Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 43 (1879)
- Issue
- Heft 6 (4.2.1879)
- Date
- 1879-02-04
- Page
- Seite 91 (sequence 11)
- Language
- German
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91 10) die Rigaer polytechnische Schule; 11) die medicinal-chirurgische Akademie in St. Petersburg; 12) die pädagogischen Curse beim 2. Gymnasium; 13) die Petersburger Bauschule; 14) das Konstantinoff'sche Feldmesser-Institut; 15) das Berg-Institut; 16) die Petroff'sche Agricultur-Akademie bei Moskau und 17) die Moskauer technische Schule sollen das Recht haben, in Kronsdienst zu treten, überall in Rußland zu wohnen und sich zu beschäftigen. II. Diejenigen Juden, die das Institut der Communicationswege beendet haben, sollen dieselben (Punkt I.) Rechte besitzen, mit Ausnahme des Rechtes, in Kronsdienst zu treten. III. Diejenigen Juden und Jüdinnen, die sich der Erlernung der Pharmacie, Geburtshelfer- und Feldschererkunde widmen wollen, sollen das Recht haben, überall in Rußland zu wohnen, mit folgenden Beschränkungen: a) daß sie nicht älter als 25 Jahre seien, und lr) daß sie Zeugnisse vorweisen müssen, daß sie sich in der Thal mit diesen Wissenschaften beschäftigen. IV. Diejenigen Juden / die das Apothekergehülfen«, Diätist-, Feldscherer-Examen, und diejenigen Jüdinnen, die das Hebammen-Eramen abgelegt haben, sollen auch das Recht haben, überall in Rußland zu wohnen. ^V. L. Petersburg, 20. Jan. (Prvatmitth.) Daß man im großen Ganzen von der jüdisch-russischen Bevölkerung doch eine nicht richtige Ansicht hat, eine Ansicht^ die von den Juden selbst getheilt wird, geht aus folgendem Umstande hervor. Rach den neuesten officiellen statistischen Angaben sind in Rußland 2,750,811 Juden ansässig, so daß sie ungefähr drei Procent der Gesammtbevölkerung bilden, also ca. unter 34 Seelen eine der jüdischen Religion angehört, Dahingegen werden die classischen Gymnasien von 50,701 Schülern besucht, unter welchen 5012 Juden sind, also schon unter 10 ein Jude; die Realschulen werden von 10,888 Knaben besucht. worunter 943 Juden, also ungefähr auf 11 ein Jude. Es bezeugt dies, welch' ein Bildungsdrang in der jüdischen Jugend auch in Rußland rege ist, und daß die jüdischen Eltern nicht so voller Vorurtheile gegen die Schulbildung ihrer Kinder sind, wie man gewöhnlich annimmt; es. eröffnet uns für die Zukunft die besten Aussichten, denn die Erfahrung in den übrigen europäischen Ländern hat genugsam gelehrt, daß, wenn in der jüdischen Bevölkerung erst dieser Bildungsdrang erwacht ist, er unaufhaltsam die ganze Masse durchdringt. Bonn> 26. Jan. (Notizen.) Man schreibt uns aus Pest vom 15). d. M.: Herr S. H. Fischmann, Oberrabbiner von Kecskemet, ist gestern Abend hier in Pest, wo er zum Besuche seiner Verwandten sich aufhielt, im Alter von 56 Jahren plötzlich gestorben. Derselbe bekleidete sein Amt 35 Jahre. Er soll, wie der „Pr. El." behauptet, einer der hervorragendsten Vertreter des „gemäßigten reformatorischen Fortschritts nn Judenthum" und ein Mann von großer Weltklugheit gewesen sein. — Man schreibt aus London: Lord Beaconsfield dürfte demnächst die Ehre erfahren, daß ihm bei Lebzeiten ein Standbild in Hongkong errichtet Iverde. Den Anstoß dazu gab ein dort lebender reicher Jude, Namens Belilios, der zu diesem Zwecke £ 1000 den Händen des dortigen englischen Gouverneurs übergab. — Daß ein Manöver eines Theiles der deutschen Presse ist, dem Volke eine. Strömung gegen die Juden zu insinuiren, die in Wirklichkeit nicht stattfindet, zeugt die Wahl so vieler jüdischer Bürger in die städtischen Vertretungskörper, selbst .in Gegenden, wo dies confessionelle Zerwürfniß nicht fern liegt. Es ist daher rathfam, wieder einmal hierfür die Beispiele zu sammeln. — Auch hier, so schreibt man uns, aus Berleburg (Westfalen) von 22. d. M. ist zum ersten Male ein Israelit, Kaufmann I. Wolfs, zum Stadtverordneten gewählt worden, und zwar fast einstimmig. — I e u i t t e t o n. Die Kriege des israelitischen Volkes. Die Studie des österreichischen Generalstabsmajors H offmeister über das Kriegswesen und die Kriegszüge unter Moses und Josua, von der auch wir eine Skizze in Nr. 3 und 4 gegeben, hat ein lebhaftes Interesse erweckt, wie sich dies aus der Neproducirung im Feuilleton vieler Zeitungen erweist. Wir finden hierin die Veranlassung, einen Blick auch auf die späteren Kriege des israelitischen Volkes zu werfen. Wenn uns hierzu die fachmännische Befähigung fehlt. 'und uns darum eine Vergleichung mit der modernen Miliiärl Wissenschaft abgeht, so wird uns dafür gewissermaßen die Unbefangenheit des Laien unterstützen. Wir befassen uns zunächst mit den Kriegen in der Zeit der „Richter" die,, was uns die'Geschichte von ihnen erzählt, doch zumeist nur Heerführer waren, wie sie sich zur Zeit der Roth an die Spitze kampfbereiter Cchaaren des Volkes stellten, um das drückende Joch eines bis dahin siegreichen Feindes abzuwälzen. Man wird sehen, welch' einen Unterschied dieses Verhältniß im Vergleich zu den Königen ausmachte. G*