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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1879-01-21 · Heft 4 (21.1.1879) · p. Seite 58

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
43 (1879)
Issue
Heft 4 (21.1.1879)
Date
1879-01-21
Page
Seite 58 (sequence 10)
Language
German
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58 eben heute vom hochofficiösen „Romanul" als eine „mit aller Reserve" aufzunehmende bezeichnet. — Nach weiteren Berichten ist Rosetti bereits in Rom angelangt und hat daselbst seine Wirksamkeit begonnen. Was in dem obigen Artikel über die Schwierigkeiten der Gleichstellung der Juden gesagt ist, wird Jedermann als die schon oft wiederholte einseitige Auslassung der Gegner erkennen. Wir finden nichts weiter darin ausgesprochen, als daß es den Rumänen setzt saurer wird, ihre jüdischen Landesgenoffen gleichzustellen, weil eben das Ausland es vorschreibt. Dies ist sehr natürlich, durfte sich nur nicht in Beschuldigungen und Schmähungen Anderer Lust machen. Was die bereits erwähnte Petition der rumänischen Juden an die Kammern betrifft, so erhalten wir von G a l a tz einige nähere Mittheilungen darüber. Sie ist so gut geschrieben, daß die rumänischen Blätter behaupten, sie sei nicht von den Juden selbst verfaßt; und wein schreiben sie dieselbe zu? Dem gewesenen Minister des Auswärtigen, Cogalniceanu! worauf sie diesen Unsinn stützen? darauf, daß sich die Petition auf eine Rede des Hern: Cogalniceanu beruft, die er am 15. Rov. 1857 gehalten, wo er sagte-: Ich glaube, daß in Bälde die Zeit kommen werde, wo die Religion nicht mehr den Ausschluß vom Bürgen-echte vcranlaffen würde, und wo Alle Rumänen sein werden im geliebten Rumänien, weil wir gerecht sein müssen für alle Söhne Rumäniens, da wir nur durch die Gerechtigkeit Ruhe im Lande haben, und nur durch die Liebe untereinander wir alle Kräfte unserer Ration vereinigen können, um ein schönes und wirkliches rumänisches Vaterland zu haben!" — Uebrigens schwirren die Projccte über die Lösung unserer Frage noch immer in der Luft. Vor uns liegt das Bukarester Blatt, „Die Epoche" vom 31. Dec., welche anempfiehlt, die bürgerlichen Rechte allen Juden in Rumänien zu ertheilen, die politischen hingegen nur den in Rumänien geborenen, deren Ettern keiner fremden Protection angehören. Sie schließt ihren Artikel mit den Worten: „Rach Erlangung der politischen Rechte werden die Juden nach wie vor ihrem Handel obliegen, und sich blutwenig um Politik kümmern, wenn dies auch vielleicht in der ersten Zeit der Fall sein dürfte, um Wurzel zu faffen. Stets kann aber die Regierung ihrer Mithilfe sicher sein, wo immer es sich um das Wohl des Landes handeln wird!" Eine solche Unterscheidung zwischen bürgerlichen und politischen Rechten hat noch nirgends zu irgend einem Resultat geführt. Aegypten. Kairo, 2o. Dec. Der „Pester Lloyd" berichtet von hier, daß Herr Julius Blum, ein geborener Pester, vom Khedive zum Pascha und Vice-Finanzminister ernannt worden sei. Blum ist der erste Jude, der in Aegypten zum Pascha erhoben wurde und seine Ernennung zum ersten Beamten des Finanzministeriums wurde mit Befriedigung ausgenommen, da Blum sich durch sein Talent sowohl wie durch seine Rechtlichkeit stets ausgezeichnet und allgemeine Sympathieen erworben hat. Es ist begreiflich, daß diese Wahl des Khedive, namentlich in der österreichisch-ungarischen Colonie der ägyptischen Hauptstadt, Sensation erregt hgt. Bonn, 1!?. Januar. (Notizen.) Man schreibt uns aus Leobschütz vom 5. Jan., Herr B. Holländer, der vor Kurzem sein vierzigjähriges Amtsjubiläum als Vorsteher der hiesigen Gemeinde feierte, hat von Sr. Majestät den Titel Commerzienrath erhalten. Den vielen Freunden des auch als jüdischer Schriftsteller nicht unbekannten Herrn Holländers wird diese Nachricht angenehm sein, weshalb sie an dieser Stelle gegeben werde, obschon die A. Z. d. I. über derartige Auszeichnungen nicht zu berichten pflegt. — Man schreibt der „N. fr Pr." aus Lemberg vom 30. December: „Der siebzigjährige Jude Pejrez Fischer, den ein bedenkliches Leiden schon seit längerer Zeit an's Bett fesselte, war hier am Freitag Abend, wie es hieß, einem überaus heftigen Anfall von Starrkrampf erlegen. Nachdem man den Tod ordnungsmäßig constatirt batte, wurde der Leichnam, dessen Bestattung des jüdischen Feierabends wegen bis zum Sonntag verschoben werden mußte, aufgebahrt und mit den herkömmlichen Trauer- Emblemen umgeben. Am Samstag gegen 5 Uhr Morgens vernahmen zwei fromme Brüder, welche während der Nacht bei dem Todten die üblichen Gebete verrichteten, ein seltsames, von der Bahre herkonnnendes Geräusch. Noch ehe sie sich - über die Ursache dieser unerwarteten Störung Rechenschaft zu geben vermochten, gewahrten sie zu ihrem Entsetzen, wie der vermeintliche Todte sich allmälig aufzurichten begann. Was Wunder also, daß die beiden Psalmsänger das Weite zu gewinnen suchten, als Pejrez rudivivus, der mehr denn zwölf Stunden völlig leblos dagelegcn war. unter derben Flüchen und Ausrufungen ganz ernstlich das Todtenlager zu verlaffcn sich anschickte. Einer dieser Todtenwächter, der in Folge des ausgestandenen Schreckens gefährlich erkrankte, ist gestern gestorben, der todtgeglaubte Pejrez Fischer aber, dessen rasche Beerdigung nur durch den Vorabend des Sabbaths verhindert ward, sieht bereits mit Zuversicht seiner baldigen Genesung entgegen. Man hat cs schon oft gerügt, daß die polnischen Juden ihre Todten mit übereilter Hast, fast unmittelbar nach beendigter Agonie, zu beerdigen pflegen; vielleicht wird nun dieser Fall von Scheintodt, der in unserer Stadt nicht geringes Auffehen erregte, die Behörden veranlassen, jenem Bestattungsunwesen doch einmal wirksam zu steuern." —. Die äusterst emsige Verwaltung des jüdischen Curhospitals in Colberg hat ihren fünften Jahresbericht über das Jahr 1878 ausgegeben. Bekanntlich hat der Vorstand

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