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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1879-01-14 · Heft 3 (13.1.1879) · p. Seite 34

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
43 (1879)
Issue
Heft 3 (13.1.1879)
Date
1879-01-14
Page
Seite 34 (sequence 2)
Language
German
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34 Aber auch ganz spcciell mit der Schöpfungsgeschichte übereinstimmend drückte sich über die Seele Jesaias 42, 5, noch bestimmter 57, 15. IG aus, und ganz im pentateuchischen Sinne spricht Hiob 27, 3: „denn noch ist meine Seele ganz in mir. und Gottes Geist (nn Odem) in meiner Nase'" ferner 32, 8; 33, 4 und 34, 14 lehrt cr unzweideutig den Gegensatz von Geist und Staub, die Rückkehr des Geistes zu Gott (rjDXj vH* und die Rückkehr des Körpers zur Erde. Der Prophet Secharjah (12, 1) steht den Geist des Menschen als ein Gebilde Gottes neben der Schöpfung des Himmels und der Erde, also als ein drittes Schöpfungsiverk, als Gegensatz zu allen körperlichen Geschöpfen an: „der Ewige, der den Himmel ausgespannt und die Erde gegründel und den Geist des Menschen in seinein Innern gebildet." Selbst da, wo der Zweifel über die Unsterblichkeit der Seele hervortritt — gerade der Zweifel aber erweist die allgemeine Verbreitung des Glaubens — wie in der Verzweiflung des Unglücklichen (Hiob 14, 7—12), oder in der Vlastrtheit des vom Genus; Uebersättigten (Koh. 3, 18—2;), bleibt doch die selbstständige Existenz' der Seele unbezwcifelt, und der Zweifel selbst löst sich schließlich in den Glauben auf Hiob 14, 14; ]9, 25—27; Koh. 8, 8; 12, 7). 4) Die Institution der Spclscgcsche. Indem die sämmtlichen Bücher der heiligen Schrift übereinstimmend die Lehre vorn Dualismus des Körpers und der Seele im Menschen ausstetlen und festhalten, erkennen sie doch, wie kaum spätere gleichgesinnte Denker, die engste Verbindung, den innigsten Zusammenhang zwischen .Körper und Seele zu einer gewissen einheitlichen Harmonie an. Deshalb haben einerseits alle Affecte der Seele eine eingreifende Wirkung auf den Körper, wie z. V. der Psalmist den Verfall des Leibes, ja das Erlöschen der Sehkraft unter der Einwirkung des Kummers und der Reue auf's Lebhafteste schildert (31, 32), andererseits unterliegt die Seele den Einflüssen des Leiblichen. Ein Gedanke, der durch die ganze heilige Schrift geht, ist daher, daß die Beschaffenheit der Speise, die in den menschlichen Leib ausgenommen wird, durchaus nicht gleichgültig sei, sondern daß sie auf die Beschaffenheit und das Verhalten der Seele, auf das seelische Leben, eine bedeutsame Wirkung übe. Es wird dies nicht allein in ganz allgemeiner Weise angenommen, wie etwa, daß „der Wein des Menschen Herz erfreue", in ihn: also Heiterkeit und fröhlichen Sinn erwecke, sondern ganz speciell, daß besonders thierische Speise auf die Seele insluirc, gewisse Thiere, namentlich die einer höheren Organisation entbehren, und alle Raub- und Aasthiere, sowie auch eiuzelue Thcile der Thiere, insbesondere das Blut derselben, die menschliche Seele gcwisiermaßen verthiere, sie herabziche, verwildere, verunreinige, entweihe. Hieraus entsprangen die Speisegesetze, welche allerdings von den Rabbinen theils weiter ausgeführt, theils in's Kleinlichste und Drückendste umgewandelt wurden. Man hat in diesen Speisegesetzen mit Fug gesundheitliche Tendenzen, sowie Erziehmittel zur Enthaltsamkeit und Mäßigkeit gefunden. Aber daß dies nur seeundäre Zwecke waren, vielmehr die Schrift selbst nur der eben gezeichneten Idee huldigt, zeigen die betreffenden Texte selbst. Jndeß liegt es in dem speciellen Zweck dieser Abhandlung nicht, die Speisegesetze^ in ihrem Princip und in ihren Besonderheiten darzustellen, sondern vielmehr den allgemeinen Gedanken an's Licht zu stellen und zu zeigen, wie er sich einheitlich in allen Theilen der Schrift wiederfindet. Wie man auch die Geschichte des Paradieses sich zurechtlege, besonders auch als Allegorie, so ist es aus unserem Gesichtspunkte hervorzuheben, daß in ihr an den Genuß einer Frucht das Bewußtwerden des Guten und des Bösen geknüpft wird, wie es 1 Mos, 3, 22 heißt, nachdem der Mensch von der Frucht genoffen batte: „Siehe der Mensch ist worden erkennend Gutes und Böses; und nun, daß er mir nicht ausstrecke seine Hand und nehme vom Bamne des Lebens ff." Schon hier also liegt jedenfalls der 'Allegorie der Gedanke zu Grunde, daß der Genuß einer leiblichen Frucht auf die Seele eine tiefgreifende Wirkung übe. Weiterhin muß bemerkt werden, daß das erste Gesetz, welches in der Schrift dem Menschen auserlegt wird, ein Speiscgcsetz ist, und das Verbot, Blut zu verzehren, enthält (! Mos. 9, 4) und zwar, weil das Blut das eigentliche Leben des Thieres befaffe. Kaum ein Verbot wird im Pentateuch so oft wiederholt wie dasjenige gegen das Verzehren des Blutes (3 Mos. 3, 17; 7, 26. 27; 17, 10 bis 14; 19, 2«V; 5 Mos. 12, 10 ff.; 15, 23), und zwar mehrere Male mit den schärfsten Ausdrücken. Denn, heißt es, „die Seele alles Fleisches ist sein Blut mit seiner Seele" (3 Mos. 17, 14 >, und „das Blut ist die Seele und Du sollst nicht die Seele mit dem Fleische verzehren" 5 Mos. 12, 23). Diese Worte lasten keinen Zlveifel zu, daß die Ansicht ist, durch das Verzehren des thierischen Blutes dringe die thierische Seele, das thierische Leben in die Seele und das Leben des Menschen ein und depravire die letzteren. Derselbe Gedanke liegt nun den speciellen Speiscgesetzen, wie sie 3 Mos. 11 und 5 Mos. 14 aufgestellt werden, zu Grunde, wie es 3 Mos. 11, 43 heißt: „Machet nicht Eure Seelen abscheulich durch all das Gewimmel, das da wimmelt, und verunreinigt Euch nicht an ihnen, daß Ihr dadurch unrein werdet; Ihr sollet Eure Seelen nicht verunreinigen durch alles Gelvimmel, das auf der Erde kreucht. Ihr sollt heilig sein, denn heilig bin Ich." Alles, was zu essen verboten, wird 5 Mos. 14, 3 „Greuel" genannt. Daß an diese Verbote sich noch andere Anordnungen schloffen, wie das Gebot des Schlachtens, um „das Blut wie Waffer" auf die Erde stießen zu laffen, das Verbot, Zerriffenes und Gefallenes zu verzehren; daß auch andere religiösi sittliche Gedanken in ähnlichen Verboten ausgeprägt wurden.

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