Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 43 (1879)
- Issue
- Heft 3 (13.1.1879)
- Date
- 1879-01-14
- Page
- Seite 37 (sequence 5)
- Language
- German
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37 einer fcaflütuen CentralgetvalL abhinge, und diese war nur in der Hand eines Königs möglich. Wie nun hieraus geschloffen werden könnte, daß die Monarchie nach dem Alten Testamente! eine heidnische Institution sei, ist nicht erstndbar. Todt! hält sich nur an die Worte: „Setze uns nur einen König, uns zu richten wie alle Völker" (l Sam. 8, 5). Die Stelle bei Samuel lehnt sich genau an 5 Mos. 17, 14, wo es auch : heißt: „So du sprichst: ich will über mich einen König setzen, wie all' die Nationen, die rings um mich." An dieser Stelle aber wird diesem Verlangen nicht blos die Zustimmung, sondern auch die Weihe gegeben, indem Gott dem Volke verheißt, in solchem Falle ihnen einen König zu erwählen. Wer fernerhin die Wahl Saul's und David's, die Bekleidung derselben mit der Königswürde, die David gewordene Verheißung, daß, falls seine Nachkommen auf dem Wege des Gesetzes wandeln, sein Thron ein dauernder sein und ihm niemals ein Nachfolger fehlen werde, erwägt; wer bemißt, mit welcherreligiösen Unverletzlichkeit alsbald der isr. König bekleidet erscheint, so daß David sich Vorwürfe macht, dein Könige den Zipfel des Mantels abgeschnitten zu haben, „denn der Gesalbte des Ewigen ('n rpwö) ist er" (1 Sam. 24, (5—8); wer sieht, daß die Propheten bisweilen zwar gegen die entarteten Könige, niemals aber gegen das Königthum selbst sprechen, daß die unter ihnen, welche die messianische Idee in der Gestalt einer zu erwartenden Persönlichkeit anschauen, diese at-S Sprößling David's in den Davidischen Königsmantel hüllen;: wer die Sentenzen in den Sprüchen und bei Kohclet liest,' welche zur Ehrfurcht vor dem Könige neben der Ehrfurcht; vor Gott ausfordern und warnen, sich nicht zu den Aufwieglern zu gesellen — der kann unmöglich die Monarchie nach dem Alten Testament als eine heidnische Institution betrachten. Die Worte „wie alle Nationen" besagen nichts als nach dern. Beispiele aller Nationen, nicht aber, daß die Institution heidnisch sei. Denn es versteht sich von selbst, daß Vieles im Leben von den Israeliten wie von den anderen Völkern geschehen mußte, ohne darum heidnisch, d. h. götzendienerisch,, antiisraelitisch zu fein. Für wirklich heidnisches Thun hatte die heilige Schrift ganz andere Ausdrücke, nämlich 3 Mos. 2<>, 23: „Und wandelt nicht ripns in den Satzungen des Volkes, das ich austreibe vor Euch her, denn solches Alles thaten sie, so daß ich sie verwarf" — und nun lese man, was dieser Stelle vorangeht! So heißt es auch 2 Kon. : 1 7, 8: „Und sie wandelten in den Satzungen der Völker, die; der Ewige ausgetrieben vor den Söhnen Israels." Oder jü Mos. 18, 3: „lerne nicht zu thun LN»-, rrc^lTÖ! gleich den Greueln dieser Völker", vergl. 2 Kön. 16, 3 und 1 öfter. — Dies ist ein Beispiel der Todt'schen Exegese, die . bald nur einen halben Satz citirt, den anderen verschweigt,! bald die Ordnung der Sätze umdreht, bald eine Stelle der Schrift herausreißt, die ihr günstig scheint, mit Weglassung der entscheidenden Aussprüche der Schrift, und dann Folgerungen zieht, die dein eigentlichen Sinne geradezu widersprechen. Daß Herr Todt sich damit nicht begnügt, sondern nun die Entscheidung in der aufgeworfenen Frage der christlichen Speculation überträgt, und mit vielen hochkliugenden Phrasen „das christliche Bewußtsein" zu Tage fördern will, Phrasen, denen mau mit gleichem Rechte die entgegengesetztesten entgegenstellen könnte, geht uns nichts an. Er schließt S. 73): „Welches ist für Christen die unter die Ideale des "Neuen Testanlentes aut besten passende Staatsform, Monarchie oder Republik? — tvir müssen gestehen: die Republik." -- Wir überlassen es den christlichen Theologen, Herrn Todt hierin zu widerlegen. Er hätte nur besser gethan, sich die vorangeschickte Exegese aus dein Neuen und dem Alten Testamente zu ersparen, denn die angctvandten Kunststückchen halfen ihm gar nichts. Auch müßte es immerhin auffallen, daß bis zu Herrn Todt gewartet wurde, die Republik als das Ideal des Neuen Testamentes zu proclamiren. Herr Todt erklärt daher auch die socialistische Republik als „dein Geiste des Neuen Testamentes nicht widerstreitend." — Wir glauben hieriuit gerechtfertigt zu haben, wenn wir sagten: Todt will den Socialismus im Reuen Testamente finden und findet ihn darum. 'rJS Ctl l l ll CJ 6lL<XC I anschickt. Bleibt die Germania bei dem Tone, den sie in diesem Deutschland. Artikel anschlägt, so können tvir ihr nur gratuliren. Sie hat an Bildung sehr zugeuommcu, und von der Rohheit und Maß- Berlitt, 31. December. (Privalmitth.' Da Sie in vor. losigkeit, die sie 187b angeschlagen, ist si.' hier, wir erkennen Nr. des neuen Feldzuges erwähnen ließen, welchen die „Ger- , es gern an, ganz zurückgekommen. Sie behandelt die Ausweimania" gegen die Juden beginnen zu wollen verkündet hat — j sung der Jesuiten, bezeichnet diese als den Anfang von Ausdaß diese Kundgebung gerade mit dem Beginn des neuen > nahmegesetzen, durch welchen der Grundsatz der Gleichheit der Abonnements zusammenfiel, ist nicht ganz zu übersehen — so ' Bürger vor dem Gesetze durchbrochen worden, u.rd meint nun. ist es Wohl angezeigt, kurz über die Avantgarde zu berichten, 'solche Ausnahmegesetze könnten auch einmal gegen die Juden die sie in Nr. 23b und 236 vom 23. und 24. December) vorgerichtet tverden. Sie kaut dann die allen Sprüchlein von