Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 43 (1879)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1879)
- Date
- 1879-01-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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7 Zöglingen als Lehrerinnen, Erzieherinnen, Kindergärtnerinnen, Dienstboten und Arbeiterinnen dauernd placirt. Der Bericht dankt schließlich dem Handelsministerium, der Wiener israelitischen Cultusgemcinde, der Direction der Sparcafse, dem Polizei- Präsidenten R. v. Marx und anderen zahlreichen Gönnern, sowie der Wiener Presie für ihre dem Vereine zugewendete Unterstützung. Ein Appell der Präsidentin Frau Paula Frankl v. Hochwart an die Mitglieder, durch welchen dieselbe mit warmen Worten zur regen Theilnahme für die Vereinsbestrebungen aufforderte, schloß die Versammlung. Italien. Turin. 2. Dec. (Areli. isr.) Hier wie in den Synagogen der ganzen Halbinselnist nach dem Attentate auf den König Humbert ein feierlicher Dankgottesdienst für die glückliche Errettung unsres Königs aus ruchloser Mörderhand abgehalten worden. Es war dieß aber keine bloße Förmlichkeit, sondern die Herzen aller Anwesenden waren von Gefühlen des Schmerzes unb der Freude zugleich ergriffen. Dafür lag der Beweis schon in dem großen Zudrang von Betern, die das Gotteshaus wie an den höchsten Feiertagen unsrer Religion füllten. — Die letzten Überschwemmungen des Tibers in diesen: Jahre brachten den armen jüdischen Familien, die von Dürftigkeit gezwungen noch in Ghetto wohnen, außerordentliches Elend, und cs ereigneten sich daselbst herzzereißende Jammerseencn. — Mehrere jüdische Familienväter von Turin haben bei dem Magistrate den Antrag gestellt, daß der jüdische Religionsunterricht in die Communalschulen cingeführt werde, die von einer großen Zahl jüdischer Kinder beiderlei Geschlechts besucht werden. Man versichert, daß ihr Gesuch günstig ausgenommen worden. In der Talmud-Thora werden die Kinder, deren Eltern es ver langen, in: Hebräischen unterrichtet. Frankreich. Paris, lf>. Dec. Im Abgeordnetenhaus wurde der jährliche Bericht über die Deportation nach Neu-Caledonien vertheilt. Unter den 3564: Deportirtcn befinden sich 2786 Katholiken, 311 Protestanten, 22 Israeliten, <S‘J Mohamedaner, 356. Heiden (?). (Es kommt also 1 Jude auf 162 Deportirte, was nach dem Bevölkerungsverhältniß in Frankreich sehr bedeutend ist. Redact. d. A. Z. d. I.) — Die Liste der Profefforen am College de France für dieses Jahr enthält 4 jüdische Namen; allgemeine und mathematische Physik Herr Maurice Levy; Natur- und Völkerrecht A. Franck; affyrische Philologie und Archäologie Jules Oppcrt; vergleichende Grammatik Michel Areal. Serbien. Aus Risch, im November, berichtet das Bulletin der Alliance isr. univ. Folgendes, was uns so recht vor die Augen führt, auf welche Weise die Serben die Beschlüffe des Berliner Eongreffes auszusühren gedenken. Nisch gehört zu den Districten, welche die Türkei den Serben überlaffen mußte und wo die Israeliten unter der türkischen Herrschaft volle bürgerliche Gleichstellung genossen. „Seit Beginn der serbischen Occupation hat man den Israeliten Alles, was sie bei der Flucht der Türken gekauft hatten, genommen; 1ÖCO Zechinen sind ihnen aus diese Weise geraubt worden; 2 oder 3 israelitische Kaufleute wurden ins Gcfängniß geworfen, ohne Nahrung gelassen und konnten keine Verpflegung erhalten, da man nicht wußte, wo sie sich befinden; man trieb eine enorme Summe Lösegeld von ihnen ein. Andere Leiden, mit denen man die Israeliten überhäufte, sind folgende: 1. Sonst wurde der Wochenmarkt von Nisch am Montag abgehaltcn; seit Ankunft der Serben hat man ihn auf Samstag verlegt, um die Israeliten von ihm fernzuhalten, die sich hierdurch der Mittel beraubt sehen, für den Unterhalt ihrer Familien zu sorgen; sie haben es sich viel Geld kosten taffen, um eine Rücknahme dieser Maßregel zu erlangen, vergebens; man hat ihnen Versprechungen gemacht, die nicht gehalten worden sind.! — 2. Die Israeliten sind mit unerträglichen Steuern und Taxen belastet worden, die sie nur leisten können, indem sie ihre Kleider verkaufen. — 3. Man hat sie mehr als die Anderen $ttr Frohne arbeiten lassen. — 4. In jedem Augenblicke werden ihre Waarenlagcr überfallen und geplündert; die Gerichte und die Polizei j bleiben bei ihren Beschwerden stumm. — f>. Die Serben zwinj gen sie, ihre Laden an den serbischen Feiertagen zu schließen. — | 6. Sie können nicht mehr Fleisch essen, weil man ihren Schoch et nicht mehr ins Schlachthaus läßt; ein einziger Laden ist ihnen gelassen worden, aber tvenn das Thier trefa wird, so haben sie kein Fleisch mehr zu effen; sie hatten daran gedacht, eine eigene Fleischerei zu eröffnen, mußten aber davon abstehen, da sie das Fleisch, wenn cs für trefa. erklärt worden, nicht verkaufen könnten; sic wären in diesem Falle gezwungen, es; ins Wasser zu Wersen, denn die Bulgaren behaupten, daß das Fleisch der Juden sie krank machen würde. — 7. Sie haben neulich constatirt, daß mehrere Gräber auf ihrem Friedhöfe zerstört worden sind, namentlich dasjenige des Halm Karyo, eines am 1. Octobcr c. verstorbenen reichen Kaufmannes, dessen! Leichnam am 11. November e. aus dem Grabe, gezogen und jin kleine Stücke zerschnitten worden ist, die nmn sortgetragcn j ^cit; die Behörde hat noch nichts gethan, um die Schuldigen zu entdecken. Diese Prosanation hat sich 4 Tage später bei 4 anderen israelitischen Gräbern wiederholt, die Weißen Todtenkleider wurden auf der Straße gefunden. Die Israeliten chaben Genugthuung für diese Beschimpfung verlangt, aber