Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 43 (1879)
- Issue
- Heft 2 (7.1.1879)
- Date
- 1879-01-07
- Page
- Seite 28 (sequence 12)
- Language
- German
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28 Er hatte in strengster Zurückgezogenheit gelebt, so daß sein Bekanntenkreis nur beschränkt war. Rcv. I. I. Lyons sungirte bei dem Begräbniß und sein Freund, l!ev. S. M. Jsaacs, folgte seiner Bahre an einem kalten Februartage. Neuman gehörte zu der aufgeklärten orthodoxen Schule und sein Andenken ist gefeiert in England und Amerika. Die ursprünglichen Wohnsitze -er Semiten. Nach dem ersten Buche Mosis war der Ursch der Semiten in dem Gebiete der zwei Ströme (Euphrat und Tigris), von wo aus sich die Stämme nach Assyrien, Syrien, Palästina, Arabien und von da aus nach Aethiopien ergossen. Diese Tradition der Semiten selbst jvurde allezeit als zweifellos betrachtet. In der Gegenwart aber läßt keine Tradition den Männern der..Wissenschaftlichen Kritik" Ruhe, bis sie dieselbe für falsch erwiesen und durch eine andere ersetzt zu haben vermeinen. So wollte der Assyriologe Schräder in einem Aufsätze des 27. Bandes der „Zeitschrift der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft" resultiren, daß der Ursitz der Semiten Arabien gewesen und vom mittleren oder nördlichen-, Arabienalle Semiten strahlenförmig ausgewandert seien. Er gründet | dies auf den Satz, daß das Arabische den, dem Ursemitischen. am nächsten stehenden Typus des Semitismus bewahrt habe.' Dies wird kein Orientalist leugnen, beweist jedoch nichts weiter,! als daß der Semitenpamm im nördlichen und mittleren Araj bien so abgeschlossen lebte, daß in ihm die Sprache von ihrem j anfänglichen Typus nur wenig verlor. Wenn man bcj denkt, daß wir das Altarabische nnr aus wenigen vormohame-1 dänischen literarischen Erzeugnissen, also aus dem sechsten Jahr-, hundert nach der gew. Ztr. kennen, so erweist dies eben schon ' an sich eine außergewöhnliche Stabilität der Sprache, wie! wir ein anderes Beispiel für die germanische Sprache in Jsj land haben, ohne daß wir dabei an einen ursprünglichen Wohnsitz der ganzen Völkerfamilie daselbst zu denken haben. Gegen diese neue, die Tradition umstürzende Hypothese hat nun Alfred v. Krcmer1; und nach ihm F. Hommel, Letzterer in einem am 13. September d. I. zu Florenz auf dem Oricntalisten- Congresse gehaltenen Vorträge-) unwiderlegbare Beweise aus dem Sprachschätze der semitischen Völker erbracht, und die traditionelle Meinung nachdrücklich erhärtet. Was an Wortstämmen und grammatikalischen Formen in allen oder den mciftcu semitischen Sprachen gefunden wird, z. B. im Assyrischen wie in, Aethiopischcn, im Aramäischen, Hebräischen und Arabischen, nuiß als ursemitisch angesehen werden. Hierbei ist jedoch zu untcrschei- Semitische Lultürcnttchnungcn aus dem Thier-und Pflanzenreiche, Cotta, Stuttgart, 187b. 2) A. A. Z. Beilage vom 20. September 1878. den, was zu der Periode der drcibuchstabigen Wurzeln oder was vor diese gehört, lieber diese letztere haben die Sprachforscher noch zu keiner Sicherheit gelangen können. Jene zweite Periode aber fann nicht anders als im Gebiete der beiden Ströme (E'Vu ihren Sitz gehabt haben. Nach Kremcr war Hochasien die gemeinsame Urheimath der semitischen, wie der arischen Stämme: Im hohen Turan, westlich in der Hochebene von Pamir, saßen die Ursemiten, und wanderten dann, dem Laufe des Oxus folgend, am Südrande des kaspischcn Meeres herum in die mcdische Gebirgslandschaft und durch die Felsenschlucht von Holwün in das liefe Becken der assyrisch mesopotamischen Niederung. Hier saßen die - Semiten eine längere Zeit, bis die Auswanderung in die Länder, wo wir sie geschichtlich sinden, statt hatte. Alles jedoch, was hier von dem ältesten Ursitz und der Wanderung nach Mesopotamien gesagt ist, gehört bis jetzt in das Bereich der Vermuthung und erwartet noch seine Begründung. Wir haben es nur mit dem Ursitz der. Semiten in Mesopotamien zu thun. Der erste Beweis für diesen und gegen Arabien liegt in der Existenz von Thieren für die ursemitische Fauna, welche in Arabien gar nicht Vorkommen, der zweite, weniger entscheidende, in Thiernamen, welche der arabischen Fauna eigen sind und für welche die anderen semitischen Sprachen garkeine oder neue Ausdrücke haben. Zu der ersten Art gehört vor Allem a) das Fehlen des ursemitischen Wortes -dublm „Bär" im Altarabischen. Daß das Wort wirklich ursemitisch ist, beweist zur Genüge das äthiopische ckobl», das hebräische 6ab, aramäische äobbi» und assyrische dabu, womit das wirkliche Vorkommen des Bären in Habesch, Palästina, Syrien und Mesopotamien nur übercinstimmt. In Arabien dagegen kommt der Bär nicht und äubbu erst bei späten muslimischen Schriftstellern vor. b) Das - Fehlen des ursemitischen Wortes ri' um „wilder Ochs" im Arabischen hebräisch re' ein, assyrisch rimu. Das arabische Wort rimu bedeutet aber die junge Oryxantilope, die nur in den Sandsteppen Arabiens heimisch ist. Wenn, wie erwiesen wird, die ursemitische Bedeutung von rimu nur wilder Ochs gewesen, so haben wir die Ursitze der Semiten auch in Mesopotamien, nicht aber in Arabien, wo es wilde Ochsen nie gab und auch heute noch nicht giebt, zu suchen, c) Das überaus seltene Vor- - kommen des dem ursemitischen nrmni-u, niinri entsprechenden arabischen Wortes namir „Panther" in der vormohamedanischcn Poesie. Ter Panther heißt äthiopisch uaiuer, hebräisch »rnner, aramäisch nemnt und assyrisch nimm, ist also für das Ursemitische sicher. In Arabien ist der Panther höchst selten, während er im Lande der Ursemiten ein getvöhnliches Raubthier gewesen. — Zu der zweiten Reihe von Thatsachen gehört, daß es für den nur die arabische Wüste bewohnenden Strauß, arabisch mi’?,m, kein urscmitischcs Wort giebt. (In hebr. Beweisen die Ausdrücke für Strauß j-q und „Tochter des Geheuls, Klagende" die nicht unmittelbare, ur-