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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1879-02-11 · Heft 7 (11.2.1879) · p. Seite 101

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
43 (1879)
Issue
Heft 7 (11.2.1879)
Date
1879-02-11
Page
Seite 101 (sequence 5)
Language
German
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101 Der von den vereinigten liberalen Parteien hier zum Neichstagsabgeordneten für den Westkreis Breslau, an Stelle des verstorbenen Abgeordneten Bürgers, nominirte Justizrath Freund ist, wie Sie wohl wissen, Jude. Er ist bereits einer der drei hiesigen Abgeordneten auf dem preußischen Landtag und hat, trotz der antijüdischen Strömung, Aussicht, durchgesetzt zu werden, weil den liberalen Parteien z. Z. kein anderer Candidat zu Gebote steht, und im Westkreis die jüdische Wählerschaft ein bedeutendes Contingent stellt. Freund ist übrigens ein angesehener Anwalt und allgemein hochgeachteter Charakter. Köln, 28. Jan. (Privatmitth.) Folgende Verfügung der k. Regierung vom 18. Januar 1879 wird auch in weiteren Kreisen interesfiren. „Wie wir Ihnen auf den Bericht vom 21. December v. I. Nr. 6222. betreffend die Dispensation jüdischer Schulkinder vom Schulbesuche bei Sterbefällen von Anverwandten, erwidern, sind nach einer bezüglichen Entscheidung des israelitischen C o n s i st o r iu m s zu Bonn1) auf . Grund der betreffenden Religionsvorschristen diejenigen israelitischen Schulkinder, welche das religionspflichtige Alter, bei Knaben das 13, bei Mädchen das 12. Jahr, erreicht haben, im Falle des Todes eines ihrer Eltern und Geschwister auf 7 Tage, emschließlich des Tages der Beerdigung, vom Schulbesuche zu dispensiren, dagegen finden die qu. Vorschriften bei Sterbefällen außerhalb der vorgenannten Verwandtschaftsgrade und auch innerhalb derselben bei Schulkindern unter denr religionspflichtigen Alter keine Anwendung. Königliche Negierung, Abtheilung des Innern, gez. v. Guionneau. Abschrift erhalten Sie zur Kenntnißnahme und genauer Beachtung. Köln, den 24. Jan. 1879. Der Schulinspector Vr. Brandcnberg." Bonn, 2. Febr. (Privatmitth.) Am Freitag den 31. Nachmittags 3 Uhr fand die Einweihung der neuerbauten Synagoge hicrselbst statt. Sie ging in sehr würdiger und eindrucksvoller Weise vor. sich. Das Gebäude selbst, wenn auch nicht im einheitlichen Style, ist ebenso geschmackvoll wie entsprechend seinem Zwecke hergestellt und machte auf den Eintretenden, namentlich in der glänzenden Beleuchtung, einen erhebenden und eines Gotteshauses würdigen Eindruck. Es waren der K. Landrath, der Oberbürgermeister und eine Deputation der Stadtverordneten, der Rector und der Curalor der Universität, der allkatholische Bischof, drei protestantische Geistliche, mehrere Prosefforen und andere Honoratioren erschienen. Auch Se. K. Hoheit der hier studirende Prinz Wilhelm von Preußen hatte sein Erscheinen zugesagt, war jedoch durch eine körperliche Verletzung, die er leider am Vormittage sich zugezogcn hatte, daran verhindert. Die Gemeinde besitzt 24 Thorarollen, unter welchen sich einige durch ihre kalligraphische Schönheit auszeichnen. Der Ein- und Umzug derselben war daher imposant. Die Ceremonien wurden sämmtlich in gelungenster Weise vollzogen. Die eminenteste Stelle nahm der musikalische Theil ein, der Chorgesang wie die Soli und der Vortrag des Vorbeters. Da die Mitwirkenden nur Dilletanten aus der Gemeinde sind, so verdient der Dirigent, Herr Johann Wolff (christlichen Glaubens) das höchste Lob, und wir hegen nur den lebhaftesten Wunsch, daß der Chorgesang sich auch ferner auf dieser Höhe erhalte. Die Festpredigt hielt Herr Rabbiner Dr. Schreiber, der die Fragbeantwortete: „Zu welchem Zwecke wurden früher und werden jetzt jüdische Gotteshäuser gebaut?" Die Beschreibung der früheren Verfolgungen und die Belobung der jetzigen Toleranz bildete daher den Hauptinhalt der Rede. An die Feier schloß sich der Abendgottesdienst, der in sehr ansprechender Weise vor sich ging. Hervorheben wollen wir noch, daß der Vorstand der Gemeinde Köln, sowie der Gemeinde Coblcnz durch Abgeordnete vertreten waren. Von der römisch-katholischen Geistlichkeit unsrer Stadt war Niemand erschienen. Die Straßen um das neue Gebäude, dessen Rückseite vom Rhein aus sichtbar ist, waren freundlichst geschmückt und beflaggt; auch hat die Feier von Seiten der ganzen Bevölkerung eine wohlwollende .Theilnahme gefunden. Der Abend des folgenden Tages vereinigte den größten Theil der Gemeinde zu einem Festessen und Ball, die in schönster harmonischer Weise verliefen'^). Tnttlicl'bischkftffsticim, den 2.'). Januar. (Privatmitth.) Es ist zum Staunen, mit welcher Dreistigkeit ultramontane Blätter und Blättchen die einfachsten Thatsachen entstellen. Käme dies nicht gar zu häufig, vor, man könnte annehmen, daß diese Blätter von ihren Correspondentcn schlecht bedient seien; allein die bekannte Verläumdungssucht und systematische Verbreitung von Unwahrheiten läßt eine solche mildere Auffassung nicht zu. So ist der Fall, welchen die Germania resp. der Bad. Beobachter betreffs der Külsheimer Lehrerstelle, mitgethcilt in Nr. 4 dieser Zeitung, vollständig entstellt und habe ich Ihnen den Sachverhalt der Wahrheit gemäß in Nr. 3 berichtet. Ich wiederhole nur, daß nicht der Oberschulrath den jüdischen Unterlehrer octroyirt hat, daß vielmehr der dortige Gemeinderath aus Sparsamkeitsgründen, die allerdings zunächst aus Uebelwollen gegen die Ansprüche der jüd. Gemeinde entspruni) Daisraelitische Confistorium zu Bonn, wie auch die beidM^ 2) Der Redacteur dieser Zeitung, obwohl vom Vorstande und anderen zu Crefetd und Trier, verloren ihre gesetzliche Geltung durch den Repräsentanten um seine Mitwirkung bei der Jeier ersucht, daS Gesetz vom 23. Juli 1847. Die hier erwähnte Entscheidung ist konnte derselben in so strenger Jabreszen aus Gesundheitsrilcksicbten also von älterem Datum. Redaction. nicht anwohnen -

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