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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1879-02-11 · Heft 7 (11.2.1879) · p. Seite 102

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
43 (1879)
Issue
Heft 7 (11.2.1879)
Date
1879-02-11
Page
Seite 102 (sequence 6)
Language
German
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102 gen, denselben verlangte. Zur weiteren Orientirung theile ich' noch mit, daß außer dem jüdischen Lehrer noch zwei christliche Hauptlehrer an derselben Schule wirken, die gemeinsam mit den Geistlichen den Religionsunterricht ertheilen. Die mit so großer Emphase in der Germania beklagte Verkümmerung des 1 katholischen Religionsunterrichts ist also nur Geflunker, darauf berechnet, dem Volke Sand in die Augen zu streuen und dabei die Behörde zu discreditiren. Die in dem Artikel weiter^ hervorgehobene große Erbitterung in den beteiligten Kreisen i existirt auch mir im Kopfe des Correspondenten, dem wahrscheinlich der Untergang der Welt nahe zu . sein scheint, weil ein jüdischer Lehrer statt eines christlichen. Rechnen, Schreiben, Lesen, sowie den Anschauungsunterricht und noch einige andere Fächer in den ersten zwei Schuljahren ertheilt, uls ob diese Gegenstände irgend mit der Confesston etwas zu thun hätten. Die Zeit aber geht über diese Recrimination zur Tagesordnung über, wenn auch hie und da noch die Anschauungen gewisser Volks kreise durch die giftigen Auslassungen fanatisch angelegter Naturen getrübt werden. Nach einigen Jahrzehnten wird man sich wundern,, daß eine so einfache Thatsache, die doch bei Jedem, dessen Blick nicht durch Vorurtheil getrübt ist, als eine Forderung der Gerechtigkeit angesehen werden muß, so viel Staub aufwirbeln konnte. . Die Herrn müßten doch endlich begreifen, daß der heutige Staat nur auf den Grundsätzen der Gerechtigkeit, d. h. der Gleichheit Aller vor dem Gesetze aufgebaut sein kann. ' j M. | Aus Westfalen, im Januar. (Privatmitth.) Der Vorstand der' „Unterstützungscasse des Vereins israel.! Elementarlehrer" für Westfalen und die Rheinpro- * vinz" versendet so eben den Jahresbericht pro 1878. Die, Ziele, die' Wirksamkeit und der gegenwärtige Stand dieses segensreichen Instituts ergeben sich am besten aus dem Vorwort zu dem Berichte, welches wir daher nachstehend mit-! theilen. ' „Eine Durchsicht des vorliegenden Berichts wird die Mitglieder und Freunde unseres Instituts überzeugen, daß toirj alle Ursache haben, mit den Resultaten des Jahres 1878 zufrieden zu sein. Abermals war es der Edelsinn unseres Ehrenmitgliedes Herrn Elias Meyer in Aachen, der uns in den Stand setzte, durch einen entsprechenden Zuschuß die Unterstützungsquote von -19 M., welche der Stand der Casie gestattete, wieder wie im Vorjahre auf 54 Mark zu erhöhen. Die Freundlichkeit eines ungenannten Wohlthäters machte es uns durch Vermittelung des Herrn Lehrers Steinweg in Rheda möglich, diesen Vortheil auch auf eine Wittwe, welche im Laufe des Jahres auf unsere Casie angewiesen wurde, auszudehnen. An Unterstützungen hat die Casie somit im Jahre 1878 an 8 Familien 2268 M. (42 Quoten a 54 Mark) verausgabt. Wie die Uebersicht Seite 15 crgiebt, sind in diesem Jahre wiederum 42 Quoten zu vertheilen und ist die Quote in der Vorstandssitzung am 1. Jan. c. auf 52 M. festgesetzt worden. Mit Freuden heben wir hervor, daß die Zahl der Gemeinden und Gesellschaften, welche durch feste Jahres-Beiträge ihre Interesse für unsere Unterstützungscasie bekunden, in Wachsen begriffen ist. Zur Zeit sind es folgende: Aachen (7 b M.); Ahlen, Chewrahcasse und Frauenverein, (22,50 M.); Beverungen (20 M.); Bielefeld (90 M.; Bocholt (15 M.); Bochum (30 M.); Bonn (30 M.); Brakel (30 M.); Bünde (15 M.); Elberfeld;75 M.); Essen (45 M.); Gütersloh (15 M.); Halt ern, Chcwrah kadischah(l5 M.); Herford (30 M.); Höxter (10 M.); Jülich (15 M.); Kempen (15 M.; Leipzig, deutsch-isr. Gemeindebund (50 M.); Linz (!2 M.); Lübbecke, Frauenverein (15 M.^; Männerverein (30 M.); Min den (15 M.);Münster (30 M); Neuenkirchen bei Rietberg (15 M.); Rahden, Hekdesch- Casie, (12 M.); Rheda (15 M); Rheine, Chewrah-Casie (15 M.; Stadtberge (10 M.); Steinheim (21 M.), im Ganzen 30 Gemeinden oder Vereine mit einem jährlichen Gesammtbeitrage von Mark 787,50. Mehrere der hier aufgezählten Gemeinden haben für die Folge eine Erhöhung ihrer Beiträge in Aussicht gestellt. In vielen anderen Gemeinden haben Sammlungen mit sehr erfreulicher Betheiligung stattge-. funden. Auch ist uns wieder durch letziwillige Verfügung ein Legat von 150 Mark zugeflosien, und zwar von der verstorbenen Frau Wwe. Rosenheim in Cleve; Segen ihrem Andenken! Neben der Freude aber, mit welcher wir diese größere allgemeine Betheiligung begrüßen, nnd für welche wir allen freundlichen Gebern wärmsten Dank sagen, erfüllen uns zwei Punkte mit Vetrübniß; zunächst, daß in dem Gabenverzeichniß der Unterstützungscasie gerade die größten und reichsten Gemeinden fast gänzlich fehlen, obwohl ihren Vorstehern, Rabbinern und Lehrern unsre Berichte und Aufforderungen regelmäßig zugehen, und dann, daß so viele Lehrer, ihr eigenes Interesse verkennend, der Unterstützungscasie noch nicht beigetreten sind. Hier müssen wir übrigens einem Mißverständnisse, — insofern es als ein solches betrachtet werden kann, — begegnen, welches in neuerer Zeit mehrfach laut geworden ist und nach welchem in der Bestimmung der Statuten, daß diejenigen Lehrer, welche nicht rechtzeitig dem Vereine beitreten, von der Zeit an, wo sie die Mitgliedschaft hätten eriwerben können, die Beiträge nachzuzahlen haben, — eine 1 große Härte liegen soll. Als die fragliche Bestimmung am ' 8. Juni 1870 in das Statut ausgenommen war, wurde den Lehrern eine Frist bis zum 1. Jan. 1872, also von über '18 Monate gewährt, innerhalb welcher sie ohne Nachzahlung dem Vereine hätten beitreten können. Die dieses dennoch trotz aller öffentlichen Bekanntmachungen und Aufforderungen verabsäumt, haben unsers Erachtens nicht das Recht, sich über

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