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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1879-02-04 · Heft 6 (4.2.1879) · p. Seite 92

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
43 (1879)
Issue
Heft 6 (4.2.1879)
Date
1879-02-04
Page
Seite 92 (sequence 12)
Language
German
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Die Kriegszüge unter Moses und Josua bestanden auS Angriffskriegen; das Volk wurde in ein von feindlichen Stämmen bewohntes Land geführt, sollte sich dieses Landes bemächtigen und die Bewohner deffelben aus seinen Grenzen vertreiben. Nachdem dies, wenn auch nicht mit vollständigem Erfolge geschehen, änderte sich die ganze Lage der Dinge. Hatte doch Josua schon das Land unter die Stämme und Familien bertheilt, und das Volk sich darin seßhaftgemacht. Eine Zeit lang kämpfte man noch von den erlangten Sitzen aus mit den nicht völlig verdrängten Völkerschaften, und gelangte nicht ganz zum erstrebten Ziele. Reste der früheren. Besitzer hielten sich mitten in den Stammantheilen, zum Theil srohnbar gemacht, zum Theil unabhängig/ An anderen Orten war die Sache umgekehrt der Fall, und der betr. israelitische Stamm saß zum Theil mitten in der feindlichen Völkerschaft. In beiden Fällen verhielt es sich gewöhnlich so, daß der weniger siegreiche Theil sich im Gebirge sesisetzte, während der Stärkere die fruchtbaren Ebenen und Thäter bewohnte, daß dann vom Gebirge aus Einfälle, namentlich zur Erntezeit, gemacht wurden, ohne daß daraus eine dauernde Herrschaft über das Flachland entsprang, ist selbstverständlich.. Nachdem aber diese Verhältnisse zu einer gewissen Beständigkeit gelangt waren, gab es für das israelische Volk nur noch Verteidigungskriege. Man war nur bedacht das Land zu bebauen und friedlich darin zu wohnen. An eine Erweiterung des Besitzes dachte man nicht. Es fand sich eben kein Zug dafür in dem Nationalcharakter. Daraus kam es, daß auch das mosaische Wehrgesetz außer Uebung kam. So lange das Volk bei dem Einbruch in daS Land und dessen Eroberung bei einander war, verstand stch die Anwendung jenes von selbst. Jetzt war das Volk über das ganze Land zerstreut und mit dem Landbau beschäftigt. An ein stehendes Heer war nicht zu denken, und die Theilung in Stämme war der Existenz eines Nationalheeres nicht günstig. Man ließ es auf die Gefahr ankommen. Wurde das Land von einem benachbarten Feinde angegriffen, so warf sich der Stamm, über deffen Grenzen der Einsall geschah, oder ein Theil deffelben dem Feinde entgegen, gewöhnlich ohne Glück. Der Feind beherrschte einen größeren oder kleineren Theil des Landes eine Zeit lang und beutete das bedrückte Volk aus, bis das Joch unerträglich ward, ein heldenmüthiger Mann sich als „Richter" an die Spitze stellte und den Feind zum Lande Hinaustrieb. Aus diesem Zustande erklärt sich die gangbare Kriegsführung. Es war immer zufällig, wie viel Theile des gefammten Volkes, namentlich welche Stämme an dem Verthcidigungskampfe Theil nahmen. Daß immer nur ungeübte Krieger zu Gebote standen, und die Bewaffnung eine sehr ungenügende war, ergiebt sich von selbst. Es mußte auf die Begeisterung gerechnet werden, wie sie theils aus der Verzweifelung, theils aus der religiösen Uebcrzeugung von der Hülfe von Oben erfloß. Die geschichtlichen Daten, die uns überliefert worden, zeigen daher, daß die Israeliten in offener Feldschlacht nur selten siegten. Es war damals Kriegsgebrauch, daß ein anrückendes Heer ein Lager aufschlug. Wie weit man dies zu befestigen Pflegte, ist nicht ersichtlich. Wachen und Vorposten auszustellen, gehörte zur Gepflogenheit. Stellte sich nun dem feindlichen Heere ein anderes entgegen, so schlug auch dieses, meist durch ein Gewässer getrennt, oder auch durch einen Höhenzug, ein Lager auf. Am Morgen nun zogen beide Heere aus ihren Lagern und stellten sich in Schlachtreihe auf. Der Kampf begann, und sowohl die Persönliche Tapferkeit, namentlich der Führer als auch das Vertrauen und Selbstgefühl der Mannschaft entschied den Sieg. Wie sehr dies der Fall war, erweist sich aus mehreren Beispielen, wo ziemlich große Heere nach dem Falle einiger hervorragender Männer, von panischem Schrecken ergriffen, in regellose Flucht geriethen, auf welcher eine große Anzahl getödtet wurde. In dieser Art Kriegführung nun hatten die Israeliten nur selten Erfolg, weil sie selbst im Kampfe wenig geübt und schlecht bewaffnet waren, und gut geschulten Heeren aus kriegerischen Nationen gegenüber standen. Es wurden daher von ihnen in vielen Fällen strategische Hülfsmittel gebraucht. Zuerst daß sie möglichst vom Gebirge herab auf die in der Thalebene befindlichen feindlichen Schaaren stürzten, alsdann durch plötzlichen Ueberfall und endlich durch Hinterhalte, indem der eine Theil vor dem Feinde scheinbar die Flucht ergriff, der Feind sich der Verfolgung überließ und von seiner festen Position sich entfernte, dann der Hinterhalt dem Feinde in den Rücken siel, auf verabredete Zeichen der scheinbar fliehende Theil sich umwandte, und dadurch der Feind, in Verwirrung gebracht, von zwei Seiten zugleich angegriffen, niedergeworfen und in die Flucht gejagt wurde. Dieses letztere Manöver, welches schon Josua bei der Stadt Ai angewandt hatte, wurde in der Folge mehrere Male mit dem glücklichsten Succeß ausgeführt. (Fortsetzung folgt.)

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