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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1879-01-21 · Heft 4 (21.1.1879) · p. Seite 56

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
43 (1879)
Issue
Heft 4 (21.1.1879)
Date
1879-01-21
Page
Seite 56 (sequence 8)
Language
German
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56 zulässig, wenn in dem Anstaltsgebäude die erforderlichen Localitäten nicht vorhanden sind, oder die Zahl der Zöglinge einer Confession sehr gering ist. In solchen Fällen muß die Verfügung immer zur Kenntniß des Ministers gebracht werden. Pest im Januar. (Privatmitth.) Ich habe bereits über die Spende berichtet, welche der unermüdliche Wohlthäter Baron von Hirsch dem hiesigen israelitischen Frauenverein hat zukommen lasicn. Jndeß verdient sowohl dieser Verein als die betr. Stiftung des Baron Hirsch einer näheren Mittheilung. Was die Damen des Vereins-Ausschusses Jahr aus, Jahr ein leisten, wie sie mit wahrem Raffinement darauf bedacht sind, fort und fort neue Hilfsquellen zu entdecken, wie Frauen aus den besten Gesellschaftsclassen die Armuth in ihren dumpfen Höhlen aufsuchen, um Hülfe zu bringen und Tröstung — man muß cs, wie Schreiber dieses, gesehen haben, um zu begreifen, daß angesichts solchen großartigen Wirkens jedes Wort des Lobes überflüssig wird. Vor zwölf Jahren, zur Zeit seiner Gründung, über die bescheidensten Mittel verfügend , erhält der Verein heute ein musterhaft eingerichtetes und geleitetes Waisenhaus, in welchem 40 Mädchen erzogen werden, ein Waisen-Asyl, das 12 Mädchen Obdach und Nahrung bietet, eine Speise-Anstalt ''während des ganzen Jahres geöffnet), in welcher durchschnittlich 70,000 Personen für 10 Kreuzer gesunde und schmackhafte Kost erhallen (7—80i'() Personen unentgeltlich), sorgt er für eine Anzahl externer Waisen, die er bei Familien untergebracht hat, unterstützt 2—8000 Kranke und Bedürstigte mit größeren oder kleineren Beträgen — im Ganzen erfordert dieser letztere Zweig der W oh lthätigkeit jährlich 10-12,000 fl. Um allen diesen freiwillig übernommenen Verpflichtungen genügen zu können, bedarf es der werkthätigsten Theilnahrne des Publicurns, nicht nur der Vereinsmitglicder. Und diese hat sich denn auch dem Vereine in reichstem Maße zugeivandt. Allein die Roth der Zeit ist groß; Viele, die früher in der Lage waren, den Verein zu unterstützen, sind es nicht mehr, die Zahl der Armen vermehrt sich, die der Spender nimmt ab. Aber der Verein muß in demselben Maße den an ihn gestellten Anforderungen gerecht werden; er darf seinen Armen den Bissen Brod nicht verkleinern! Da hatte Frau Johanna B ischitz, die energische und wackere Präsidentin des Vereins, eine treffliche Idee. Wenn es gelänge, das Jntereffe des Barons Hirsch in Paris, der innerhalb weniger Monate eine Reihe großartiger Stiftungen für die verschiedensten Zwecke gemacht, für den Verein zu interessiren? . . . Die Sache wurde von Frau Bischitz ohne Säumen in's Werk gesetzt, es entspann sich eine längere Korrespondenz, Baron Hirsch ließ sich die Statuten, Jahresberichte, die Geschichte und Statistik des Vereins zusenden, und das Resultat dieser Informationen war folgendes: Der großherzige Mann schenkte zum Ausbau des Waisenhauses baar zehntausend Gulden und siebenundsechzigtausend Gulden fi'lnfprocentige österreichische Papier-Rente als Stiftung für ewige Zeiten; diese letztere wird als unantastbares Eigenthum des Vereins beim k. Ungar. Ministerium für Cultus und Unterricht hinterlegt und von diesem verwaltet. Von den jährliche Zinsen im Betrage von 2800 fl. sollen 10 Waisenmädchen, in der Anstalt erhalten werden. Der Verein hat das Recht, Vorschläge über die Besetzung der Stiftungsplätze zu erstatten und Baron Hirsch hat sich die Ratification Vorbehalten. Baron Hirsch und dessen Gemahlin wurden zu Ehrenmitgliedern gewählt; außerdem beabsichtigt der Verein, im Neubau ein „Hirsch-Stiftungszimmer" einzurichten, in welchem die Porträts des Barons und der Baronin angebracht werden sollen. Und jetzt herrscht im Verein eitel Freude, weil man nun noch reichlicher Wohlthaten tvird üben können und an dieser Freude nehmen Alle Theil, denen daran liegt, daß der Kampf gegen der Uebel größtes, gegen die unverschuldete Armuth, immer erfolgreicher geführt werden könne! Frankreich. Paris, im Januar. (Privatmitth.) Die Alliance isr. univ. versendet in zwei stattlichen Bogen den Rechenschaftsbericht ihres Districtscomites in Constantinopel über die an die jüdisch-türkischen Flüchtlinge gespendeten Hülfsleistungen, den einen datirt Constantinopel vom 5. Juni, den andern vom 80. November. Die Zahlenergebniffe hier aufzuführen, ivürde zu weitläufig sein. Aber der Eindruck, der uns aus dem ganzen Tableau wird, ist ein so wohlthuender, daß wir ihm Ausdruck zu geben haben. Es versteht sich, daß bei dem ungeheuren Umfang der über diese Flüchtlinge verhängten Leiden nur ein mäßiger Theil gelindert werden konnte. Aber es ist doch das Mögliche geschehen, und daß die Mittel und Werkzeuge hierzu vorhanden waren, ist eben das Verdienstvolle. Wir können nicht umhin, unter den Spendern und Wohlthätern auch hier den Baron Hirsch rühmend hervorzuheben. Dieser Mann giebt so viele und glänzende Beispiele davon, daß das jüdische Herz doch noch nicht erloschen, und steht so einzig unter den jetzigen Financiers da, daß tvir ihm den allgemeinen Dank wiffen und darbringen müssen. Möge es lange, lange dauern, ehe ein gleiches verderbliches Geschick die Beihülfe in so starkem und gerechtem Maße wieder erfordere, wie dies in dem nunmehr beendigten Kriege der Fall war! Großbritannien. London, 7. Januar. Die bereits seit 1862 mit einem Capital von 4 Millionen Pfund Str. constituirte Palostine Railway-Lamland Building-Company hat soeben bei der türkischen Negierung die Concession zum Bau einer Eisenbahnlinie Beyrut-Damas.-Jerusalem nachgesucht.

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