Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 43 (1879)
- Issue
- Heft 6 (4.2.1879)
- Date
- 1879-02-04
- Page
- Seite 85 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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85 beschränkte, und über die Vorgänge in dem Gemeindeleben und die Gemeindebeschlüffe im Jahre 1877 nichts enthält. Doch wird dies , für weitere Mittheilungen versprochen. Jndeß auch die bloßen Zahlen reden, denn sie zeigen, wie riesig die Gemeinde angewachsen ist und welche Opfer für die gemeindlichen Zwecke gebracht werden. Wir wollen nur Einiges mittheilen. Der Cassenbestand betrug am 1. Jan. 1877 41,150 Mark und am 31. Dec. 41,335 M. An Gemeindebeiträgen liefen ein 384,591 M.; für Ueberlassung von Erbbegräbnissen wurden 42,202 M. eingezahlt. Die Einnahmen überhaupt 518,630 M. Sehen wir uns einige Punkte der Ausgaben an; die Gehälter an Rabbiner, Vorbetqr, Chordirigenten, Vureaubeamten und Nuntien betrugen 62,706 M., Remunerationen und Pensionen 14,700 M. Die Gemeinde erhält drei Synagogen und gewährt dem Neligionsverein in Charlottenburg eine Subvention. Sie bedürfen von Seiten der Gemeinde des Zuschusses von 48,123 M. So auch die Schulen von 75,844 M. Die Armenanstalten 93,581 M. u. s. w. Es wird interessiren, zu erfahren, daß das Sängerchor in der „alten Synagoge" 6,158 M., in der „neuen Synagoge" 7,130 M. und in der Synagoge in der Kaiserstraße 3,210 M. kostet, also zusammen der Gesang in den drei Synagogen lohne die Vorbeter) 16,498 M. Die Knabenschule hat 620, die Mädchenschule 339, die Religionsschule 258 Zöglinge, (zusammen 1217, , was ungefähr den 4. Thcil der schulpflichtigen Kinder ausmacht.) Die Lehrerbildungsanstalt hatte einen Etat von 21,884 M-, worunter jedoch 4,500 M. für angekaufte Effecten. Laufende Unterstützungen gewährte die Armencommission 243 Empfängern in Beträgen von 6 — 30 M. monatlich. Das Reichenheim'sche Gemeinde-Waisenhaus, das 70 Waisenkinder zählt, bedurfte 47,332 M., wozu die Gemeinde! 8,764 M. zuschoß (es kostete also jedes Waisenkind 676 M.!!) Befriedigend ist, daß zur Unterstützung entlassener Zöglinge bereits ein Fond von -14,200 M. besteht. Außerdem kostet die Waisenpflege der Gemeinde noch 12,059 M. (Man vergesse nicht, daß außerdem noch das Auerbach'sche Waisenhaus und der Mendelssohn's- Verein für Waisenmädchen besteht.) Nicht minder wird ausgiebig für die Krankenpflege gesorgt, welche im Krankenhause und für Stadtkranke an 90,000 M. erforderte, wozu die Gemeinde ca. 26,000 M. zuzuschießen hatte. Zu den Einnahmen gehören auch die Verpflegungsgelder für bemittelte Kränke und zwar im Belaufe von 41,529 Ai., was sicherlich für die ausgezeichneten Leistungen des Krankenhauses ein Zeugniß ablegt. Von den 632 Kranken wurden 389 geheilt, 127 als gebessert 47 als ungeheilt entlassen und 69 verstarben. In Bestand . blieben 70 Kranke. Auch eine Reconvalescentencasse besteht, aus welcher 1136 M. verausgabt wurden. Eine besondere Anstalt ist das pneumatische Cabinet mit einer Bilanz von 9012 M.,das täglich im Durchschnitt von 9 Personen benutzt ward,!vas ca. 9000 Ai. einbrachte. Das Slechcnhaus, das 6, und die Alterversorgungsanstalt, die 79 Hospitaliten zahlt, bedurften eines Zuschusses von der Gemeinde von 11,900 M. Die Fleischscharren-Verwaltung kostete der Gemeinde 4214 M. und das Quellbad 910 M. Die übrigen wohlthätigen Anstalten, die keines Zuschusses aus der Gemeindecasse bedürfen, wollen wir hier übergehen. Es ist ein angenehmes Gefühl, sich zu sagen, in tvelchem Umfange hier für alle Zweigt der Wohlthätigkeit, ebenso, wie für gottesdienstliche und unter«. richtliche Zwecke, gesorgt ist. Es versteht sich, daß die-Anforderungen täglich wachsen und daß noch mancherlei zu verbessern ist. Aber die nach ihrem jetzigen Umfange jungeü Gemeinden von Berlin und Wien können sich mit vollem Rechte den alten Gemeinden in Hamburg und Frankfurt a. M. an die Seite stellen. --Das Auftreten einiger Mitglieder des Centrums in der Sitzung des Abgeordnetenhauses von Samstag in einer allen parlamentarischen und unparlamentarischen Anstand überschreitenden Weise hat allgemeinen Unwillen erregt. Die Nationalzeitung bezeichnet das Centrum als den „eigentlichen Träger eines Systems der. Verrohung unseres öffentlichen Lebens." Die „Germania" sträubt sich natürlich mit aller Macht hiergegen. Aber es hilft ihr nichts; man braucht nur an die rohen Schmähungen und Verfolgungen der Juden in der Germania und in allen ultramontanen Blättern zu denken, und wie jene jahrelang in demselben rohen und gemeinen Tone fortgesetzt wurden, um den Ausspnrch der Nat.-Z. richtig zu beenden. Bis jetzt hat übrigens die „Germania" ihren verheißenen neuen Feldzug gegen die Juden nicht eröffnet. Denn das schwächliche Geplänkel in fast jeder Nr. ist nicht anzuschlagen. So erzählt sie in ihrer gestr. Nr. die Geschichte eines wegen Fälschung Verurteilten, und druckt dabei mit großen Lettern „jüdischen Glaubens". Dicht vorher bringt sie aber den Bericht über zwei Schwindler ärgster Sorte und fügt nicht hinzu „katholischen Glaubens". Man könnte ihr deshalb die Meinung unterschieben, daß sich dies von selbst verstehe und der Jude nur eine Ausnahme mache. — Schrimm, 22. Jan. „Berichtigung". Bezug nehmend auf die mit R. Unterzeichnete Correspondenz von hier in Nr. 3 Ihrer gesch. Zeitung wird hiermit berichtigt, daß den Religionsunterricht am Gymnasium und an der Töchterschule Hierselbst ein hier ansässiger rite promovirter Theologe, am ersterem seit 5 Jahren, an der letzteren seit deren Eröffnung inne hat, mithin die etwaige Ueberweisung dieser Lehrämter an einen Andern auf irrthümlicher Angabe beruht. sJicm'!!firrf)cn, Reg. „Bez. Minden, den 20. Januar. (Privatmitth.) Meine Mittheilung vom 27. October in Nr. 46 vom 12. Novbr. v. I. Seite 724 ergänze ich heute dahin, daß unser neues Gemeinde-Statut jetzt ohne jegliche Ausstellung vor dem Herrn Oberpräsidcnten von Westfalen die Bestätigung erhalten hat. Der in gedachter mitgetheilte