Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 43 (1879)
- Issue
- Heft 7 (11.2.1879)
- Date
- 1879-02-11
- Page
- Seite 103 (sequence 7)
- Language
- German
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103 Harte zu Leklagen, vielmehr ist ihnen in dem Umstande, daß der für die ganze Dauer der Mitgliedschaft zu leistende Jahresbeitrag nicht etwa von dem Alter in der Beitrittszeit, sondern so berechnet wird, als ob die Mitgliedschaft rechtzeitig erworben wäre, (so daß beispielsweise ein 35jähriger Lehrer, der 10 Jahre nachzuzahlen hat, nicht als 35 jähriger mit einem Beitrage von 9 Mark (§ 7 der Statuten) sondern als 25jährigernur mit 6 Mark jährlich herangezogen wird) — ein wesentlicher Vortheil eingeräumt, indem sie, wenn Zinsen in Betracht kommen, weniger zahlen als diejenigen Lehrer/welche rechtzeitig beigetreten sind und das Kapital, welches zur Zeit nahezu 36,000 Mark beträgt, mit Mühen und Opfern haben ansammeln helfen. Wir glauben nicht, daß man das Entgegenkommen weiter treiben kann, gestatten uns aber, an dieser Stelle noch darauf hinzuweisen, daß keine der uns bekannten öffentlichen oder privaten Unterstützungscassen den geringen Beiträgen der Mitglieder gegenüber eine solche Gegenleistung zu bieten im Stande ist, wie die unsrige, und daß bis jetzt noch jede der von uns unterstützten Familien im ersten Jahre schon weit mehr an Unterstützung erhalten hat, als die Summe der Gcsammtleistungen des betreffenden Mitgliedes betrug. Möge der Segen des Allgütigen auch ferner unser Unternehmen begleiten!" Oesterreich-Ungarn. Lemberg, 22. Jan. (Privatmitth.' Im abgelaufenen Jahre berichteten wir über die in der hiesigen Gemeinde eingetretene Spaltung unter der Fortschrittspartei, die unter dem Namen Dorsche Scholem ultrapolnische Tendenzen verfolgte und davor nicht zurückschreckte, die jüdischen Fanatiker mit in den Kauf zu nehmen und dieselben wie die Landespreffe gegen den 8chomcr Israel in's Treffen zu führen. Wir sahen diese Absplitterung zwar mit trübem Herzen, aber nicht mit-trübem Blicke, da wir die Aussichts- und Haltlosigkeit im Voraus einsahen und es auch Ihnen signalisirten, und so geschah es. Der Verein ging nach sechsmonatlicher Lebenszeit in die Brüche, das polnische Blättchen Zgoda mit seiner jüdischen Beilage kam eines jämmerlichen geistigen und physischen Hungertodes, kaum acht Nummern hoch, um, ohne daß der Verein uns in seinem Testamente — den Frieden als Resultat seiner Thätigkeit hinterließ. Gerade unter jener unseligen Aegide wurden die Geister des Fanatismus geweckt und geeinigt und besitzen wir gegenwärtig eine Nachkommenschaft unter dem Namen Machsikei Hadas der schlimmsten Sorte mit einem lithographirten jüdischen Schmutzblättchen: „Das wahre Judenthum". Diesem Blättchen verdanken wir die Veröffentlichung zweier Brandbriefe gegen den Schomer Israel und alle Jene, welche wagen, für Judenthum und wiffenschaftliche Ausbildung unter den galizischen Juden zu wirken. Der Krakauer Schreiber im Westen und der greise Horowitz im Osten, resp. Stanislaw, beide ziehen einen Strang, beiden ist die Intelligenz eines Juden ärger als die Taufe. Die übrigen Rabbinen Galiziens sind von dem todt- und giftschnaubenden Chassidismus derart terrorisirt, daß sie dem Krakauer Obermeister sich unterwerfen muffen. Natürlich spielte Rabbiner Arenshein eine zweideutige Nolle, jedoch bald wurde auch dieser entlarvt und seine Alliirung mit allen übrigen Zelotissimi auf's unzweideutigste an den Tag gelegt. Die hochheilige Sippschaft arbeitet daher mit rastloser Ausdauer gegen den Gemeindetag; Proteste wurden allerorts gegen die Befchlüffe deffelben eingcreicht und in Wien Schritte dagegen eingeleitet. Zum Glück aber blieb Alles erfolglos. Das Statut des Gemeindetages erlangte die Genehmigung und schickte sich der Ausschuß an, die Befchlüffe in Ausführung zu bringen. Vor wenigen Wochen tagte der ständige Ausschuß des Gemeindetages und theilte unter einander die Referate für den kommenden II. Gemeindetag. Die Vorlage eines Musterstatutes übernahm Herr Dr. Ringelheim aus Tarnow und erhielt in Herrn Dr. Mansch einen sehr tüchtigen und routinirten Correferenten. Herr Emanuel Fränkel, welcher bei seinem umfangreichen Wiffen ein warmes jüdisches Herz und lebhaftes Jntereffe für das Wiederaufleben des jüdischen Wiffensstudmms bekundet, hat sein provisorisches Elaborat für das ttmsn /V2 bereits entworfen und der Sitzung unterbreitet. Nach feinem Plane soll nun das Talmud-Studium wie folgt organisirt sein: a) Eine 4classige Vorbereitungsschule, in welcher Lernbegierige von 9—14 Jahren Unterricht in "p",n und erhalten, neben diesem das profane Wiffen eines Untergymnasiums; b) ein höherer Eurs aus 6 Jahrgängen mit tüchtiger Durchbildung in Talmud und Hebraica (alte und neue Literatur^, nebst dem Pensum des Obergymnasiums Nach Absolviruug dieser Jahrgänge unterzieht sich der Schüler einer staatsgültigen Maturitätsprüfung. Das Zcugniß der Reife befähigt dieselben zur Talmud-Facultät der höchsten jüdischen Lehranstalt mit dreijährigem Cyclus, an welcher rein jüdische Wissenschaft getrieben und für das Aabbinat vorbereitet wird. - Es bleibt aber auch dem Abiturienten frei, auch irgend ein anderes Fachstudium zu ergreifen. Die Ansicht, von welcher der Referent bei Entwurf dieses Planes geleitet wurde, entspricht der Anschauung des Vereins .Schomer Israel; es handelt sich hier darum, dem Eleven dieses Instituts die Möglichkeit zu gewähren, seinen Beruf nach erlangter Reife in jüdischen ivie in weltlichen Lehrfächern ein ihm zusagendes Fachstudium zu ergreifen. Rab-