Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1879-01-07 · Heft 2 (7.1.1879) · p. Seite 26

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
43 (1879)
Issue
Heft 2 (7.1.1879)
Date
1879-01-07
Page
Seite 26 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/3224737-3227231-3227234--36837-3256209
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

26 gelegenen obscurcn „Minjonim". Dieser ignorirte Theil der Iudenheit repräscntirt nicht das Capital, aber in Wanne des : Glaubens steht er gewiß nicht hinter den maßgebenden reichen > Glaubcnsbrüdern zurück. Als eine Reformgemeinde zu bestehen, j ist es nicht genug, wenn die Gesinnung dafür vorhanden ist,! sondern sie nruß reich genug sein an Vaar oder Credit, einen '■ prächtigen Tempel zu bauen, einen mundfertigen Prediger so« zu besolden, das; er in Kleidung und Hausführung sashionable! die Gemeinde repräsentire, einen Chor zu besolden, eine mächtige Orgel aufzustellcn und daß es im Tempel von Seide und! SanuncL der Ladies rausche und vom Schmuck glitzere. Dieses Alles — das Hutabnehmen ausgenommen — kostet schweres■ Geld. Und so kommt es, daß von 250,000 Israeliten, bic' wir als die beiläufige Zahl der Israeliten in den Vereinigten'! Staaten annebmen wollen, keine 40,000 Seelen einem Ge-' meindeverbande angehören. Und so konunt es, daß die Tempel,; wenige Tage ausgenommen, das Jahr hindurch in ihrer Leere! glänzen und daß die schmutzigen, armseligen Bcthäuser mit' ihrer gräulichen Unordnung, ihren abgeschmackten Schreiern als Vorbetcr und ihren verdorbenen Handelsleuten als Rabbiner und Prediger gefüllt sind. Unter den Besuchern dieser Bet-. Häuser befindet sich ein dieser Unordnung widerwilliges, für! sein Iudcnthnm warmherziges' Material, das, wenn von seiner; Seite ein mäßigerer Geldbeitrag erforderlich wäre, und von der andern Seite die Reformansprüche etwas herabgestimmt, würden, sehr gern aus reineren Elementen gebildeten Gemeinden sich anschlicßen würde. Tie Tempel würden voller und jene Winkelbethäuscr weniger srequcntirt, was Beides dem Juden-! thum ein Gewinn wäre." — Als Beleg, wird eine namhafte! Gemeinde angeführt, welche von jedem Mitgliedc durchschnittlich; jährlich 80 Dollars fordert, was natürlich nicht Viele zahlen können, und dabei ist diese noch lange nicht die theuerste. Vielleicht veranlaßt diese Tiseussion Männer des Mittelstandes, zusammenzutreten, um Gemeinden zu bilden, welche, ans alle Pracht und unverbälmißmäßige Ausschmückung des' Gottesdienstes verzichtend, von vornherein die Kosten tinii: Iren j und dadurch den Eintritt möglichst erleichtern. Ist doch kein! Gottesdienst irgend einer Religion so darauf angelegt, mit dem geringsten Kostenauflvaude hergestellt zu werden, wie der jüdische!, Bonn, 2'.). Dcc. (Notizeu). Man schreibt uns aus > Jaraczcwo (Posen) unter dem 16. dss.: „Heute wurde hier der j älteste Bürger unserer Stadt, der Glasermcister I osep h Kahn, j der das seltene Alter vnn! 08 Jahren 6 Monaten erreicht, hatte, zu Grabe getragen. Dcr Verblichene war von allen, Einwohnern wegen seines biederen: Charakters und ehrenfesten i Wandels geächzt. M. Lipskv, Cantor." — Ungarische Blätter schreiben: „Vom Erzbischof Haynald wird folgender Zug erzählt: Ein nahe beim erzbischöflichen Palaste in Kalocsa wohnender Israelit feierte jüngst seine Hochzeit mit einem sehr hübschen Mädchen. Die Trauung war vorüber. das glückliche junge Paar nahm strahlenden Antlitzes die Glückwünsche der Verwandten und Bekannten entgegen; das Hochzeitsmahl hatte begonnen, der Wein floß in Strömen, die Fröhlichkeit war groß im Haufe Israel. Da öffnete sich die Thür und in den Saal tritt der liebenswürdigste Kirchenfürst Ungarns, Erzbischof Haynald. Der Erzbischof verbeugte sich tief vor bttij Männern, noch tiefer und zierlicher vor den Frauen und näherte sich dann mit gewinnendem Lächeln dem Kranze der schönen Frauen. Der Kirchenfürst war zur Hochzeit seines „Nachbars" gekommen, um dem jungen Paare, welches bereits den Segen seines Rabbiners erlangt hatte, auch seinen Segen zu ertheilen. Der elegante Monsignore sah sich bald von den schönen Töchtern Israels umringt, und cs wäre in der That ein hübscher Vorwurf für den Pinsel eines Malers gewesen, die feinen, geistreichen Züge des Kirchenfürsten zu zeichnen, und wie die Rosen Hebrons mit klugem Lächeln der halb geistlichen, halb weltlichen Rede des Kirchenfürsten lauschten, mit welcher das schöne Auditorium wenn auch nicht bekehrt, so doch erobert wurde. — Aus Fürth schreibt man uns vom 25). Dec.: Bei der heute stattgehabten Wahl zur Verwaltung der hiesigen Cultus-Gcincinde wurden von 605) Stimmberechtigten 146 giltige Wahlzettel abgegeben. Die Vetheiligung war sonach eine sehr flaue und betrug nur 26 Der Grund hiervon lag in der Richtbetheiligung der orthdoxen Partei an der Wahl, so daß die von dcr liberalen Partei vorgeschlagcnen Personen auch sämmtlich getvählt tvurden. Die Gewählten gehören meist der gemäßigten freien Richtung an, wie denn überhaupt in hiesiger Gemeindevertretung die Ultras auf beiden Seiten gänzlich fehlen. — Wie man uns mittheilt, ist der bisherige Rabbiner zu Birnbaum, Herr I)r. A. Rosenzweig, zum Rabbiner in Tep li tz gewählt worden und wird am 1. April d. I. diese Stelle antreten. — Wir erhalten vvn Bochum, 27. Dec. folgende Zuschrift: „Unter Bezugnahme auf das in der Nr. 5)6 d. A. Z. d. I. befindliche Referat über das in hiesiger Synagoge am 23. November d. I. Statt gehabte Coneert fühlen wir uns gedrungen, folgende Erklärung abzugeben: Wir glaubten, um mit Rücksicht auf die nicht im&cbcutenden Ausgaben den pccuniärcn Erfolg des Conccrts sicher zu stellen, den Reinertrag zu einem wohlthätigen Ztvecke ohne Unterschied der Eonfessionen bestimmen zu müssen. Tie Annahme Ihres Referenten, daß die Lehrer, Wittwen- und Waiscn-Kasse des Kreises Bochum eine christlich e Institution sei, ist eine irrige. — Es sind mehrere jüdische Lehrer des Bezirkes Mitglieder dieser Easse, und wird sogar die Wittwe eines früher in unserem Kreise amtirenden israelitischen Lehrers seit längeren Jahren aus derselben unterstützt*) Der.Vorstand des Synagogen-Chors. I. A. Otto Herz. I) Wir muffen doch bemerken, daß der Corresp. diese Verwendung durchaus nicht tadelte, sondern nur, daß nicht ein

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.