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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1879-01-21 · Heft 4 (21.1.1879) · p. Seite 57

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
43 (1879)
Issue
Heft 4 (21.1.1879)
Date
1879-01-21
Page
Seite 57 (sequence 9)
Language
German
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57 Am letztgenannten Punkte soll sich diese neue Bahn mit der französischen Linie Jaffa-Jerusalem vereinigen. Bulgarien. Rustschuk, 27. Dec. Die „Polit. Corresp." bringt Mittheilungen über die Versammlung der bulgarischen Notablen, welche die Rolle einer constituirenden Versammlung zu erfüllen hat. Sie wird aus 286 Mitgliedern bestehen, welche theils von der Regierung ernannt, theils von der Bevölkerung erwählt werden sollen. Außerdem gehören ihr an: 9 bulgarische Bischöfe, der griechische Bischof von Varna, der Mufti von Widdin und der Großrabbiner von Sofia. Das active und passive Wahlrecht wird ohne Unterschied der Confession ausgeübt. (Unter diesen Umständen hoffen wir, daß die organischen Gesetze, welche, die Versammlung zu berathen haben wird, den Bestimmungen des Berliner Vertrags über die Gleichstellung aller Culte entsprechen werden. Nedact.) Rumänien. Bonn, 10. Dec. ^Privatmitch.) Wir haben schon angedeutet, daß wir trotz all' den schonen Phrasen, welche die Thronrede, die beiden Kammern und die fürstliche Antwortsrede über die Lösung der rumänischen Judensrage in die Welt geschickt haben, die Angelegenheit noch durchaus nicht für erledigt halten. Bei der diplomatischen Schlauheit, welche die Rumänen wie alle orientalischen Völker besitzen, scheinen uns jene Beschlüße der Kammern, die viel verheißen, ohne die geringste Sicherheit zu geben, zumeist auf den guten Glauben oder den guten Willen derjenigen Großmächte berechnet zu sein, welche noch nicht wie Oesterreich, Rußland und die Türkei die Anerkennung der Unabhängigkeit Rumäniens zur vollendeten Thatsache gemacht haben, also Deutschlands, Englands, Frankreichs und Italiens berechnet zu sein. Man weist auf die obengedachten Phrasen hin — die jedoch nichts weiter enthalten, als „man wird beschließen" — und sagt: jetzt ist der Beschluß des Berliner Corigreffes erfüllt, nun accreditirt Eure Gesandten bei uns — was. hinterdrein geschieht, wird sich finden. Daß diese Voraussetzung richtig ist, erweist ein Artikel der Wiener „Politischen Korrespondenz" aus Bukarest vom 31. Dec., welcher nicht geringes Aufsehen gemacht hat. Er^ lautet:! „Der gewesene Minister des Inner« und derzeitige Kammer-! Präsident, Herr C. A. Nosetti, reist heute nach Rom ab und j begibt sich von dort nach Paris und London. Wie in comsj Petenten Kreisen versichert wird, hat Rosetti die außerordentliche Mission, in den genannten drei Hauptstädten zu wirken, ' daß die bekanntlich bisher sactisch iwch nicht erfolgte Anerkennung der Unabhängigkeit RMnäme-rs durch .Frankreich, Italien und England endlich auch thatsächlich realisirt werde, was sodann, wie man sich hier sagt, auch von Seite Deutsch- : lands alsbald erfolgen werde, weshalb Herr Nosetti für jetzt Berlin nicht zu berühren gedenkt, es müßten denn ganz besondere Zwischenfälle während seiner Reise sich ergeben. Nachdem mm, wie bekannt, die Anerkennung unserer Unabhängigkeit durch die eben gedachten vier Staaten von der vollständigen Lösimg der Juden-Emanzipations-Frage und auch bis zu diefraa Augenblicke abhängig gemacht wird, so ist es klar, daß diese Reise des Kammer-Präsidenten eigentlich der viel ventilirten Juden-Frage gilt. Wenn man auch in den betreffenden Kreisen in Abrede stellt, daß der an dieser Stelle jüngst signalisirte Modus der Lösung jener Frage durch das einfache Fallenlasscn des Artikels 7 der Verfassung und die Modificirung des Artikels 8 des bürgerlichen Gesetzbuches, im Auslande den wenigsten Beifall gefunden habe, so bleibt es doch nicht minder wahr, daß man dies mehr sagt als wirklich glaubt; ja, daß man sogar auch überzeugt ist, das Land sei von den ernstesten Gefahren bedroht, wenn der die Juden betreffende! Punkt des Berliner Vertrages nicht ad litcram ausgeführt werden sollte. Die Enthüllungen, die neuerer Zeit über ge- | wisse Anträge des Grafen Schuwaloff in- Budapest hierher drangen, haben die schwersten Besorgnisse hcrvorgerufen. Gebe es eine leichtere Handhabe für Rußland, seine vom Grafen Schuwaloff in Budapest angedeuteten Tendenzen dem jungen Staate Rumänien gegenüber zu rcalisircn, als die nicht vollständige gelöste rumänische Juden Frage? — Und doch, sagt man sich hier, wie schwer, mn nicht zu sagen: „unmöglich" ist eine solche Lösung, wie man in Berlin sie den Rumänen vor-; geschrieben hat. Schwer und beinahe unmöglich bei dein heutigen Culturgrade des hiesigen Volkes und schwer bei dem 'Zustande, in welchem, besonders in der Moldau, ein überwiegend großer Theil der aus Galizien und aus Rußland schaareniveise eingewandcrten Juden noch heute sich befindet. Solchen Elementen mit einem Federzuge die sämmtlichen politischen Rechte des mit den liberalsten Institutionen der Welt ausgerüsteten Rumänien geben, betrachtet man in hiesigen maßgebenden Sphären als eine Unmöglichkeit, und diese Unmöglichkeit klar und eingehend darzustellen und den Cabineten in Europa anzuweisen, daß nur ein stufenweises Heranziehen des israelitischen Elements, nur das langsam und blos nach und nach sich vollziehende Aufsaugen desselben in den Körper des jungen Staates der Modus sein könne, in welchem die Sache rcsolvirt zu werden verurag; diese Darlegung soll, wie in bestorlentirten Kreisen behauptet wird, den Kern der Mission Rosetti's bilde«. Die jüngst gebrachte Nachricht, daß die deutsche Regierung, nachdem die Lösung der rumänischen Judensrage gesichert zu sein scheine, sich erüsch losten habe, den Geheimen Legationsrath v. Jasmnnd als Gesandten in Bukarest zu 'accreditiren, wird 4

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