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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1879-01-21 · Heft 4 (21.1.1879) · p. Seite 52

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
43 (1879)
Issue
Heft 4 (21.1.1879)
Date
1879-01-21
Page
Seite 52 (sequence 4)
Language
German
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Zerknirschung über die begangenen Fehle die Gnade Gottes die Schäden und Wunden unserer Seele heilt. Noch öfter aber gießt die Zuversicht auf den göttlichen Richter den Bedrängten, Unterdrückten, von Frevlern Verfolgten Trost und Kraft in das Herz, die Gewißheit der Rettung, die Warnung, vom scheinbaren Glücke des Bösewichts sich nicht blenden zu laffen, da es nach kürzerer oder längerer Dauer sich hinfällig erwiesen und der Gcwaltthätige dem Untergang verfallen werde. Darob stimmt der Sänger dann nicht selten seinen Lobgcsang an, da vor seinen Augen sich bestätigt hat, was er in seinem Sünders bewähre. Der Zweifel formulirte sich immer bestimmter. Wir brauchen hier nicht auseinanderzusetzen, daß das Buch Hiob dieser Frage gewidmet ist. Die einseitige rigorose Auffassung, daß alles Geschick des Menschen nur Lohn oder Strafe für seine Handlungen sei, wird mit allem Aufwande hochpoetischer Diction ausgeführt. Aber mit noch größerer Energie bäumt sich das Bewußtsein des Schwerleidenden gegen die Verurtheilung und Vrandmarkung, die aus diesem Lehrsatz auf ihn fließt, und in allen Tönen des schmerzerfüllten, von eigentlicher Schuld sich freiwiffenden Herzens strömen Gottvertrauen erwartete. So stellt dann als das Resultat die Klagen über das Unrecht hervor, das ihm geschehe. Die aller Lehren und Erfahrungen das Psalmbuch an seine Spitze, Aufklärung bleibt nicht aus. So wenig auch der Mensch in den einfachen Satz, daß der Gerechte besteht und Früchte reift, - die Tiefen der göttlichen Rathschlüfle zu dringen vermöge, aus während der Frevler untergeht.' - Man braucht das Psalmbuch der Natur, aus der Schöpfung Gottes selbst komme ihm die nur zu durchblättern, um diese Gedanken auf jeder Seite in Gewißheit, daß Alles, was geschaffen ist, und. was geschieht, mannigfaltigsten Variationen ausgesprochen zu finden '). — J einen Selbstzweck in sich trage nach dem allweisen Plane Zahlreiche Sentenzen prägen im Spruchbuch dieselben Gedanken! Gottes. So waltet denn in dem Geschicke der Menschen zwar aus als die Schlußfolgerungen aus dem wirklichen Leben, nur s die göttliche Vergeltung, aber auch der Zweck, des Menschen daß noch der Nebengedanke zum öftern Ausdruck kommt: der! Seelenkräfte -zu entwickeln im Kampfe mit den Schicksalen, die Bösewicht fällt in seine eigene Schlinge, stürzt sich durch die! ihn treffen, daß er sich aufringe zum „Lichte des Lebens" eigene Thal in's Verderben. — Aus den wachsenden Verwick-, (33, 29. 30). Wer diesen Kampf auf den Wegen der Gotteslungen und Verwirrungen der Lebensverhältniffe erstand der furcht und Pflichterfüllung besteht, dem erneuet sich auch ein Zweifel, wie wir ihn bereits im Psalmbuch siegreich bekämpft gütiges Geschick, und giebt ihm vielfältig zurück, was er versehen. Vielfache Erfahrungen scheinen dem Lehrsätze zu widerloren 42, 12). Und so schließen wir diese Betrachtung mit sprechen, daß die göttliche Gerechtigkeit der Tugend ihren Löhn,' dem Citate aus Kohelet (8, 11—13», das denselben Zweifeln dem Laster seine Strafe ertheilt, womit doch die schweren Leiden entgegnet: „Daß nicht schnell erfolgt die Strafe böser That, des Gerechten und das glänzende Glück des Bösewichts nicht! darum füllt sich der Menschensöhne Herz mit ihnen. Böses zu erklären seien. Der. Psalmist hatte dem eritgegengewandt:! zü thun: aber mag ein Sünder hundertmal Böses thun, und nicht nach dem Augenblicke sei zu urtheilen, sondern die Folge Gott sieht ihm nach, dennoch weiß ich, daß es gut ergehen der Zeiten abzuwarten, in welcher sich immer »vieder die wird den Gottessürchtigen, da sie vor Ihm sich fürchten, und Rettung des Gottessürchtigen und der Untergang des verstockten gut ergehen wird es nicht dem Frevler, sondern tvie der ":iiltaTld. Pi,um I. 5. 6. 7. .0. 17. as 82. J6. 37. Schatte» wird et nicht lange leben, da er vor Gott sich nicht 73. 75. 76. 94. 96. 97. 98. 109. 125. 130. 145. > fürchtet." 6itctc Stxe&Lett. Deutschland. Berlin, k2. Januar. (Privatmitth.) Die Weihnachts- Encvclika des Papstes hat die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Leider hat das feindselige Benehmen der ultramontanen Presse gegen uns seit Jahren auch uns gcnöthigt, die Erscheinungen im römischen Clericalismus nicht unberücksichtigt zu laffen. Nichts ist nun verschiedener, als das Auftreten Leo XIII. von dem seines Vorgängers. Es weht ein Geist des Friedens und der Humanität in den Schriftstücken des gegenwärtigen Inhabers des römischen Stuhls, der vorthcilhaft von der Bitterkeit absticht, welche alle Erlaffe Pius I X. so abstoßend machte. Wir würde» uns glücklich schätzen, ivenn diese Friedfertigkeit auch in die deutschen Ultramontanen ein dränge und sic zwänge, ihre Redner und Schreiber zur Ruhe auch gegen uns zu verweisen. An und für sich jedoch läuft cs mit dieser Encyclika auf dasselbe hinaus und verfolgt sie dieselben Ziele wie die Reden und Schriften Pius IX. Der Papst erklärt nicht minder als sein Vorgänger, nur in milderer Form, dem modernen Staate den Krieg und die Grundsätze desselben für falsch und verderblich, und schließlich »vill er die Menschen bereden, das Heil einzig in dem unbedingten Gehorsam gegen die römische Hierarchie und im absoluten Staate zu finden, soweit dieser sich der Hierarchie unterordnct. Auch -hier ist Hierarchie Kirche und Kirche Religion. Es kommt

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