Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 43 (1879)
- Issue
- Heft 3 (13.1.1879)
- Date
- 1879-01-14
- Page
- Seite 35 (sequence 3)
- Language
- German
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35 wie: das Werk des Schöpfers nicht zu verhöhnen, daß nicht das Döcklein in der Milch der Mutter gekocht, von den Vögeln die Mutter und die Jungen nicht zugleich gefangen werden sollen u. s. w., so auch eine gewisse Weihe durch die Enthaltung von allen geistigen Getränken erlangt werden, s. w. — dies Alles gehört in eine specielle Erörterung. — Die Spuren dieser Speisegefetze und des in ihnen enthaltenen Gedankens finden wir nun auch in den übrigen Schriften. So setzt Kap. 13 der Richter das Institut des Napräats (4 Mos. 6) voraus; V. 4. 7. 14 wird insonders das Verzehren von „Unreinem" (tffct:) untersagt, was bei dem Volke Kenntniß, wenn auch eine laxe Uebung der Speisegesetze voraussetzt. Nicht minder weist 1 Sam. 14, 32 ff. auf das Verbot des Blutverzehrcns und das Gebot des Schlachtens ihrem ganzen Umfange nach in Kenntniß und Uebung hin,, indem eine Verletzung derselben während des Kriegszugcs gerügt und beseitigt wird. Der Prophet Secharjah 1 (Kap. 9—14), welcher in den drei ersten Jahren des Königs Jojakim wirkte, wirft den Philistern vor, daß sie Blut und Greuel verzehren <9, 7). Ezechiel in seiner Erneuerung des Gesetzes verbietet den Priestern, „Gefallenes und Zerrissenes von Vögeln und vom Vieh" zu essen (44, 31). Jesaias 11. wirft den ungetreuen Israeliten vor, „Fleisch des Schweines zu essen, Brühe unreinen Gethiers in ihren Geräthen" (ßr>, 4), und ebenso 36, 17, daß sie außer götzendienerischen Gebräuchen „das Fleisch des Schweines essen und das Greuel und die Springmaus". Am bezeichnendsten tritt uns die Erzählung in Daniel I, 5) ff. entgegen, wo Daniel mit seinen drei Genossen, welche zum Dienste des Königs ausgewählt worden, von den ihnen bestimmten Speisen und dem Weine nicht genießen wollen, um sich nicht zu verunreinigen, und sich mit Kräutern und Wasser begnügen. — Wenn in einem so eigenthümlichen Gedanken und in der bestimmten Ausprägung desselben nicht blos alle Theile des Pentateuchs, sondern auch die Autoren der verschiedensten Zeitalter innerhalb der heiligen Schrift übereinstimmen, so leuchtet daraus die Einheit derselben auf's deutlichste hervor, noch dazu, da selbst die materialistischen Denker der Neuzeit, welche diesem Gedanken ihren Ansichten von der Seele nach ganz nahe stehen sollten, ihn bis jetzt weder gefaßt, noch gewürdigt haben. Gegen Pastor Todt, den Gründer der christlichfocialistischen Partei. II. Der Zweck des Todt'schcn Werkes ist also, nachzuweisen, daß die Grundsätze und Forderungen des radicalen deutschen! enthalten und gelehrt seien. Er vermag dies nur durch eine meist sophistische und erkünstelte Exegese, die von zahlreichen christlichen Beurtheilern, sowohl Theologen als Laien, bereits verdammt worden ist. Wir lieben es jedoch nicht, mit bloßen Phrasen eine Sache abzuthun, und so wollen, wir, bevor wir zu unsrem eigentlichen Gegenstände kommen, ein charakteristisches Beispiel der Todt'schen Exegese geben, und zwar das einzige, in welchem er sich auf das Alte Testament beruft *). Schon dieses Beispiel wird auch die Art illustriren, die Todt ganz besonders gegen das Judenthum und die Juden in Anwendung bringt. Nachdem er ausgeführt, daß der Socialismus nur die Republik gestattet — eine schöne Republik, ärger als asiatischer Despotismus! — fragt er, inwieweit das Neue Testament die Frage: ob Monarchie oder Republik? entscheide. Tahin gehört nun zunächst das Wort von Paulus (Römer 13, 1. 2 : „Denn es giebt keine Obrigkeit ohne von Gott; die bestehenden aber, die sind von Gott verordnet. Daher also, wer sich zum 'Widersacher macht der Obrigkeit, der widcrsetzt sich der Anordnung Gottes." Und hierzu setze der Apostel hinzu: „Jedermann sei Unterthan der Obrigkeit, den ihn überragenden Mächten" (Luther: „die Gewalt über ihn haben"). Hier ist bereits das Eitat falsch, denn die Worte „Jedermann sei der Obrigkeit unterthe r", sind kein Zusatz, sondern Paulus fängt ■ mit ihnen an und giebt dann erst als den Grund dieser Unterthänigkeit an, daß jede Obrigkeit von Gott verordnet ist. Hieraus zieht Todt den Schluß, daß es ganz gleichgültig sei, welcher Art diese Obrigkeit sei, und fährt fort: „Der Herr und die Apostel stellen sich in dieser Frage ganz auf den Boden der realen Verhältnisse. Sie hatten cs mit dein römischen Absolutismus zu thun, und erkennen diesen als die sie „überragende Ai acht" an. „Gebet dem Kaiser, was des Kaisers ist", sagt Jesus (Math. 22, 2!), und Petrus fügt hinzu: „Seid Unterthan aller menschlichen Ordnung um des Herrn willen u. s. w." (l Petri 2, .13). Tann fährt Todt fort: „Ob aber die gewalthabende, im Kaiser- und Königthum sich repräsentirende. Macht dem göttlichen Ideal entspricht, darüber schweigt das 'Reue Testament." Herr Todt erlaubt sich hier, die Hälfte des Ausspruchs von Jesus zu verschweigen. Dieser sagt: „So gebet dem Kaiser,, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist." Dies klingt doch ganz anders. Der Kaiser, d. i. der Inhaber der weltlichen Macht und Träger der weltlichen Ordnung, wird dicht neben Gott gestellt, im Parallelismus mit diesem, und die Verpflichtung gegen den Kaiser hierdurch für gleich zu achten, also gleich heilig mit der Verpflichtung gegen Gott. Der Stifter des Ehristenthums stellt also allerdings ein Ideal auf, nämlich die gleich gewissenhafte Erfüllung der Pflichten gegen den Kaiser und gegen Gott; die Verbindung beider treuen i, der iu-rj. noch S. 1i4 zwei Stellen üun, jo sind sie Socialismus mit geringer Modifikation im Reuen Testamente-daselbst von keinem Belang.