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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1879-02-11 · Heft 7 (11.2.1879) · p. Seite 104

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
43 (1879)
Issue
Heft 7 (11.2.1879)
Date
1879-02-11
Page
Seite 104 (sequence 8)
Language
German
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104 binen brauchen wir noch wenig, jüdische Gelehrte aber fehlen uns ganz und gar. Bei den anerkannt tüchtigen Talenten unserer galizischen Jünglinge und deren Wißbegier können wir die Gedeihlichkeit eines solchen Lehrplanes zuversichtlich Vorhersagen. Sache der jüdischen Intelligenz, besonders der einflußreichen Wiener Cultusgcmeinde und der Wiener Allianz ist es, die Regierung zu vermögen, den oslgalizischen Schulfond zu Gunsten jenes so wichtigen Landesinstitutes einem culturfreundlichen jüdischen Curatorium zu übergeben. Schließlich sei noch erwähnt, daß der ständige Ausschuß des Gemeindetages an rabb. Autoritäten, wie an sonstige hervorragende Talmudiften des In- und Auslandes Fragebogen versendet, betreffs der systematischen Vertheilung des jüdischen Lehrstoffes aus die angegebene Reihe von Schuljahren, und sonstige Organisirung des Instituts. Das Comite will sich auf diese Weise gleichsam im Contacte und Uebereinstimmung der wichtigsten mitteleuropäischen Koryphäen des jüdischen Wissens fühlen. Möge ihnen das große Werk der Wiederbelebung des jüdischen Geistes gelingen! R. Vierer. Frankreich. Paris, im Januar. Als eine musterhafte Anstalt unter den hies. israelitischen Wohlthätigkeitsinstituten ist anzusehen die von dem verstorbenen Bischoffsheim gegründete Schule für arme jüdische Mädchen, sie zu einem nützlichen Gewerbe, zu einem selbständigen Erwerb heranzubilden. Die Schule, die von einem Herrn Bloch geleitet wird, wurde im Sommer während der Weltausstellung von vielen Fremden besucht und in ihrer Mustergültigkeit, sowohl was Einrichtung, als Lehrweise betrifft, anerkannt. Die Schule zählt gegenwärtig 46 Mädchen, von denen sich 9 zu französischen Lehrerinnen, 10 zu solchen im Orient ausbilden, die anderen für Gewerbe und Handel. Im verflossenen Jahre habe 21 diese Schule verlassen, von denen 8 Lehrerinnen und 13 Arbeiterinnen (Blumenmacherinnen, Näherinnen und Modistinnen und Handelsgehülsinnen geworden. Bereits haben mehrere W ohlthäter die Mittel der Anstalt vermehrt. Als besonders nothwendig zeigte sich aber die genügende Ausstattung der Schülerinnen beim Eintritt in die Anstalt, und zu diesem Zwecke ist soeben ein besonderer Fond gestiftet worden, der jedoch der Vergrößerung sehr zu cmfehlen ist. Großbritannien. London, 25. Jan. (Privatmitth.) Das Schreiben des rumänischen Senators Johann Ghika an die Times gegen die Gleichstellung der Juden hat eine Antwort des Herrn Henri de Worms, Präsidenten der Jcvrish Anglo-Association hervorgerufen. Die Erwiderung ist in schärfstem Tone gehalten. und indem sie mit der Plünderung der Bukareper Synagoge im Jahre 1876 beginnt und die Judenverfolgungen bis zu den Schandthatcn in Darabem und der schmählichen Freisprechung der Miffethäter daselbst aufzählt, beweist sie hinlänglich, daß die Behauptung Ghika's und vieler seiner Genoffen, in Rumänien handle es sich garnicht um Religionshaß, sondern nur um das sociale Mißverhältniß der Juden in Handel und Gewerbe, durchaus falsche sind. Im Uebrigen dürfe man . die Stimme des Herrn Senators nicht für die des ganzen rumänischen Volkes halten. Diese Antwort macht überall einen ersprießlichen Eindruck. — Rumänien. Bukarest, 21. Jan. Wir halten es für unsre Obliegenheit, die Entwicklung der Judenftage in Rumänien Schritt vor Schritt zu verfolgen, theils weil hierdurch auch unsrerseits die öffentliche Aufmerksamkeit auf diesen Gegenstand erhalten, theils weil dem zukünftigen Geschichtsschreiber dieser in culturhistorischer Beziehung überaus interessante Vorgang in allen Details aufbewahrt wird. Zur Charakterisirung des Momentes wird eine Correspondenz der „N. fr. Pr." von obigem Datum dienen. Es wird daselbst zuerst berichtet, daß die gewöhnliche Session der Kammern bis zu den Wahlen der Constituante sehr viel zu thun haben tserde; und daß die Opposition gegen das Ministerium Bratiano stark im Zunehmen begriffen sei, da die reactionäre Partei der Bojaren durch Fractionen der liberalen Partei verstärkt werden. Es heißt dann weiter: , Verschlimmert wird die Lage des Ministeriums Bratiano noch dadurch, daß die Großmächte Frankreich, Italien, Deutschland und England durch Ernennung von Gesandten oder Geschäftsträgern die Unabhängigkeit Rumäniens noch immer nicht anerkannt haben und seiner Negierung dadurch die moralische Unterstützung entziehen, welche sie zur Durchführung einer so schweren Aufgabe, wie die Juden-Emancipation ist, dringend bedürfen würde. Auch ist es kein Geheimniß, daß die Vertreter der beiden einzigen Großmächte, Rußland und Oesterreich- Ungarn, welche anl Vukarestrr Hofe osficiell vertreten sind, viel mehr Sympathien für die Bojarenals für die Volks- Partei an den Tag legen und den Rücktritt des Ministeriums Bratiano lieber heute als morgen sehen würden, damit die Wahlen zur Revisions-Kammer, auf welche die bestehende Regierung durch das bäuerliche Wahlcollegium sehr großen Einfluß üben muß, die executive Gewalt wieder für längere Zeit in die Hände reactionärer Elemente legen. Unter solchen Umständen steht dem Ministerium Bratiano bis zum Schluffe der ordentlichen Kammersession noch eine ganze Reihe von Angriffen und Kämpfen bevor, und es ist sehr fraglich, ob es dieselben überdauert. Sollte dasselbe gestürzt werden, so feiert die Reaction in Bukarest die gleichen

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