Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 43 (1879)
- Issue
- Heft 4 (21.1.1879)
- Date
- 1879-01-21
- Page
- Seite 59 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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59 eine vom Ministerium genehmigte Ausspielung einer Lotterie unternommen, um eine hypothekarische Schuldenlast von 21,000 Mark abzuwälzen und ein Grundcapital zu erlangen. Wir freuen uns, aus dem Berichte zu entnehmen, daß diese Lotterie einen günstigen Verlauf nimmt. Vom 16. Juni bis zum 15. September hat das Hospital 33 Patienten unentgeltlich Obdach, Verpflegung und ärztliche Behandlung geboten. Die Einnahmen betrugen 3016 Mark, die Ausgaben 3689. Die regelmäßigen Mitglieder haben sich um 19 vermehrt. Es steht zu hoffen, daß sich diese wohlthätige Anstalt einer immer größeren Unterstützung erfreuen werde, um im Stande zu sein, ihre Leistungen zu erweitern. — Man schreibt uns aus C ob lenz: In dem benachbarten Sayn, Bürgermeisterei Bendorf, fand am 3. Januar £ur. die Neuwahl von sechs Gemeindcrathsmitgliedern statt. Unter diesen wurden auch zwei Israeliten, Herr M. Jacoby, Besitzer der israelitischen Heil- und Pflege-Anstalt für Nerven- und Gemüthskranke, sowie dessen Anstaltsarzt, Herr Di*. Behrendt, mit großer Stimmenmehrheit in verschiedenen Claffen gewählt. Es ist dies umsomehr hervorzuheben, als an diesem Orte nur fünf jüdische Familien wohnen und der größte Theil der Bevölkerung bisher! an Toleranz noch viel zu wünschen übrig ließ. j Bonn, 12. Jan. (Literarische Notizen.) Wenn, wie tvir vor Kurzem dargelegt haben, unsrer gegenwärtigen Zeit nichts mehr Noth thut, als die Wiederbelebung des! Lcssing'schen Geistes, als in Aller Hände die Werke dieses! unsterblichen Lehrers der Humanität zurückzubringen: so wird auch das Folgende interessiren. Merkwürdiger Weise hatte! Lessing bis jetzt in England wenig Boden gefunden. Man | hätte das Gegentheil erwarten sollen, da Lessing's idealrealistische Natur dem englischen Charakter am meisten entspricht und Lessing das Verdienst hat, das Verständniß und die Würdigung des großen englischen Dramatikers nicht blos angebahnt, sondern zu entschiedenem Durchbruch gebracht zu haben, und es sogar kaum noch fraglich erscheint, ob ihm hierin nicht selbst die Priorität vor den Engländern zukomme. Vielleicht lag es eben daran, daß in Deutschland selbst einen längeren Zeitraum hindurch Lessing fast vernachlässigt und von Vielen über die Achsel angesehen wurde. In der jüngsten Zeit nun hat sich dies geändert; man beginnt auch in Großbritannien den Genius Lessing's zu erkennen und als ein bedeutsames Zeichen haben wir anzuführen, daß James Sim e 1877 eine Biographie Lessing's und Kritik seiner Werke in zwei Bänden veröffentlicht hat, welche, alle bisherigen Arbeiten der Deutschen über Lessing benutzend, die deutschen Biographien unsres Geisteshelden übertrifft. Wir erinnern an Carlyle's Schiller und Lewes' Goethe, so daß sich hier in der That die eigenthümliche Erscheinung zeigt, daß England so vorzügliche Biographien deutscher Elassiker hervorgebracht hat. Auch die philosophischen und besonders die humanistischen Ideen Lessing's wußte Sime mit gutem Verständniß der ganzen Zeitrichtung darzustellen und sie so zum Spiegelbild für unsre Gegenwart zu machen. Das Werk ist bereits in deutscher Bearbeitung von Strodtmann (Berlin 1878, Hofmann) erschienen. — Unter den gelehrten Körperschaften ist es insonders die k. k. A.cademie der Wiffenschaften zu Wien, welche gelehrte Arbeiten, die das Judenthum betreffen, freigebig unterstützt. Nach dem Protocoll ihrer ersten Sitzung im neuen Jahre fanden sich unter den Vorlagen auch folgende: Von 0r. Wilhelm Bacher in Pest die Pflichtexemplare seines mit Unterstützung der Akademie erschienenen Buches, betitelt: „Sadi's Aphorismen und Sinngedichte", und übermittelt derselbe gleichzeitig sein eben veröffentlichtes Werk: „Die Agada der babylonischen Amoräer". — Von Dr. Alexander Ko Hut, Ober- Nabbiner in Fünskirchen, ein druckfertiges Mannscript, den zweiten Band des Aruch von R. Nathan ben Jechiel enthaltend, mit dem Ersuchen um einen Druckkostcnbeitrag. Ieuitteton. Kloses und Iojna als Heerführer. (Schluß.) Die Berichte der Kundschafter waren leider sehr ungünstig und so mancher Hasenfuß muß unter ihnen gewesen sein! denn einige berichteten: „Das Land, dadurch wir gegangen sind, zu erkunden, fristet seine Einwohner, und alles Volk, das wir darinnen sahen, sind Leute von großer Länge. Wir sahen auch Niesen daselbst." Und andere Erschreckte veranlaßten sogar eine Empörung im israelitischen Heere, so daß Moses auf dem Wege der gütlichen Verhandlungen nach Kanaan zu kommen trachtet. Allein trotz des Gegenbefehls Mosis griffen die Israeliten die Emoriter an, und wurden geschlagen bis gegen Horma, so daß Moses wieder südlvärts umkehren und trachten mußte, durch das Gebiet östlich des Todten Meeres also auf einem weiten Umwege, nach Kanaan zu gelangen. Die bei Kadesch Barnca erlittene Niederlage muß eine sehr empfindliche gewesen sein, denn Moses sah sich genvthigt, siebenunddreißig Jahre lang in der Wüste, in dem vor: Esau's Nachkonunen bewohnten Lande Seir und im Salzthale zu verbleiben. Die Juden muffen nicht nur ungeheure Verluste erlitten haben, deren Ersatz' erst nach zwei Generationen zu erwarten war, es muß sich auch ihre Kriegstüchtigkeit nicht so bewährt haben, als Moses erwartet hatte. Der Stamm Simeon wurde am ärgsten mitgenommen, denn er zählte am Sinai 59,300 Streiter und vierzig Jahre später nicht mehr 4* lL