Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 43 (1879)
- Issue
- Heft 3 (13.1.1879)
- Date
- 1879-01-14
- Page
- Seite 38 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3227231-3227235--36851-3256223- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Unkel 2× ep/1045893
OCR text
38 bcr Fremdlingsschast der Juden bei den christlich-germanischen! Völkern und von der Herrschaft der Juden durch die Banquiers und die Journalisten wieder. Sie bringt dann wieder einige; Zahlen heran, von denen einige bereits längst als völlig unrichtig erwiesen wurden, und verlangt nun, oder stellt es als j eine mögliche Perspective auf, daß der Staat die jüdischen' Banquiers und Journalisten ausweise oder doch ihre Zahl nach j Verhältniß der Bevölkerung beschränke. Wer die früheren! Auslassungen der Germania hiermit vergleicht, wird die Be-! schränkung, die sich das Blatt ihrem bisher erwiesenen Wesen' nach auferlegt, würdigen, es sei denn, daß sie ihren Ton im^ weiteren Verlaufe wieder ändere. Am sonderbarsten nimmt! sich aus, daß sie die größere Hälfte des Artikels mit Aus-! zügcn aus der von Laske r gegen die Ausweisung der Jesuiten i gehaltenen Rede ausfüllt. So war es also doch ein Jude, der' damals fast ganz allein und mit der größten Entschiedenj kit gegen jenes Gesetz sprach und stimmte! Im Uebrigen! gegen die brcitgetretenen Voraussetzungen der Germania noch^ einmal kämpfen zu wollen, erscheint sehr überflüssig. Wer gewifle Ansichten sich absichtlich durch immer erneuere Wiederholung und durch Jgnorirung aller Gegensätze ganz und gar^ eingeredet hat, ist nicht von ihnen zu heilen. Was sie als Schreckbilder zukünftiger Ausnahmegesetze aufstellt, ist so schwächlicher Art, daß man sich nicht damit zu beschäftigen braucht. Warten wir daher ab, was etwa die Germania noch folgen läßt. Linz a. Rhein, 30. Tee. (Privatmitth.) fVorvcmerkung der Nedaction. Das folgende Schreiben, an uns' persönlich gerichtet, betrifft so wichtige öffentliche Interessent daß die Veröffentlichung uns durchaus geboten erscheint. Wir! geben es, nur diejenigen Stellen wcglassend, welche an uns l sich wenden. Es versteht sich, daß der Angelegenheit weitere! Folge gegeben wird.) j Ter hiesige Elementar- und Religionslehrer L. Mandel, welcher zugleich den Religionsunterricht in unserer Spccial-Ge-! meinde Unkel ertheilt, machte vor einiger Zeit dem Vorstand der Cvnagogen-Gcmeinde die Anzeige, daß die,'jüdischcn Schüler und Schülerinnen der Special-Gemeinde Unkel in verschiedenen katholischen Volksschulen zu Unkel, Rheinbreitbach und Erpel zur Theilnahme an dem biblischen Geschichtsunterricht des alten Testaments, welcher nach dem Buche, betitelt „Die biblische Geschichte des alten und neuen Testaments für katholische Volksschulen von I>r. I. Schuster" ertheilt wird, sowie auch zur Anschaffung des erwähnten Buches angehaltcn würden. Die seitens der Kinder Namens ihrer Ellern an des betreffende Lehrpcrsonal gerichteten Dispensations-Gesuche seien erfolglos geblieben. Nach Einsicht der biblischen Geschichte von l>r. Schuster wolle er At) auf einige Stellen und Punkte dieses Buches, die der jüdischen Neligions- und Geschichts-Lehre tvidcrsprechcn, auf mvtimikjuaifan... a) Die Lectionen des alten Testaments sind mit bildlichen Darstellungen der christlichen Religionslehre versehen. b) Seite 3 spricht vom Kampfe des Teufels mit den guten Engeln. c) Seite 7: „Abel war ein Vorbild des von seinen Brüdern, den Juden, unschuldig getödteten Jesus. Kain war ein Vorb ild der über die Erde zerstreuten Juden." <1) Seite 18 und 21 werden wiederholt die bekannten Stellen, die nach dem hebräischen Texte, sowie nach der Vulgata und Septuaginta lauten müssen: „Durch Deine Nachkommen sollen alle Völker der Erde gesegnet werden", mit folgender Uebersctzung wiedergegeben: „Durch Einen Deiner Nachkommen sollen alle Völker der Erde gesegnet werden." Indem M. diese Stellen vom Standpunkte der jüdischen Lehre und Geschichte beleuchtete, führte er aus, daß aus denselben schon zur Genüge hervorgehe, wie die biblische Geschichte des l)r. Schuster als Lehrbuch für jüdische Schüler ungeeignet sei, und daß die Theilnahme an dem betreffenden Unterrichte für die jüdischen Kinder nachtheilige Wirkungen haben könne. M. bat deshalb den Vorstand, um die Dispensation der jüdischen Kinder von dem betreffenden biblischen Geschichtsunterricht bei den zuständigen Behörden einzukommen. Alsbald nach Empfang dieses Schreibens richtete der Vorstand an den Herrn Landrath des Kreises Neuwied eine Eingabe, in welcher derselbe, unter Einsendung jenes Berichtes, das wohlbegründete Gesuch des Lehrers M. um Dispensation der jüdischen Kinder in Erpel, Unkel und Rheinbreitbach von der Theilnahme an dem christlichen biblischen' Geschichtsunterricht zu dem seinigen machte. Zugleich aber legte er gegen die obige Stelle, welche Christus mit Abel und die Juden mit Kain vergleicht, Verwahrung ein und wies darauf hin, daß diese Stelle, indem sie die katholische Jugend anleite, in den Bekennern des jüdischen Glaubens nirgends Ruhe findende Brudermörder zu erblicken, Verachtung Andersgläubiger, insbesondere der jetzigen Juden lehre, und den confessionellen Frieden untergrabe. Unter Bezugnahme auf die neuerliche Verfügung des Cultusministcrs, der zufolge kein Schullesebuch Stellen enthalten dürfe, welche eine Confession zu beleidigen geeignet seien, unterbreitete der Vorstand der König!. Negierung die Erwägung, ob die erwähnte Stelle der schusterischen biblischen Geschichte: „Abel.Inden" in einem Schulbuch am rechten Orte sei. — In der nunmehr eingetrosfenen Antwort der König!. Regierung zu Coblenz erklärt dieselbe, die von ihr vcranlaßten Erhebungen hätten ergeben, daß die; jüdischen Ellern in den genannten Ortschaften ihre Kinder von 'je her ohne Zwang und ohne Widerspruch an dem Unterricht der biblischen Geschichte des alten Testaments in den Ortsschulen haben Theil nehmen laffen, daß die betr. Lehrer und Lehrerinnen diese Theilnahme nicht erzwungen, aber bei deren! thatsächlichem Stattsinden auf das wirkliche Lernen des bezüg-