Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 43 (1879)
- Issue
- Heft 2 (7.1.1879)
- Date
- 1879-01-07
- Page
- Seite 29 (sequence 13)
- Language
- German
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sprüngliche Bezeichnung, sondern die spätere Bildung aus Beobachtung und Phantasie. Red.) Ebenso finden sich von zwei anderen Namen für Thiere, die nur der arabischen Fauna angehören, die Springmaus.jurdü und der Wüstenluchs tuflah in den übrigen semitischen Sprachen keine Spur. — Wir haben von Herrn F. Hommel eine größere Arbeit über unseren Gegenstand zu erwarten, und wird hierdurch abermals eine alte geheiligte Tradition, die aus dem Schoße der betreffenden Völker selbst entsprungen, der modernen Hypothefensucht gegenüber ihre zweifellose Bestätigung finden. Auch wir erkennen den Werth solcher Hypothesen an, indem gerade sie häufig den Anstoß zu gründlicheren Untersuchungen geben; nur dürfen sie eben nicht gleich mit jeden Zweifel ausschließendcr Sicherheit auftreten und jede Autorität der Tradition zu vernichten sich den Anschein geben. Vermischtes. Die Chinesen in Australien. Die Geschichte der Schwächeren den Stärkeren gegenüber ist überall dieselbe. Sobald jene durch Fleiß und Sparsamkeit einige Vortheile erlangen, werden sie vorn Neide angefeindct, verleurndct und verdächtigt, dann bürgerlich bedrückt, ausgeschlossen, rnißhandelt. Erst nach und nach erstarkt das Gerechtigkeitsgefühl, nimmt das Recht die Herrschaft in die Hand. Ein eigenthümliches Beispiel haben wir in der Behandlung der Chinesen in Australien, also gerade auf dem Boden vollständiger Gleichberchtigung, und führen' wir deshalb die Schilderung wörtlich an, welche Christmann in seinem trefflichen Werke „Australien" (Leipzig 1870) S. 821. von den Vorgängen giebt. „Die ersten Chinesen kamen im Jahre 18-18 nach Melbourne, es waren etwa hundert Männer. Als aber die Goldminen cndeckt worden waren, wunderten ihrer so viele ein, daß nach wenig Jahren bereits mehrere Tausende in Victoria lebten. Es waren fleißige und friedliche Leute, welche die Gesetze des Landes sehr genau beobachteten; dennoch wurden sie nicht gern gesehen. Sie behielten ihre heimatlichen Gewohnheiten (allerdings auch die schlimmen: Opiumraucher und Spieler), zeigten aber eine merkivürdige Zähigkeit und Ausdauer bei der Arbeit, begnügten sich mit dem geringsten Gewinn und lebten durchweg außerordentlich nüchtern ' und sparsam. Während die europäischen Goldgräber, Dank ihrem Mangel an öeonomischen Tugenden, mit wenig Ausnahmen nicht vorwärts kamen, gelang es den meisten Chinesen bald, etwas Erkleckliches zurückzulegen. Aber gerade diese guten Eigenschaften machten sie bei den Europäern, speciell bei den englischen Goldgräbern, verhaßt und ehe man sich's versah.!kam cs in Neusüdwales zu einem Acte der rohesten Gcwalt-!thätigkeit. Eine trunkene Bande von fünfzig bewaffneten Diggers überfiel nämlich das chinesische Lager auf dem Lambing- Flats (westlich vom Lachlan), zerstörte Zelte, Häuser und Werkzeuge aller Art, beraubte die friedlichen und nichts ahnenden * Einwohner ihres Eigenthums und mißhandelte die armen, ver-; theidigungslosen Geschöpfe auf jede Weise. Darauf rannte 'bk wilde Rotte nach dem zwei Stunden entfernten Bonks- Creek und wiederholte dort dieselben Greuelthatcn. Die Regierung war machtlos. — Das waren allerdings von rohen j Diggers verübte Unthaten, aber auch „gebildete" Leute in den j Colonien schloffen sich der Bewegung gegen die Chinesen an, 'und zwar aus dein lächerlichen Grunde, damit nicht das chi- 'nesische Element überhand nehme und die Colonie nicht in j „chinesische Barbarei" versinke. Lächerlich war der Grund j deshalb, weil man sehr wohl wußte, daß die Chinesen zum! allergrößten Theile in ihre Heimat zurückkehren, sobald sie sich; ein Vermögen erworben haben. Und dennoch geschah das Merkwürdige, daß, während man chen Abenteurern aus aller. ' Herren Ländern bereitwillig Thür und Thor öffnete, man den fleißigen und sparsamen Chinesen die Einwanderung auf jede Art zu erschweren suchte. Um nämlich alle „mongolische Einwirkungen" von den Colonisten fern zu halten, dekretirte die Negierung von Victoria, daß jeder zur See einwandernde Chinese einen Eingangszoll von 10 Pfund Sterling zahlen müsse. Die Chinesen waren aber schlau und wunderten nicht zur See in Victoria ein, sondern landeten in einem Hafen Südaustraliens 'und gingen von da zu Lande auf die Goldfelder. Und als diese - Colonie den Chinesen-Eingangszoll gleichfalls einführte, gingen! die gelben Zopfträger nach Sydney und gelangten von dort! auf beschwerlichem und gefährlichem Wege nach Victoria. Da; also die bis jetzt angewcndeten Mittel nicht helfen wollten, so | bccretirte die gesetzgebende Versammlung in Melbourne im Jahre 185!) weiter, daß jeder „Barbar", der zu Lande nach j dem Goldfeldern komme, dort 4 Pfund Sterling Eintrittsgeld und außerdem vierteljährlich 1 Pfund Sterling Steuer bezahlen solle. In Neusüdwales wurden ähnliche, die bürgerliche und volkswirtschaftliche Freiheit so vollständig verleugnende Gesetze erlassen und ward damit die Chineseneinwanderung in der That um ein sehr Beträchtliches vermindert. Die Chinesen selbst hielten in Castlemaine eine große Versammlung, um Vc'rwah- ' rung gegen jene Maßregeln einzulegen, und nach einigen Jahren sah man auch das Widersinnige derselben ein. In Südaustralien wurde die Chinesenta^e zuerst aufgehoben, 1802 die Kopfsteuer in Melbourne, und wenn das Eimvanderungsgeld hier und in Sydney auch noch nicht gesetzlich abgeschafft ist, so wird es doch nicht mehr erhoben." —