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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1879-01-01 · Heft 1 (1.1.1879) · p. Seite 8

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
43 (1879)
Issue
Heft 1 (1.1.1879)
Date
1879-01-01
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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man hat ihnen geantwortet, daß das Fleisch der Juden ein wirksames Heilmittel gegen die Viehkrankheiten ist. Sie glauben, daß man sie in Furcht jagen und zwingen will, das Land zu verlassen." (So schlimm dies ist, so ist es doch nicht mit den Greueln zu vergleichen, welche in Bulgarien und Ostrumelien an der türkischen Bevölkerung verübt worden sind. Uebrigens hoffen wir, daß bald beffcre Zustände durch gesetzliche Ordnung herbeigeführt werden. Redaction.) Belgrad, 0. Drcernber. Die Thonrede, mit welcher Fürst Milan in Risch die Session der Skupschtina eröffnet hat, liegt jetzt dem Wortlaute nach vor. In dem dritten Absatz lautet sie folgendermaßen: „Geehrte Abgeordnete! Die neue Lage Serbiens bringt für uns sowohl im inneren Leben, als auch in unseren äußeren Verhältniffen neue, nicht zu beseitigende Erfordernisse. Ich bin überzeugt, daß ihr in Uebereinstimmung mit meiner Negierung Mittel finden werdet, damit Serbien seiner Aufgabe würdig entspreche. In der neuen , dreijährigen legislativen Periode, die ihr heute beginnt, werdet ihr berufen sein, manche Lebensfrage für unser Land zu erledigen, in erster. Reihe aber mehrere Gegenstände, welche sich auf die Handels-, und V.erkchrsverbindungen mit fremden, hauptsächlich aber-mit. den Nachbarstaaten beziehen. Vorläufig empfehle ich eurer Aufmerksamkeit namentlich die Frage der vollständigen verfass ungs mäßig en Gleichstellung aller Religions- Bekenntnisse .in unserem Lande — eine Frage, worüber die letzte Nationalversammlung sich schon im Geiste der Freiheit und unserer Zeit ausgesprochen hat." . Belgrad, 12. Dccember. Man telegraphirt von hier: „Es verlautet, daß es der Negierung gelungen sei, zwei Drittel der Majorität, wir es die Verfassung vorschreibt, für die Annahme der, die Gleichstellung der Juden betreffenden Vorlage zu sichern. Dieser Gegenstand soll nächstens auf die Tagesordnung gesetzt werden." Nisch, 20 Dccccmber. Der Verfassung saus schuß der Skupschtina hat die. Gleichberechtigung aller Religionsbekenntnisse angenommen. (Man kann also mit ziemlicher Sicherheit denselben Beschluß durch die Skupschtina sserbische Deputirtenkammerj erwarten.) Rumänien. Bukarest , 21. Deccmber. In der Deputirtenkammer wurde die Ädreffe mit 75 gegen 1 Stimme angenommen. In Bezug auf die Abänderung der Art. 7 der Verfassung, welcher Ausländer nicht christlicher Confessio» hinderte, die Rechte rumänischer Staatsbürger zu erlangen, sagt die Adresse: „Da sich Rumänien heute in gut gestalteter politischer Stellung befindet, so glauben wir, daß diese einschränkende Bestimmung aus der Verfassung verschwinden könne." Bukarest, 17. Dec. Die Bedeutung, welche die Entwickelung unserer Angelegenheit hat, rechtfertigt wohl, wenn wir hier genauer auf die Antwort eingehen, welche die beiden Kammern auf die Thronrede des Fürsten erließen. Die Adreßcommissionen haben die Entwürfe ausgearbeitet und dieselben den Senatoren, beziehungsweise den Deputirten vorgelegt. In der Regel sind die Antworten auf Thronreden wenig Anderes als Paraphrasen der letzteren, und auch die gegenwärtig den rumänischen Kammern vorliegenden Entwürfe machen davon keine Ausnahme. Nichtsdestoweniger ist es im gegebenen Fälle nicht ohne Interesse, zu hören, wie die Kammern sich zu der Emancipation der Israeliten, welche die Thronrede als nothwendig bezeichnete, zu Verhalten gedenken. Der Adreßentwurf des Senats sagt bezüglich dieses Punktes: „Der Vertrag von Berlin wird in demjenigen Theile, welcher sich auf uns bezieht, mit. Loyalität-und sobald als möglich ausgeführt werden. Die Artikel unserer Verfassung werden mit dem internationalen Act in Uebereinstimmung gebracht werden, und der Artikel 7, welcher nicht mehr zu den Grundsätzen und der Aufklärung des Jahrhunderts paßt, wird verschwinden müssen. Indem wir. auf diese Weise den Schwierigkeiten und den Formen Rechnung tragen, die in unserer Verfassung begründet sind, und gleichzeitig auch den Wünschen der europäischen Mächte, hoffen wir, daß es nicht lange dauern wird, bis unsere diplomatischen Beziehungen zu allen europäischen Mächten wiederhergestellt sein werden." Der Adreßent/vurf der Kammer sagt bezüglich der Judenfrage: „Die Nation wünscht den Frieden durch die aufrichtige Befolgung des Berliner Vertrages zu sichern; sie wünscht die besten Beziehungen mit allen fremden Mächten und hofft, daß das Wohlwollen derselben ihr nicht fehlen wird. Um die ofsiciellen diplomatischen Beziehungen zwischen den europäischen Mächten und Rumänien zu erhalten, hat die Kammer Alles gethan und wird sie auch ferner Alles thun, was in ihrer Macht steht. Sie wünscht dringend, daß die Revisionskammer zusammentrete, und hegt die Hoffnung, daß letztere den groben Jrrthum zerstören wird, als ob cs in Rumänien religiöse Intoleranz gäbe oder jemals gegeben habe. Die rumänische Nation hat in gar keiner Epoche ihrer Geschichte religiöse Kämpfe durchgemacht. Der rumänische Boden war im Gegentheil für alle in anderen Ländern verfolgten Religionen eine Freistätte. Die Gesetze unseres Landes haben niemals eine politische Ungleichheit zwischen Rumänen auf Grund des Religionsbekenntnisses zugelassen. Die Bestimmung des Artikels 7 der Verfassung, welcher den fremden nichtchristlichen Bekenntnissen verbietet, Grundbesitz zu erwerben, war nur eine Maßregel der socialen und ökonomischen Ordnung, sowie die den' Muselmanen nach unseren alten Capitulationen mit der Pforte

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