Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 43 (1879)
- Issue
- Heft 2 (7.1.1879)
- Date
- 1879-01-07
- Page
- Seite 21 (sequence 5)
- Language
- German
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21 vorgeschobene, während es hier die zurückgeschobene ist. Dort wurde das Organ erdrückt, eingeschlossen; hier!vird es strangulirt. Es schwillt an, wird blauroth, ja schwarz von der Einschnürung, die es durch die, wie ein Kragen um den Hals liegende Vorhaut erfährt. Daher der Name. Wie bei einem Selbstmordversuch durch Erhängen der erste Schritt zur Rettung des Todescandidaten der sein muß/ den Strick zu durchschneiden, so ist für das in der beschriebenen Weise strangulirte Organ das Erste und Unerläßlichste zu seiner Rettung vor dem Brandigwerden das Durchschneiden der Vorhaut. Ich habe bis jetzt, meine Herren, nur von Zuständen gesprochen, die theils von einer angeborenen Abnormität der Vorhaut, theils von Erkrankungen derselben hcrrühren, die auch bei dem tadellosesten Wandel erworben werden können. Ich komme nun zu der Frage: Wie verhalten sich Beschnittene und Unbeschnittenc gegenüber den aus laxen Sitten resultirenden Gefahren? Auch hier ist der Beschnittene weitaus immuner. — Die innere Lamelle der Vorhaut ist ein Lieblingssitz venerischer Erkrankungen, seien diese gutartige, keine Residuen hinterlassende; seien sie bösartige, den ganzen Organismus vergiftende, ein trauriges Erbtheil für die Nachkommenschaft bildende Erkrankungen. Dazu, daß dieses innere Blatt um so häufiger erkrankt, kommt auch noch, daß cs der Behandlung, ja selbst der Erkenntnis der Krankheitsform schwerer zugänglich ist, als die beim Beschnittenen inficirte Stelle. Diese liegt frei zu Tage und ist sofort unserer Diagnose wie auch unserer Therapie zugänglich. Diese Erkrankungsformen sind cs auch zumeist, die zu den oben geschilderten Zuständen führen und eine Beschneidung im Mannesalter, d. h. unter erschwerenden Umständen, unerläßlich machen. Es ist eine statistisch nachweisbare Thatsache, das; Beschnittene einen unvcrhältnißmäßig geringen Procentsatz zu dem Eontingent in obiger Weise Erkrankter stellen. Die Schilderung des Verfahrens bei der rituellen Circumcision kann füglich unterbleiben, da wohl Jeder von Ihnen Zeuge einer solchen gewesen. Die Blutung bei derselben ist bei nur einiger Tüchtigkeit des Operateurs oder bei der Anwendung der Klemme eine minimale. Anders bei sogenannten Blutern. Es giebt nämlich Familien, -i» denen die Disposition zu nahezu unstillbaren Blutungen eine angeborene ist; ein leichter Schnitt in den Finger kann bei Individuen aus solchen Familien zu gefahrdrohenden Erscheinungen führen und in einem solchen Falle halte ich die Beschneidung für gefährlich und deshalb contraindicirt. Der Gefahr des Jnficirtwerdens des Kindes durch den Beschneider begegnet man durch die Wahl eines Mannes von über allen Zweifel erhabenen Charakter und nach sicherem Reinigen des Instrumentes und der Hände des Operateurs vor dem Beschneiden mit einer 5°/0 Carbolsäurelösung Was den Zeitpunkt der Beschneidung anlangt, so ist derselbe vollständig glücklich gewählt. Gehirn und Nerven sind bei einem achttägigen Kinde noch so unvollkonunen entwickelt oder doch in ihrer Function noch so träg, daß von einer hochgradigen Schmerzensenipsindung nicht die Rede sein kann. Aus dem Gesagten haben Sie, meine Herren, zweifellos ersehen, daß ich ein Fürsprecher der rituellen Cireumcision bin und wenn ich auch nicht so weit gehe, wie in jüngster Zeit ein preußischer Militairarzt, der die Beschneidung der neugeborenen Knaben auch den Christen zur Gewissenssache macht, so kann ich Ihnen doch aus vollster Ueberzeugung rathen, bei dem' alten, aber auch heute noch rationellen Brauch Ihrer Väter zu bleiben. Sie handeln dabei weder herzlos noch unklug, und documentiren damit, daß Sie sich eines Brauches nicht schämen, der bei vielen Vorzügen keinen andern Fehler hat, als etwa ein jüdischer zu sein. ^etlu ucj 6itccc&ticßteu/. Deutschland. AltMlN, im December. (Privatmitth.) Der deutsche Geist ist irre gegangen; er ist irre gegangen bei den Ultramontarien, irre gegangen bei den Socialdemokraten; am meisten aber im Judenhasse — denn diese Krankhcitserscheinung ist jetzt in Deutschland am weitesten verbreitet, inehr als in irgend einem Lande, und hat wieder einmal eine bedenkliche Hohe erreicht. Dies zeigt sich am offenbarsten, wenn eine solche Krankheit nicht allein jede Gewissenhaftigkeit verdrängt, sondern auch jede Scheu verloren hat, sich öffentlich in ihrer ganzen Nacktheit, in allen ihren giftigen Erzeugnissen sehen läßt. Vor uns liegt das Octoberheft der zu Bremen erscheinenden „Deutschen . Monatsblätter", die sich stolz „Centralorgan für das litcral r'.schc Leben der Gegenwart" benennen. In diesem Hefte ist eine Charaktcrskizze des. verst. M of ent h a l enthalten, deren Verfasser sich den wohlklingenden Namen „Skaldaspilli" (!!) gegeben hat. Wir haben, offen gestanden, von dem Dichter Mosenthal nicht viel gehalten, und den Menschen Mosenthal kannten wir nicht. Wir sind also ohne allespersönliche Jntereffe. Aber jedenfalls ist es empörend, von einem Verstorbenen, der sich nicht mehr vertheidigen kann, solche Geschichtchen äußerster Hartherzigkeit und lächerlichen Hochmuths auf- . getischt zu sehen, und zwar ohne daß der Pseudonyme, der