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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1879-01-07 · Heft 2 (7.1.1879) · p. Seite 24

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
43 (1879)
Issue
Heft 2 (7.1.1879)
Date
1879-01-07
Page
Seite 24 (sequence 8)
Language
German
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24 geradezu entgegen laufen. Die Gemeinden sollen das Recht erhalten, jedem Fremden die Freiheit des Handels und Gewerbes und des Bcsitzerwcrbcs zu gewähren oder zu verweigern , aber unter Fremden versteht inan in Serbien und Rumänien gerade den Israeliten. Diese den Gemeinden überlassene discretionäre Gewalt wird demnach die Wirkung haben, die durch die Skupschtina im Princip angenommene religiöse Gleichheit vollständig illusorisch zu machen. Wer den Artikel 35». des Berliner Vertrages einsieht, wird erkennen, daß er an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig läßt. Aber die Serben wisicn sich dennoch zu helfen und cs wird intereffant sein zu erfahren, ob Serbien, zukünftig unfähig di§ Juden als Juden zu unterdrücken, sie als „Fremde" unbestraft wird unterdrücken dürfen." — Jedenfalls würde also das beabsichtigte Manöver schon jetzt offen gelegt und vor Europa denuncirt sein. Rumänien. Bukarest. 18. Dec. Der „Pol. Corr." von Wien schreibt man aus Bukarest Folgendes über die augenblickliche Lage unserer Angelegenheit. . „Der feste Entschluß, sowohl seitens der Majorität der Kammer, wie auch von Seite des Cabinets Vratiano, an die Lösung der Judenfrage Hand anzulegen, wäre wo! vorhanden. Allein man wird gut thun, schon heute auf! die immensen Schwierigkeiten hinzudeuten, die diese Lösung so-! wol der Negierung, wie auch den diese Lösung wünschenden! Elementen der kommenden Revisions-Kammer bereiten wird. Ueber die Stimmung im rumänischen Volke selbst, welches die Gleich-1 stellung der Israeliten — durchaus nicht aus religiösen, sondern! aus instinctmäßig herausgefühlten socialen Gründen — in einer I nicht gut zu beschreibenden Weise pcrhorreszirt, über diese Stim-, mung ist schon wiederholt gesprochen worden.*) Ein, in einer! der letzten Kammersitzungen aufgetauchter Jncidenzfall kann je-! doch als Fingerzeig dienen, daß nicht nur in den unteren und ' den Mittelklassen des Volkes, sondern auch bei einem Theile der höher Gebildeten eine ganz gleiche Stimmung vorherrscht.! Es ereignete sich nämlich, daß gelegentlich der Berathung des neuen Communalgesetzcs von einem Deputirten ein Amendementeingebracht wurde, welches auch die im Besitze von Immobilien! befindlichen Ausländer mit dem Wahlrechte für die Gemeinde zu bekleiden den Zweck hatte. Da ergriff der als Anhänger der vorgeschrittensten „nationalliberalcn" Partei bekannte De-' 1) Allerdings ist AchnllcheS bereits öfter über die Stimmung \ des Rumänischen Volkes ausgesprochen, jedoch thatsächlich nicht erwiesen worden. Nichts ist leichter, als sich hinter eine vermeintliche I Vollsstimmnng zu verstecken, die man noch dazu durch Hetzereien auf- > zustacheln gesucht hat. Dieses Miltelchen wird von allen Judenfeinden angewcndet. Wir glauben auch in Rumänien nicht eher daran, als bis man dafür Beweise geliefert hat. Die früheren örtlichen ‘ Judenverfolgungen, welche die neueste Geschichte Rumäniens bestü cken, - sind erweislich immet von Jactoren ausgegangen, welche nicht zum!. „Volke" gehörten. Der eigentliche Druck wurde von den Behörden, ausgeübt. Nedaction.) putirte Fleva das Wort und donnerte in einer sehr energischen Rede dem Hause zu, dieses Amendement rmr keinen Preis anzunehmen, nachdem dasselbe blos eine verkappte Emancipation der Juden bedeute, sich jedoch trotz aller Berliner Beschlüsse kein Rumäne finden lassen werde, der für die Gleichberechtigung der Juden stimmen werde. Die Kamnrer ging zur Tagesordnung über. Das Bezeichnendste an der Sache aber ist die Thatsache, daß schon während der Rede Fleva's auf der Mittisterbank eine Unruhe sich bemerkbar machte, deren Folgert schon am nächsten Tage greifbar wurden, indem das Amtsblatt in seinem sonst durchaus objectiv gehaltenen Kammerberichte die Rede Fleva's gänzlich mit Stillschweigen überging, während die Tagespreffe, selbst die Organe der Opposition nicht ausgenommen, sich der gleichen Schweigsamkeit bezüglich dieses Vorfalles befleißigten. Weitere Hindernisse in der kommenden Revisions-Kammer bezüglich der Juden-Frage werden dem Eabinete Vratiano durch die Moldauer „freie, unabhängige Fraktion" bereitet werden; doch wird dieser Opposition, deren Chefs und Mitglieder zeitlebens als Judenfresser vom reinsten Wasser sich gerirten, nun aber doch mit Händen und Füßen nach dem Portefeuille strebten, welches der für Auslassung des Artikels VII sich aussprechende Minister-Präsident Bratiano jüngst zu vergeben hatte, nicht viel Gewicht beizulegen sein." Bukarest, 20. Dec. Nach dreitägigen Debatten hat gestern der Senat den Entwurf zur Beantwortung der Thronrede mit einer Abänderung mit 30 gegen l0 Stimmen angenommen. Bemerkenswerth an den Debatten ist hauptsächlich, daß sich dieselben beinahe ausschließlich um den Passus der Thronrede drehten, welcher sich auf die Emancipation der Israeliten bezieht; bemerkenswerth ist ferner, daß die Opposition, welche im Auslande das Gerücht zu verbreiten wußte, als sei es das Ministerium Bratianu, welches nicht geneigt wäre, den bezüglich der Gleichberechtigung der Israeliten im Berliner Vertrage ausgesprochenen Willen der Großmächte zu erfüllen, sich aus allen Kräften gegen die Annahme derjenigen Stellen der Adresse sträubte, in welchen den Israeliten die Gleichberechtigung zugesagt wird. Insbesondere stellte Herr Strat (ehemaliger Finanzminister und auch diplomatischer Agent Rmnäniens in Paris), welchen man svegen seiner intimen Beziehungen zu den israelitischen Bankhäusern von Hiltel, Manuak, Camondo re. für einen besonderen Freund der Juden hielt, ein ganz unmögliches Amendement, welches die Negierung verpflichten sollte, nichts weiter für die Emancipation der Israeliten zu thun, als den Artikel 7 der Verfassung zu ändern. In ähnlichem Sinne, wenn auch gemäßigter, sprachen Peter Carp', Jepureano und noch mehrere Mitglieder der Conservativen Partei. Schließlich gelang es den Anstrengungen der Minister Bratianu, Sturdza und Ferikidi, die Senatoren, welche das Strat'- sche Amendement mitunterzeichnet hatten, zu bewegen, ihre

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