Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 43 (1879)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1879)
- Date
- 1879-01-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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4 2) Die Institution des Sabbaths. Die Einheit in allen Buchen: der h. Schrift zeigt sich nirgends in offenbarerer Weise als in der Institution des Sabbaths, deren Bedeutung in religiöser, sittlicher, socialer, volkswirthschaftlichrr und gesundheitlicher Beziehung ') allgemein anerkannt und durch die Uebernalnne seitens aller positiven Rcligionen erwiesen ist. Hat doch selbst der skeptische Geist in der modernen Zeit die Institution des Sabbaths nicht nur nicht anzutastcn gctvagt, sondern ihre Erhaltung nachdrücklich gefordert- Die Uebung des Sabbaths durch alle Zeilen des israelitischen Volkes hindurch, selbst in denen, in welchen das Heidcnthum in dasselbe thciltveise tvicder eingedrungen war und die Existenz der Gotteslehre bedrohte, ist durch die Bücher der h. Schrift bezeugt und darum so recht ein vollgültiges Zeugniß gegen die Hypothesen der Kritiker über die Religion des alten Israels. Wir tvollen deshalb über diesen Gegenstand vollständig sein. Die Institution des Sabbaths wird 1 Mos. 2, 3 unmittelbar an die Schöpfung geknüpft, weshalb auch wir sie hier an die Lehre von der Weltschvpsung anschließen. Schon früher betonten tvir einmal, wie gerade hierdurch die menschliche Arbeit von Anfang an ihre höchste Würdigung erfährt, daß sie dem Schöpfungswerke Gottes analogisirt wird. Der. Sabbath ist aber auch schon Gegenstand der vorsinaitischcn Gesetzgebung, geschichtlich eingcführt bei Gelegenheit des Manna 2 Mos. 16, 23), und erscheint dann als das vierte der Zehn Worte sowohl 2. Mos. 20, 8; als 5). Mos. 5>, 12. Durch die Stellung in den letzteren ist er als die Hauptstütze für die religiös-sittliche Ordnung der menschlichen Gesellschaft bezeichnet. Alsbald finden wir ihn aber auch wieder unter den Specialgesetzen (2 Mos. 23, 12), unter den Gesetzen der Heiligung (3 Mos. 10, 3. 30.), unter den die Stistshüttc betreffenden Anordnungen (2 Mos. 31, 13; 35', 2), unter den Fest- und Opfergesetzen (2 Mos. 23, 3; 24, 8; 4 Mos. 28, 0), und endlich geschichtlich aus der Zeit der Wüstenwanderung (4 Mos. 15>, 32). Was also auch die Kritik aus dem Pentateuch zu machen sucht, sie stößt in ihm überall auf den Sabbath, auf deffen gleiche Hoch- und Hcilighaltung; sie findet ihn bei ihrem „Elohisten" wie „Jehovisten", bei dem Deuteronomisten wie bei ihrem Verfasser des Priesterbuches. Die Zeugniffe aus den vorexilischen Zeiten sind um so durchschlagender, als sic nur durch beiläufige Erwähnung, also durch ganz absichtslose Kundgcbungen dargeboten sind. So aus der Zeit des Ahab <2 Kön. 4, 23), der Athaljah (11, 5>. 2 Chron. 23, 4), des Achas (16, 18). An beiden letzteren Stellen ist cs für uns um so wichiibor das Feruhatten aller mythologischen Figuren durch die heilige Schrift zu verstehen. 0 Ucber die sociale Ncdcutung des Sabbaths hat Niemand trefflicher gesprochen als Proüdhon (). Jahrg. 1875 S. 343 ff.). Vom gcfundheillichen Slandpuult betrachtet ihn: Schauenberg, hygienische Studien über die Sonntagsruhe '(Berlin, Grieben 1878). Wir führen noch an: Li; repos du Samedi par le Grand-Kabbiu G. Netter do Nioe (Paris, Blum 1^76.} tigcr, bestimmte Einrichtungen in und am Tcinpel auf Grund des Sabbaths zu getvahren. Endlich ans der Zeit des Königs Hrskia (2 Chron 31, 3) — wobei wir nach der Ansicht, die man jetzt «teisthin votit Ehronisten hat, keinen besonderen Nachdruck auf die von ihm geschilderte Organisation der Pricsterschaft und Leviten unter David und Salomo, wobei der Sabbath eine bedeutende Nolle spielte, legen wollen (1 Chron 23, 13; 2 Chrom 2,3; 8,13). Gleich nach dein Exil finden wirden Sabbath wieder (1 Chron. 0, 32.) Wir kommen zu den Propheten. Es begegnet uns bei ihnen eine doppelte Strömung, wie sie in der Natur der Sache lag. Die eine ist für unsren Zweck ganz besonders wichtig, nämlich die Verurthcilung der heuchlerischen, mit sittlichem Thun nicht verbtlitdencn Hebung des Sabbaths, wie sie Jesajas 1, 13 und Hosea 2,13 ausspricht. Einenunzweideutigeren Beweis dafür, daß der Sabbath zur Zeit dieser Propheten in voller Uebung stand, kann man tticht fordern. Die andere Strömting geht gegensätzlich auf die Mahnung, den Sabbath zu heiligen und gegen die Entweihung desselben zu protestiren. Hierhin gehört schon die Ctrafrede des Amos 8, 5>, wo neben dem Unrecht gegen Bedrängte und falschem Maß und Gclvicht die Verktunmerung des Sahbaths dadurch, daß man deffen Dauer abkürzt, um Geschäfte zu betreiben, aufgesührt wird, dann die Strasrede des Jeremias über die Verletzung des Sabbaths 17, 10 ff.; nicht minder die des Ezechiel Kap. 20, wo es immer heißt: „Meine Rechte wtd meine Satzungen und meine Ruhetage." So auch 22, 8. 26; 23, 38. Auch in seinem Gesctzeittwurfe giebt Ezechiel dem Sabbath die. ihm gebührende Stelle 44, 24; 45», 17, am Tempel 46, 1, unter den Opfern V. -1. 12. Auch der zweite Jesajas sieht den Sabbath als ein Fundautent der ganzen Gotteslehre an. Dtlrch die Heilighaltung desselben wird der Fremdling zu einem vollberechtigtem Bekenner der Gotteslehre (5-6, 2. 6.) In der berühmten Rede gegen alle heuchlerische Askese (Kap 5>H), stellt er als Gegensatz die freudige und ernste Heiligung des Sabbaths auf, und endlich sicht er in der messianischen Zeit alle Mctischensöhne den Sabbath gottesdienstlicher Feier widmen (66, 23.) — In den Klageliedern (2, 6) wird das Aushören der gottesdienstlichen Feier des Ruhetages im Tempel beklagt. Den 02. Psalm bezeichnet die Ucberschrist als Sabbaihlicd. Endlich wissen wir aus dem Buche Rchentia, )vic dieser den Sabbath ulken Gesetzen und Geboten voranstellte c0, 14), lute der Sabbath gehalten und die Opfer an dcmselbe«! dargebracht wurden (10, 32. 34), und endlich wie er das Volk, das sich des Sabbaths entwöhnt hatte, zu dessen Beobachtung nöthigte (13, 15) ff.) Dies finb die Stellen der h. Schrift, die vom Sabbath reden, und so erweist sich derselbe als eine einheitliche Idee, die zu den hervorragendsten und gewichtigsten der h. Schrift gehört.