die Ebenbildlichkeit Gottes in jedem Menschen eine Anschauung ist, welche allein der Mosaismus ausgesprochen hat und die niemals aus dem Judenthume entschwand, wie denn auch der Talmud sie hegt und pflegt (z. B. Vcrachoth 10, 1), und wie sie in allen jüdischen Neligionslehrbüchern als ein fundamentaler Lehrsatz ihren ethischen Systemen zu Grunde gelegt wird. Was führt denn aber Todt zur Begründung seiner Behauptung an? Nichts, als daß in allen Staaten in der Praxis dieser Grundsatz hinsichtlich der unteren Volksschichten nicht beachtet werde, daß „die Rechte auf Freiheit und Gleichheit im politischen und wirtschaftlichen Leben nur den besitzenden Elasten zu Gute kommen", es sei dies Alles nur „Liebe aus Egoismus". Aber wie kommt das zu den Neformjuden? Sagt er es nicht selbst von sämmtlichen christlichen Staaten aus? Könnte selbst ein Todt leugnen, daß im Alterthmn und im Mittelalter, in letzterem bei seiner Feudalität und Leibeigenschaft, die Gottähnlichkeit jedes Menschen weit weniger als in der Jetztzeit anerkannt ward, daß die Jetztzeit gerade hierin außerordentliche Fortschritte gemacht hat? — wobei es dann nur auffallen kann, daß Todt und seine Genoffen dieser Jetztzeit immer wiederholt die Entchristlichung vorwersen. Waren also die Zeiten des Mittelalters und des Absolutismus nicht „entchristlicht", also des christlichen Bewußtseins voll, was folgte daraus, als daß die Gottebenbildlichkeit in jedem Menschen zu diesem „christlichen Bewußtsein" gar nicht oder doch in einem sehr geringen Grade gehörte.? Und immer wieder muß gefragt werden, wenn wir die Ansicht Todt's über den Mangel der vollen Würdigung der Gottebenbildlichkeit in jedem Menschen in der ganzen gegenwärtigen christlichen Gesellschaft annehmen sollten, was wir noch lange nicht thun, was haben damit die „Reformjuden" zu thun? Nicht diese, sondern die ganze Christenheit träfe der Vorwurf, natürlich mit Ausnahme des Herrn Todt und seiner Genoffen. Und wenn er hierdurch die Neforinjuden für unfähig zur ethischen Lösung erklärt, erklärt er hiermit nicht die ganze christliche Welt selbst für unfähig dazu? Die Juden sollen aber auch, wie Todt behauptet (S. 18), zur „socialistisch-nationalökonomischcn Lösung der socialen Frage unfähig" sein. Man sieht, socialistisch und social werden hier wieder einmal unter einander geworfen. Wir wollen aber hierauf kein Gewicht legen. Diese Unfähigkeit bestehe „in dem Mangel des Begriffes der Jnternationalität", Zwar vindicire Philippson den Juden die Durchführung des Princips der Gleichberechtigung im Staate; zwar seien die Juden in der Zerstreuung international, „aber für die echte Jnternationalität, für die Brüderlichkeit aller Menschen hätten sie kein Verständniß." Die Verwirrung der Begriffe, welche sich diese Art Scribenten zu Schulden kommen läßt, ist in der That für den einfachen Menschenverstand grausenerregend. Ist von der Nationalität die Rede, so sind die Juden kosmopolitisch. Ist vom Kosmopolitismus die Rede, so sind sie national. Was. verstehen denn diese Leute unter Jnternationalität? Etwa die Aufhebung und Vernichtung aller Nationalität? Gewiß nicht, selbst Todt will vorerst nur den deutschen Socialismus erobern, wie schon der Titel seines Buches zeigt. Sie müsten also zugeben, daß cs eine internationale Anschauung bei voller Geltung des Nationalbewußtseins giebt. Gerade wie es bei dem stärksten Nationalbewußtsein eine Familienliebe giebt, die wiederum in sich gewisse Besonderheiten trägt, wie Elternliebe, Gattenliebc, Kindesliebe, Geschwisterliebe. Niemand kann be- ' haupten, daß die Familienliebe gegen das Nationalbewußtsein, gegen den Patriotismus streitet, daß dieser wieder jede internationale Anschauung, jedes kosmopolitische Gefühl ausschließt. Der Mcnschengeist, wie wir dies schon oft betont haben, ist durchaus nicht so einseitig, um auf eine einzige dieser Empfindungen beschrankt zu sein; vielmehr ist er in seiner wahren Entfaltung befähigt, bei aller Liebe zu seiner Familie auch seine Nation zu lieben, und bei aller Liebe zu seiner Nation auch die Menschheit zu lieben, und aller dieser Liebe seine Selbstliebe ein- und unterzuordnen. Er kann für die Jntereffen