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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1879-01-21 · Heft 4 (21.1.1879) · p. Seite 55

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
43 (1879)
Issue
Heft 4 (21.1.1879)
Date
1879-01-21
Page
Seite 55 (sequence 7)
Language
German
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55 biblischen Geschichte des alten Testaments nicht inehr zuzulassen , wenn nicht deren Eltern das ausdrücklich verlangen. Der weitere gegen den Gebrauch der angeführten „Biblischen Geschichte von Schuster" in christlichen Volksschulen gerichtete Eintrag des Vorstandes nruß als durchaus ungerechtfertigt zurückgewiesen werden. Die zur Begründung desselben angeführte Stelle dieses Buches: „Abel war ein Vorbild des von seinen Brüdem, den Juden, unschuldig getödteten Jesus" beruht auf einer vollkommen berechtigten christlichen Geschichtsanschauung. Die dieser gegenüber von dem jüdischen Lehrer Mandel aufgestellte, welche der Vorstand sich aneignct, mag in jüdischen Kreisen als zutreffend angesehen sein, es muß aber als anmaßlich erscheinen, wenn sie, wie von dem p. Mandel geschieht, als die allein berechtigte bezeichnet und wenn weiter gefordert wird, daß sie für die Unterrichtsertheilung in christlichen Volksschulen maßgebend sein solle. Ebenso beruht die weiter von dem Vorstand angezogene Stelle des Schuster'schen Buches: „Kain war ein Vorbild der über die ganze Erde zerstreuten Juden" auf einer durchaus berechtigten christlichen Anschauung , und es kann deren Aeußerung in christlichen Volksschulen, auch wenn sie eine der jüdischen Anschauung entgegenstehende ist, nicht wie der Vorstand behauptet, als die Verachtung Andersgläubiger, insbesondere der jetzigen Juden, lehrend und den confessionellen Frieden störend angesehen werden. Königl. Negierung. Abtheilung des Innern, gez. v. Jasky. An den Vorstand der jüdischen Synagogen-Gemcindc z. H. des Herrn Meyer in Linz. Aus Württemberg, 2. Jan. (Privatmitth.') Trotz der nichts weniger als günstigen allgemeinen Zeitverhältnisse, trotz des schweren Gewölkes, das den politischen Hinmiel. verdüstert hatte, haben die philantropi'che Ziele verfolgenden Vereine und Anstalten unausgesetzt ihren Gang in Stille und Bescheidenheit verfolgt und mit Gottes und guter Menschen Hilfe manche Thräne getrocknet, manche Noth gemildert. So auch der Verein zur Unterstützung von Wittwen und Waisen armer israelitischer Lehrer und Vorsänger in Württemberg. Derselbe veröffentlicht seinen Bericht pro 1877—1876, in dem constatirt wird, daß sich der Verein mit Gottes Hilfe eines gedeihlichen Fortganges erfreut und darauf gestützt, die wohlbegründete Hoffnung schöpft, daß seine wohlthätige Wirksamkeit auch in Zukunft dem humanen Ziele, das er bei Begründung desselben vor Augen hatte und fortwährend verfolgt, auch ferner gedeihen und des Segens viel verbreiten werde. Durch den Tod des Herrn Lehrers Kahn in Ludwigsburg hat der Verwaltungsausschuß leider eines seiner thätigsten Mitglieder verloren, an deffcn Stelle wurde Herr Obereantor Moritz Eichberg in Stuttgart berufen. Die Einnahme des Vereins, darunter Spenden von Gemeinden im Betrage von 1485 M. belaufen sich auf 2795 M. Durch reichliche Spenden für den Verein zeichnen sich die Gemeinden Aufhaufen, Vaisingcn, Buttenhaufen, Cannstatt, Crailsheim, Eßlingen, Frcudenthal, Heilbronn, Laupheim, Michelbach, Nepingen. Stuttgart und Ulm aus. Die Ausgaben, darunter 75)0 M. Unterstützungen an 9 arme Lehrerswitwen, belaufen sich auf 912. M Das Vereinsvermögen beträgt nach sechzehnjährigem Bestände des Vereins die ansehnliche Summe von 16035 M. und hat im vor. Jahre unr 1692 M. zugenommen. Die Zahl der ordentlichen Mitglieder, Lehrer und Vorsänger Württ., beträgt 5 l. Auch zwei Ehrenmitglieder zahlt der Verein, Herrn Hofrath l)r. Levi in Stuttgart und Herrn B. H. Goldschmidt, welcher dem Vereine im vor. Jahre wieder 500 M. zugewendet hat. Von mehreren Seiten ist den: Vereinsausschuß schon der Wunsch an's Herz gelegt worden, er möchte bei dem Israel. Gemeindebunde in Leipzig die nöthigen Schritte thun, damit auch unserem Landesvereine wie der Achava und den» rheinisch-westfälischen Lehrcr-Unterstützungs-Vercin einer Beisteuer aus der Bundescasfe verabreicht werde. Aus Württemberg,-6. Januar. (Privatmitth.) In ungestörtem, geräuschlosem Walten vollführte auch in dem abgelaufenen Jahre der Verein für Versorgung armer israel. Waisen in Württemberg (Waisenhaus „Wilhekmspstege" in Eßlingen) seine Aufgabe; es war die Anstalt mit vollem Eiferbestrebt, die armen verwaisten, ihrer Obhut auvertrautcn Kinder, welche in ihrer Hcimath leicht der Verkünrmerung und Verwahrlosung verfallen wären, zu sittlich guten Menschen zu bilden. Trotz der Ungunst der Zeiten durfte sich die Anstalt doch reichlicher Zuflüsse erfreuen, so daß das Grundcapital sich unr 75>00 M.. vermehrte und jetzt 187,700 M. beträgt. .An Stiftungen erhielt die Anstalt 4200 M., an jährl. Beiträgen 1460 M., an Spenden 645)4 M., darunter 175» M. von Sr. Maj. dem .König und 330 M. von christlichen Einwohnern Stuttgarts. Die Anstalt beherbergt gegenwärtig 26 Zöglinge. Oesterreich-Ungarn. Pest, im Januar. Der Unterrichtsminister hat in einem Erlasse ausgesprochen, daß die Ncligionslchrcr ohne Unterschied der Confession als Mitglieder des Profefforcn-Collegiüms der Mittelschulen zu betrachten seien, als solche sind sie zu den Conferenzen von allgemeinem Interesse zu laden und verpflichtet, sich den auf das Interesse der Schule bezüglichen Beschlüssen des Dircctors, respective des Collegüwrs zu fügen. Der Religionsunterricht muß im Schulgebäude ertheilt werden und der Direktor hat dafür zu sorgen, daß jede Confession zu diesem Zwecke eine besondere Lokalität habe, in welcher die! Religionslehrer in der hierfür bestimmten Zeit den Unterricht I zu ertheilen haben. Eine Abweichung hiervon ist nur dann

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