Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 43 (1879)
- Issue
- Heft 2 (7.1.1879)
- Date
- 1879-01-07
- Page
- Seite 23 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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23 erprobten Gemeinde- und Provinzial-Jnstitutionen dauernd zu erhalten! Saarlouis, 27. Dec. (Privatmitth.) Der geehrte Correspondent aus Hannover fragt in Nr. 52. indem er die Berufung von zwei jüd. Sachverständigen zur Reichsenquäte für die Baumwollen- und Leinenindustrie nach Berlin erwähnt: „Was wird die Saarzeitung dazu sagend Da dieses ultramontanen Organ wohl größtentheils durch meine Kämpfe mit ihr in den jüd. Kreisen bekannt wurde, so glaube ich das Recht und die Pflicht zu haben, auf diese Frage einzugehen. Obwohl das erwähnte Blatt, sowohl in Hinsicht des geistigen Inhalts, wie auch des Leserkreises mit zu den geringsten Preßproducten Deutschlands gehört, so hat es trotzdem stets beit besten Willen gezeigt, gegen alles was Juden und Judenthum heißt, zu Felde zu ziehen. Doch Amaleck ist gefallen, ist in seinem eigenen Lager tief gedcmüthigt worden. Nicht allein, daß die Saarzeitung durch Entziehung des Postdebits für Elsaß-Lothringen den größten Theil ihrer Abonnenten verloren, sie mußte es erleben, mußte cs mit ansehen, mußte ihn eignen Spalten zu der Mittheilung öffnen, daß in Caarlouis, den: Sitze des unverfälschten protestirenden Franzosenthums, ^)dem Sitze des schwärzesten Ultramontanismus, zwei Juden in den Stadtrath gewählt wurden; noch mehr, das; von 6 neugclvählten Ctadträthen 5 Liberale aus der Urne hcrvorgingcn. Was die Saarzeitung dazu sagt? — Sie verhüllt weinend ihr Haupt und muß trotz ihrer dunklen Umhüllung erkennen, das; es auch hier G. s. D. beginnt, lichter zu werden, daß selbst ihre eignen Anhänger ihr den Rücken kehren, j Von den zwei zu Stadträthen gewählten Israeliten gehört der crstere, Herr Moses Cuhn — welcher auch, nebenbei gesagt, ein eifriger Beförderer aller jüd. Institutionen ist, — schon mehrere Jahre zu den Vätern der Stadt. Ter zweite, Herr Eerf Sribourg, ein junger intelligenter Kaufmann, wird sich durch seine allgemeine Beliebtheit ebenfalls einen dauerden Platz neben seinem älteren und tüchtigen Eollegen erringen. Leipzig, 2!). Tee. (Privatmitth.) Aus den Protocollen des Ausschusies des israel. Gemeindebund es geht in erfreulicher Weise hervor, das; die Zahl der denr Bunde sich anschließenden Gemeinden im Wachsen begriffen ist. In der nächsten Zeit stehen einige Kundgebungen des Bundes, namentlich über Mcndelssohnsvereine bevor. l'l Die Bewohner der Festung Saarlouis, seil 1813 preußisch. Und, im Gegensatz zu dem Einwohnern der Provinz Elsaß, welche urdeulsch sind, französischen U r sp r un g s. Erst diese Generation wurde deutsch erzogen nnd iprichl deutsch. - Die älteren Bür ger sind noch heute in ihrem Wesen, ihren Steigungen und ihrer Sprache echte Franzosen! Corresp. Oesterreich-Ungarn. Pest, 20. December. (Privatmitth.) Man wird sich erinnern, daß mehrere israelitische Gemeinden an das Unterrichtsministerium ein Gesuch gegen, dessen Verordnung gerichtet hatten, daß nur 25 Stunden wöchentlich in der Schule unterrichtet werden dürfe. Hierauf hat der Minister Trefort diese Verordnung zurückgezogen und man unterrichtet in den jüdischen! Schulen lvieder mindestens 33 Stunden wöchentlich. Die Schulinspectorcn sind darüber ungehalten, lveil die Verordnung schon überall durchgesührt war und sie sich nun von oben her desavouirt sehen. Indes; muß man gestehen, daß, wenn man in diesen Schulen neben dem profanen Wißen auch das He-; bräische mit Erfolg lehren will, 25 Stunden nicht ansreichen. Serbien. i Brüssel, 22. December. (Privatmitth.) Die Nachrichten, i die aus Belgrad und Bukarest in den letzten Tagen cinliefen, I lauteten der Gleichberechtigung und ihrer endlichen Verwirk-! lichung in den Tonaustaaten überaus günstig; die Fürsten haben! in ihren Thronreden die Erfüllung des Berliner Vertrages auch! in diesem Punkte verheißen. Die Antwortsadressen der Kam- , mern sprachen sich zustimmend hierüber aus. Die Gesetzvorlage wird also vor sich gehen und die Kammern werden sie; genehmigen. Der Wortlaut dieser Vorlagen muß abgelvartet ' werden. Niemand wird es uns verdenken, wenn wir trotz dieser Kundgebungen noch ein bedeutendes Maß von Mißtrauen hegen, aber wir halten es nicht für angezeigt, diesem Mißtrauen . unsrerseits Worte zu geben. Geschieht dies aber von einer j ganz unparteiischen Seite, so scheint es uns pflichtgemäß, dies nicht mit Stillschweigen zu übergehen. Die Indep. | in ihrer heutigen Nummer spricht sich in ihrer Revue politi- | <jue nach ihren Informationen folgendermaßen aus: „Die! serbische Negierung hat in ihren officiellen Erklärungen ihren festen Willen kund gegeben, ohne Zögern im ganzen Lande die j Grundsätze der religiösen Freiheit und Gleichheit zur Anwcnj düng zu bringen, von denen die Mächte die Anerkennung der Unabhängigkeit des Fürstenthums abhängig gemacht haben. > Jndeß scheint es, daß dieser Wille im Grunde nicht so aufi richtig ist, wie man Anfangs geglaubt hat, und man sucht jetzt die stricte und vollständige Ausführung des Berliner Vertrages in dem, was die Rechte der Juden betrifft, illusorisch zu machen. Das Mittel hierzu ist sehr einfach. Ossiciell wird die Skupschtina den Israeliten eine vollständige bürgerliche Gleichheit mit den Vekennern der anderen Eulte zuertheilen. Zu gleicher Zeit aber wird sie der Regierung das Recht einräumcn, in Verbindung mit den Gemeindebehörden beschränkende Maßregeln zu treffen, die den Forderungen des gemeinen Rechtes, welches die Mächte zu Gunsten der Juden forderten.