Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 43 (1879)
- Issue
- Heft 2 (7.1.1879)
- Date
- 1879-01-07
- Page
- Seite 25 (sequence 9)
- Language
- German
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Unterschriften zurückzuziehen; wogegen die Regierungspartei die Concession machte, daß ein von Voinov gestelltes Amendement angenommen wurde. Letzteres verlangte, daß die Stelle der Thronadreste der Kammer, welche sich dagegen verwahrt, daß in Rumänien religiöse Intoleranz bestehe oder bestanden habe, auch in die Adresse des Senats ausgenommen werde. Heute wird die Adresse dem Fürsten Carol durch zehn Senatoren, welche gestern durch das Loos bestimmt wurden, übergeben werden. Die Kammer der Abgeordneten hat gestern nach einer langen Rede des Deputirten Jenescu, auf welche der Minister- Präsident antwortete, den Entwurf zur Thronadresse in Berücksichtigung genommen. Auch in der Kammer bildet die Judenfrage den Angelpunkt der Debatte; doch muß hervorgehoben werden, daß selbst die Fraction der Moldau, welche aus erklärten Judenfeinden besteht, bisher mehr Mäßigung an den Tag legte, als die konservative Opposition des Senates. Bukarest. 24. Teeember. Der Fürst sagte bei der Entgegennahme der ihm durch eine Deputation der Kammer überreichten Adresse, indem er auf die Stelle der Adresse in Betreff der Juden anspielte: „Der zum Zweitenmale von der nationalen Vertretung cinstinunig gefaßte Beschluß, welcher den Willen bekräftigt, sich den Bestimmungen des Berliner Vertrages zu fügen, dürfte Europa keinen Zweifel darüber lassen, daß dies die wirkli che Gesinnung der ganzen Nation ist. Es wird somit jeder Verdacht und jedes Vonlrtheil schlvindcn, welche im Auslande gegen unser Land etwa noch bestehen könnten." Bottllschnii, IS. Dec. (Privatmilt.' Von der hiesigen Jsr. Numän. Hauptschule können wir mittheilen, daß sie von trefflichen Lehrkräften besetzt ist, und ein löbl. Schulcomitö, aus welchem die eifrige Thätigkeit des geachteten Herr Carl Schlezinger besonders rühmlich hcrvorzuheben ist, dafür Sorge tragt, daß das Schulbudget, welches sich jährlich auf 18,000 Francs beläuft, immer zur gehörigen Zeit ausgczahlt lverde, und so gedeiht die Schule zum Heile der Jugend immer mehr und mehr. Die Schülerzahl stieg in diesem Schuljahre 1878/9 auf 5)28, worunter 137 Waisenkinder sind, und für mehrere derselben wird auch alljährlich, Thcils vom Schuleomit-', theils auch von dem segenreich.wirkenden Vereine „Or Chadasch" für Bekleidung gesorgt. — Nach so vielen Schmerzensrufcn, die bis nun aus Rumänien ertönten, ist es angenehm, cimnal auch etlvas Erfreuliches mittheilen zu können. Im vorigen Monat wurde in dem isr. Tempel zu Bukarest einer unsrer Glaubensgenossen, der Philologe Hr. Nanetti Roman, als Translator -im Departement des Ministeriums des Aeußern von dem rühmlich bekannten Prediger Hr. Di-. M. Deck, in Gegenwart eines Ministerialrathes beeidet, wobei jener auch eine treffliche von patriotischem Gefühle durchdrungene Ansprache an den jungen Mann hielt, und dann wurde der Beeidigungsact von ihm und Hrn. Roman, wie auch von dem beiwohnenden Ministerialrathe, unterzeichnet. Wir können nur vom Inneren unseres Herzens dem geehrten talentvollen Hrn. Roman Glück zu seiner amtlichen Laufbahn wünschen und geben wir uns der Hoffnung hin, daß derselbe, so wie er seine patriotischen Gefühle in seiner jetzigen amtlichen Stellung zur Genüge mit Liebe und Treue beweisen wird, so auch seine warme Anhänglichkeit an das Judenthum, von welcher er früher so viel Zcugniß gegeben hat, auch ferner bewahren werde. Wir werden noch auf den merkwürdigen Lebenslauf und Bildungsgang dieses äußerst talentirten jungen Mannes in einem besonderen Artikel zurückkommen. Ich ersuche Er. Hochwürden, dem Berichte Raum in Ihrer geschätzten Zeitung verleihen zu wollen. London, 28. Deccmber. Die Juden Rumäniens haben in einer maßvollen Bittschrift die Kammer um die durch den Berliner Vertrag ihnen versprochenen politischen Rechte gebeten. Amerika. Chicago, 20. December. Das Resultat, welches Ihr Correspondent von New-Z)ork aus den Ermittelungen des Verbandes israelitischer Gemeinden in den Vereinigten Staaten über das geringe Maß derjenigen Israeliten, welche organisirten Gemeinden angehören, gezogen hat, konnte auch den Amerikanern selbst nicht verborgen bleiben und bildet seitdem einen Gegenstand lebhafter Discussion. Man schlägt hier das Verhältniß sogar noch geringer an, etwa auf ein Fünftel oder Sechstel. Auch die Ursachen hat der Correspondent (in Nr. 4f>) richtig angegeben, und da das Verhältniß ein allgemeines Interesse in Anspruch nimmt, und im Stande ist, auch die europäischen jüdischen Gemeinden zu warnen, sich allzu leichtsinnig in Schulden zu stürzen und ihre Budgets zu sehr zu belasten gestatte ich mir eine Auslastung des hier erscheinenden .Jewish Advanee in einer der letzter« Nummern zu citiren: Wir nehmen „Veranlassung über einen der Factoren in der eigenthümlichen Gestaltung des amerikanischen Judenthums uns zu äußern: Es ist die Kostspieligkeit in der Führung eines jüdischen Gemeindewesens im modernen Stile. Eine solche fordert einen schweren Census für das Recht, in der Führung und Gestaltung des Judenthums, solveit die Gemeinden es beeinflusten, ein Wort mit drein sprechen zu dürfen. Das Judenthum gestaltet sich jetzt ausschließlich im Sinne, nach dem Geschmacke und nach den Mitteln der Neichen. Wo ist der ehrbare Mittelstand, wo die anständigen Armen bei Berathungen und Beschlüsten in religiösen Fragen? Sie leben, an allen jüdischen Fragen unbetheiligt, zurückgezogen und verlieren sich im Jndifferentismus oder verzettelt in 'ab-