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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1879-02-04 · Heft 6 (4.2.1879) · p. Seite 88

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
43 (1879)
Issue
Heft 6 (4.2.1879)
Date
1879-02-04
Page
Seite 88 (sequence 8)
Language
German
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welche bereits bei Gr. Stadtgerichte ihren Austritt erklärt hatten, und deren Namen dem Vorstände, dem Gesetze gemäß, mitgetheilt waren. Das Circular trug die Devise p Bmsn bx TDlfn „Trennet Euch nicht von der Gemeinde"; die oben bezeichnte, seitens des Vorstandes den Separatisten gestellte Proposition wurde darin wiederholt und denselben es warm ans Herz gelegt, das Wohl der Geoieinde nicht zu gefährden. — Hierauf wurde vom Vorstände der Separatgeineinde abermals eine GeneralversamMLung anberamnt, in der es sehr hitzig herging und die entgegengefetzten Ansichten auseinanderpsatzten. Der Rabbiner der Separatgememde, Herr Dr. Marx, der zugegen war, plaidirte, sich ganz auf den Standpunkt des Rabbiners Hirsch stellend, nur für den Austritt. Man dürfe nicht bei einer solche» Reformgemeinde verbleiben. Herr Julius Landsbcrg, Mitglied des Gemeindevorstandes, der ebenfalls anwesend war, «widerte ihm in scharfer Weise und gab sich viel Mühe, die Leute, vmr ihren Vorhaben abzubringen. — Es trat nun eine Schaidmrg innerhalb der Separatgememde ein. 20 Mitglieder erklärten, sie wollten bei der Hauptgemeinde verbleiben, wenn ihre jährliche Steuerquote auf 50 Procent reducirt würde, und zwar auf einen Zeitraum von 10 Jahren. Auch das bewilligte der Gemeindevorstand, und der betreffende Vertrag wurde abgeschlossen und bereits von der Gr. Behörde genehmigt. 42 Mitglieder haben Mvch ihren Austritt bei Gr. Stadtgericht wiederholt erklärt, wodurch derselbe rechtskräftig geworden ist. Bevor dieses aber geschehen war, hatte der Bsrstand weitere Versuche gemacht, den Austritt zu verhüten und die Gemeinde in ihrer Einheit zu erhalten: das ganze Budget der Separatgemeinde wolle die Hauptgemeinde auf ihre Sasse nehmen und alle cultuellen Bedürfnisse derselben bestreiten , ohne deren bisherige Selbstverwaltung zu beeinträchtigen; Herr Dr. Marx solle Gemeinderabbiner werden, wodurch seine Stelle und Stellung, sowie sein Wirken für die Orthodoxie verbessert würde: doch dies Alles tvurde zurückgewiesen. Die orthodoxen Stimmführer gaben an, es handle sich bei ihnen nicht um materielle Vortheile, sondern um's Princip. — Unter den 20 Separatisten, die weder ausgetreten noch nicht ausgetreten sind, muß ich einen Mann hewsrheben , der als der Urheber der ganzen Separation anzuschen ist und. an dem wir zu erkennen vermögen, wie öfters aus Reinen Anfängen große Wirkungen hervorgehen. Es ist dies Herr Lob Sulzbach, Gf\D "I21D, der zwar ein min aber ohne wissenschaftliche Ausbildung ist. — Es war im Jahre 1354, als vorn hiesigen Vorstande ■ und dem verstorbenen Rabbiner Dr. Auerbach eine neue Synagogenordnung entworfen, vereinbart, von der Gr. Behördei genehmigt und im Octsöer c, a, promulgirt wurde. Eine ihrer Bestimmungen setzte fest, daß von nun an das Aufrufen zur Thora nicht vermittelst Namensnennung, sondern '121 '»ZV, m geschehen solle. Gegen diese Bestimmung leistete Herr Sulzbach Opposition, und da dieselbe selbstverständlich in der hiesigen Synagoge unbeachtet blieb, so begab er sich allsabbathlich in der Frühe nach Bessungen, einer Filiale der hiesigen Synagoge, um die Genugthuung zu haben, mit Ramennennung aufgerufen zu werden. Dieses trieb er eine Zeit lang, alsdann bewerkstelligte er an Sabbath- und Festtagen ein besonderes Minjan in seiner Wohnstube rc., das zwar anfänglich nur spärlich besucht wurde, aber im Verlaufe von einigen Jahren, durch verschiedene Vorkommnisse begünstigt, immer mehr heranwuchs und so der Grundstock wurde zu der an 70 Mitglieder zählenden Separatgemeinde mit eigener ansehnlicher Synagoge, eigenem Rabbiner, Cantor, Lehrer rc. Was war das Motiv des Herrn Sulzbach, gegen eine so gerisAKgige Reform zu opponiren, über die im ganzen jüdischen Schriftthum nirgends ein Verbot verzeichnet ist? War es übertriebene Scrupulosität gegen alle Neuerungen, oder war es das Bestreben, frömmer und orthodoxer zu erscheinen, als der als tawrudifche Capacität und Koryphäe der Orthodoxie bekannt gewesene Dr. Auerbach? Mag es so oder so sein, die Wirkung ist dieselbe. — Indem er sich im entscheidenden Augenblicke den Halben anschloß, d. h. denen, die in zehn Jahren nur halbe Steuer zu entrichten haben, scheint er nach Verlauf von über vierundzwanzig Jahren seinen separativen Neigunge« entsagt zu haben. — Wir gelangen jetzt an einen Prsrkt, der während der ganzen Unterhandlung eine wichtige Ralle spielte, d. i. der Friedhof. Nach dem Austrittsgesetz gehen die Austretenden sofort ihres Rechtes an dem Friedhof verlustig. Nun hat zwar schon vor langer Zeit der Vorstind der Separatgemeinde ein Stück Land angekauft, das nahe an dem jüdischen Friedhof liegt und von diesem aus durch eine Mauer geschieden ist, um eventuell dasselbe zur Anlegung eines Friedhofs zu benutzen. Auch die Concession zur Anlegung eines solchen wurde vom Gr. Kreisamte eingeholt. Allein gegen dieses Project erwachten allmählich in den Herzen vieler Separatisten gerechte Bedenken. Eltern , Geschwister, Kinder, Frauen rc., überhaupt Angehörige von denselben liegen auf dem alten Friedhofe begraben. Sollten sie nun, vielleicht eines Phantoms willen, diese Gräberstätte aufgeben, tvo ihre Lieben ruhen, und sich eine andere für ihr einstiges Ableben aussuchen? Da traten endlich selbst die 42 Ausgetretenen mitdem Gemeindevorstande wegen Benutzung des Friedhofes in Unterhandlung, welche zur Folge hatte, daß ein Vertrag auf fünf Jahre abgeschlossen wurde, kraft dessen dieselben außer ihrer volle» Steuer auch noch jährlich 500 Mark für Benutzung des Friedhofes an die Gemeinde zu entrichten haben. — Solche Opfer imtgen bk Orthodoxen ihrer vermeintlichen richtigen Glaubensanfichk, Opfer, die auf dem großen Gebiete des wahren sittlich-religiösen Lebens gebracht, einer besseren Sache dienen würden. — Aus der letztgenannten Generalversammlung kamen auch die Reformen zur Sprache und da soll die Aeußerung

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