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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1879-01-01 · Heft 1 (1.1.1879) · p. Seite 5

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
43 (1879)
Issue
Heft 1 (1.1.1879)
Date
1879-01-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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5 Literarischer Wochenbericht. Bonn, 12. December. Lehrbuch der jüdischen Geschichte und Literatur. Von Dr. David Cassel. Leipzig, Brockhaus 1879. Mit Recht beginnt der durch eine Reihe verdienstvoller literarischer Arbeiten rühmlich bekannte Verfasser seine „jüdische" Geschichte und Literatur mit dem babylonischen Exil. Da aber in neuerer Zeit die Bezeichnung „Juden" wieder in schwankender Weise verwendet worden, da z. V. Ebers die „Juden" unter Moses aus Egypten ziehen läßt, Herzfeld seine vortreffliche Handelsgeschichte als die „der Juden des Alterthums" betitelt, während er seine Darstellung von den Erzvätern her anheben läßt, so hätte doch Cassel Recht gethan, auf dem Titel seines Merkes „vom babylonischen Exil bis zur Gegenwart" zu vermerken. Das vorliegende Werk befriedigt ein fühlbares Bedürfnis;, denn zwischen einem Leitfaden und den umfassenden Geschichtswerken in zahlreichen Bänden liegt das Verlangen, in gedrängter Darstellung die Geschichte und Lltcratur nach ihren wesentlichen Momenten zur Lcctüre und zum Nachschlagen zu besitzen, während für die Schule die kleineren Gcschichtswerke von Jost, Willstätter und Hecht genügen. Der Verf. hatte nach seinem Vorwort die Absicht, für den Gebrauch in der Hand des Lehrers den in seinen: Leitfaden in knappen Umrissen gegebenen Stoff weiter auszuführcn und zu ergänzen, sowie allen denjenigen, welche ein Interesse daran haben, sich über jüdische Geschichte und Literatur zu belehren, ohne umfangreichere, streng wissenschaftliche Werke durchstudiren zu können, ein willkommenes Buch zu liefern. Mit Vergnügen sprechen wir uns dahin aus, daß dem Verf. die Erreichung dieser Zwecke gelungen ist. Die umfassende Sachkenntnis; und der ausdauernde Fleiß des Verf., wie er diese stets bewährt hat, machten ihn besonders geschickt dazu, und er hat hierdurch ein verhältnißmäßig höchst reiches Material, auch auf eigene Forschungen gestützt, in der vorliegenden Schrift verarbeitet. Es geschieht dies in einer flüssigen, anziehenden Sprache, wenn auch nicht in einer schwungreichen und markirenden. Dies führt uns zu dem, was uns an dieser neuen Arbeit Cassel's mangelhaft dünkt. Der Verf. hält sich zu sehr an die äußere Erscheinung, ohne uns ein tieferes Verständnis;, sei es der Epochen, sei es der geistigen Gestaltung, sei cs der hervorragenden Persönlichkeiten darzubieten. Er bleibt fast durchgehends bei der Oberfläche stehen und' tvciß uns nichts über die tiefer liegenden Eigentümlichkeiten zu sagen. Gerade von einem.Handbuche verlangt man bei ausführlicher Behandlung S&etfauicjAii Deutschland. Berlin, 20. Dec. -Privathmitth.). Das jüngste Auftreten der Ccntrumspartei und die entschiedene Antwort des die deutliche Hervorhebung der Eigenthümlichkeitcn, bei gedrängter Erwähnung des Einzelnen ein scharf charaktcrisirendcs Epitheton, wodurch der Leser einen Einblick in die tiefere Natur des Objektes und eine Anregung zum weiteren Studium getvinnt. Es ist dies für Lehrbücher der Geschichte und Literatur eine unbedingte Forderung geworden, namentlich seitdem Wachlet in seinem „Lehrbuch der Literaturgeschichte" (1890) ein mustergültiges Vorbild ausgestellt hat. Man braucht nur im vorliegenden Werke die Paragraphen z. B. über Philo, Saadia, Gabirol, MaimonideS, Mendelssohn u. A. zu lesen, um zu bemerken, wie uns hier nur ein Abriß ihrer äußeren Stellung und ihrer hauptsächlichen Schriften gegeben wird, ohne irgend ein treffendes Bild ihrer eigentlichen Gedankenwelt und des charakteristischen Inhalts ihrer Werke, ihrer Anschauungen, ihres Systems darzubieten. Mangelhaft ist ferner die Darstellung der Neuzeit, sowohl des geschichtlichen Prozeffcs, als auch der Literatur. Bei der Akribie, mit welcher der Verf. in den früheren Perioden, z. B. auch die unbedeutenderen halachischcn Autoren behandelt, ist es doch wohl auffällig, daß er Schriftsteller wie Salvador, Steinheim, S. Hirsch, Formstecher, Fasset, Adler und viele Andere gar nicht erwähnt; bei Vielen, die er anführt, verschafft der Verf. dem Leser kaum eine Ahnung von deren Leistungen. Wir gestatten uns hierbei eine Bemerkung, die wir durchaus nicht allein an den Vers, der vorliegenden Schrift richten. Der Geschichtsschreiber soll unparteiisch sein, soll sich auf keinen Parteistandpunkt stellen, weil er sonst einer richtigen Beurtheilung und damit einer wahrheitsgemäßen Darstellung nicht fähig ist. Aber er nmß doch irgend einen bestimmten Gesichtspunkt, eine dem Wesen des historischen Gegenstandes, den er behandelt, entsprechende Anschauung haben, ^weil sonst seine Schilderung farblos, oberflächlich, nur aus äußerlichen Notizen zusammengesetzt wird. Dies scheint uns der Fall bei den jüngsten historischen Arbeiten zu sein, die auf unseren: Gebiete veröffentlicht worden. Die Erkenntnis; des geschichtlichen Levens, wie es sich fortsetzt und nach einen: gewissen Ziele hin entwickelt, fällt dabei gänzlich hinweg, und der Leser schöpft daraus kein näheres Verständnis;, was doch in: Grunde der eigentliche Werth der Geschichtsunterweisung ausmacht. Indem tvir daher unsere Meinung aufrecht erhalten, daß die vorliegende Schrift eine tüchtige Leistung ist und einen: Bedürfnis; abhilft, glauben tvird doch, daß sie einer späteren bedeutenderen Arbeit den Platz räumen würde. Xcßu/cßteU'. Cultusministeriums haben zur Klärung der Verhältnisse I.viel beigctragen. Denn da es sicher ist, daß die Verhandlungen zwischen Berlin und Rom nicht abgebrochen sind, so geht daraus horvor, daß die Eentrumspartei sich vergebens hinein-

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